Draconian - In Somnolent Ruin
Review
Es war viel los im Hause DRACONIAN in den letzten knapp sechs Jahren, seit Erscheinen des letzten Longplayers „Under A Godless Veil“. Neben dem Ausstieg von Sängerin Heike Langhans 2022 und dem Wiedereinstieg von Lisa Johansson, gab es auch Wechsel an Drums und Rhythmusgitarre. Wird man das dem neuen Material anmerken? Kann an den etwas sperrigen, aber durchaus sehr gelungenen Vorgänger angeknüpft werden? Viele Fragezeichen, die dem Release von „In Somnolent Ruin“ vorangehen – wir versuchen sie zu klären.
DRACONIAN – Geht es nahtlos weiter?
Ist „I Welcome Thy Arrow“ ein typischer Opener? Wenn man diesen so definiert, dass der Song bereits ein wenig vorweg nimmt, was den Hörer auf dem Album erwartet: Ein klares Ja! Atmosphärisch dicht und gleich zu Beginn recht eingängig, wäre der Achtminüter vielleicht sogar die logischere Wahl als erste Single gewesen, im Vergleich zum zwar kürzeren aber weniger direkten „Cold Heavens“.
Das Zusammenspiel zwischen dem noch einmal wütender als sonst klingenden Anders Jacobsson und Lisa Johansson funktioniert von Anfang an bestens. A propos: Technisch kann man Heike Langhans absolut nichts vorwerfen, rein emotional agiert Lisa Johansson hier aber insgesamt deutlich intensiver, gerade in „Cold Heavens“ und „The Monochrome Blase“ katapultiert ihre Leistung die Songs in Sachen Verzweiflung auf ein anderes Level.
Erneut von Gitarrist Johan Ericson (zusammen mit Daniel Lidén) selbst aufgenommen, klingt die Platte wieder großartig. DRACONIAN haben die Formel gefunden, wie man es schafft, den durchaus vorhandenen Gothic-Kitschfaktor so auszubalancieren, dass man eben nicht klebrig klingt, sondern eher an die großen MY DYING BRIDE zu ihren besten Zeiten erinnert. Von Klassiker-Kopie kann aber keine Rede sein, zeigen sich dieses Mal noch deutlicher auch Einflüsse aus dem Post-Metal, ganz besonders im großartigen „Misanthrope River“ mit seinen, dem Schwarzmetall entliehenen Gitarren.
Wirkliche Ausfälle sucht man sowieso vergebens, reine Durchschnittsware fehlt erfreulicherweise auch, was sich aber erst nach einer Weile erschließt. Denn: Trotz seiner höheren Eingängigkeit, dem leichteren Zugang, ist „In Somnolent Ruin“ ein echter Grower geworden. Bei den ersten paar Hördurchgängen kommt, neben ein paar herausstechenden Highlights, manchmal der Gedanke auf: „Ja, DRACONIAN halt, ne?“. Das ändert sich aber praktisch mit jedem weiteren Durchlauf, bis das Songmaterial am Ende seine volle Größe entfaltet und mehr als einmal für gewaltig Gänsehaut sorgt.
Zugänglich und doch komplex – „In Somnolent Ruin“
Erst einmal: Ja, auf „In Somnolent Ruin“ meldet sich Lisa Johansson eindrucksvoll auch im Studio zurück. Vor allem in Sachen Songwriting machen DRACONIAN ebenfalls einen Schritt nach vorn, insbesondere weil die Songs wieder etwas zugänglicher sind, gleichzeitig aber über verschiedene Ebenen und komplexe Details verfügen, so dass sie mit der Zeit sogar noch an Stärke gewinnen.
Was aber auch klar sein muss: Die Veränderungen sind eher marginal, DRACONIAN klingen immer noch wie sie selbst, wer rumätzen möchte, wird „In Somnulent Ruin“ Stillstand attestieren. Tatsächlich handelt es sich aber um eine extrem starke Platte, die sich vermutlich auch am Ende des Jahres als eine der stärksten Doom-Platten desselbigen erweisen wird. DRACONIAN untermauern ihren Ruf als eine Band, auf die sich alle Doom-Fans einigen können – und nicht nur diese.
Draconian - In Somnolent Ruin
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Death Doom Metal, Gothic Metal |
| Anzahl Songs | 9 |
| Spieldauer | 57:54 |
| Release | 08.05.2026 |
| Label | Napalm Records |
| Trackliste | 1. I Welcome Thy Arrow 2. The Monochrome Blade 3. Anima 4. The Face Of God 5. I Gave You Wings 6. Asteria Beneath The Tranquil Sea 7. Cold Heavens 8. Misanthrope River 9. Lethe |
