Emma Ruth Rundle - These Killing Times
Review
Das letzte Album „Engine Of Hell“ war eine Reduktion. EMMA RUTH RUNDLE stellte ihre Stimme, die akustische Gitarre und das Klavier weitgehend ungeschützt in den Raum und schuf damit eine ungewohnte Nähe. „These Killing Times“ geht nun in die entgegengesetzte Richtung. Die Arrangements sind wieder opulenter, die Gitarren kraftvoller und die Songs dynamischer. RUNDLE holt sich zahlreiche Musikerinnen und Musiker ins Boot und gibt ihrer Musik damit wieder deutlich mehr Bewegung.
Zurück zur klanglichen Weite
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Atmosphäre des Vorgängeralbums verschwunden wäre. RUNDLEs Gesang wirkt direkt und hält die Songs eng bei der Person, während sich dahinter weitläufige Klangräume auftun. „Powerless“ ist ein guter Einstieg: Zunächst zurückhaltend, wächst der Song in die Breite und entwickelt zunehmend Schwere. „Anvil“ setzt anschließend noch stärker auf verzerrte Gitarren und jene dunkle Wucht, die man aus früheren Phasen ihrer Solokarriere kennt.
„These Killing Times“ ist erstaunlich abwechslungsreich. „Don’t Delay Heaven“ zeigt die ruhige, „Catherine Wheel“ die deutlich rockigere Seite. An anderer Stelle tauchen weitläufige Flächen, dezente elektronische Elemente oder ungewöhnliche Instrumentierungen auf. Das Saxofon in „God’s Picture“ und „Enough“ setzt Akzente, die man in RUNDLEs Musik nicht unbedingt erwarten würde.
Am eindrucksvollsten funktioniert die stilistische Spannweite in „Human Kindness“. Der über acht Minuten lange Song beginnt unscheinbar und entwickelt sich zu einem schweren, ausufernden Stück. Hier treffen verschiedene Seiten der Künstlerin aufeinander: die verletzliche Sängerin, die atmosphärische Post-Rockerin und die Musikerin, die auch vor Doom und Post-Metal nicht zurückschreckt.
Inhaltlich verlässt RUNDLE die persönliche Ebene von „Engine Of Hell“ und richtet den Blick stärker auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Die Songs handeln von Ohnmacht, Krisen und der Suche nach Verbindung in einer immer rauer werdenden Welt. Trotz dieser Themen verliert sich die Platte nicht in Schwermut. Gerade die Idee von Gemeinschaft verleiht ihr eine spürbare Wärme.
Horizonterweiterung im eigenen Klangkosmos
„These Killing Times“ bündelt somit vieles, was RUNDLEs Karriere ausmacht: Folk und Singer/Songwriter treffen auf Post-Rock, Alternative und die düstere Seite ihrer früheren Arbeiten. Nach der radikalen Reduktion von „Engine Of Hell“ ist das Album eine hörbar größere und vielschichtigere Angelegenheit – und zugleich eine überzeugende Standortbestimmung innerhalb ihres bisherigen Schaffens.
Emma Ruth Rundle - These Killing Times
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Alternative Rock, Folk Rock |
| Anzahl Songs | 8 |
| Spieldauer | 43:45 |
| Release | 18.09.2026 |
| Label | Errant Child |
| Trackliste | 1. Powerless 2. God's Picture 3. Anvil 4. Catherine Wheel 5. Don't Delay Heaven 6. Enough 7. Human Kindness 8. Oceans Of Time |
