Flykt - Sinister Strain
Review
Hinter FLYKT stecken zwei Veteranen der schwedischen Black-Metal-Szene. Shouter Andreas hat früher bei VALKYRJA das Mikrofon angeschrien und Gitarrist Joel war bei BLOODSHED und REV 16:8 aktiv. 2016 haben die beiden beschlossen, als FLYKT ihr eigenes Süppchen zu kochen und so folgte 2019 das Debüt sowie kurz darauf eine EP. Schlappe sieben Jahre später beehrt uns das Duo nun mit seinem zweiten Album „Sinister Strain“, aber bös Ding will ja schließlich Weile haben.
Einmal schwedisch-orthodox mit Schuss bitte
Musikalisch klingen FLYKT, man wird es kaum glauben, sehr schwedisch. Dabei platzieren sie sich ziemlich genau zwischen der finsteren, angriffslustigen Melodik von WATAIN und der präzisen Zerstörungswut von MARDUK. Man zieht also sowohl mit geschärfter Klinge als auch mit Panzersupport in die Schlacht. Der Beipackzettel nennt zudem noch MGLA, ABIGOR und DEATHSPELL OMEGA als Einflüsse, was hier und da auch durchaus mal durchschimmert. Allerdings agieren die beiden Schweden selten so niederschmetternd pessimistisch wie die Polen oder so verschachtelt und unnahbar wie die Österreicher und Franzosen.
Die schwedische DNA bleibt jederzeit offenkundig, wie „Transcendent Rebellion“ auch gleich unmissverständlich klarmacht. FLYKT platzieren sich hier (un)bequem zwischen den beiden genannten Haupteinflüssen, wobei die Tendenz etwas stärker zur MARDUKscher Brutalität neigt, während bösartig flirrende Leads vor allem die Frühphase der Teufelsanbeter aus Uppsala zitieren. Ähnlich verhält es sich mit „An Uncarved Block“, bevor „The Release And Decent“ das Tempo deutlich drosselt und auf schleppenden Nackenbrecher-Groove setzt, der immer wieder von unheilvollen Melodien aufgebrochen wird.
Das locker von der Zunge rollende „Armed With Countless Daimons Seeking Abode“ setzt ebenfalls mehr auf Dissonanz und eine stockfinstere, lebensfeindliche Atmosphäre, denn auf rohe Brachialgewalt. Mit einem schaurigen Ambient-Part am Ende des Songs schlagen FLYKT hier tatsächlich die Brücke zu den eigentümlicheren Auswüchsen des Genres. Und nach ein paar wieder etwas deutlicher im Sound der schwedischen Heimat verhafteten Stücken, wird beim abschließenden Longtrack „There Comes The Light“ mit repetitiven Riffs und bedrückender Atmosphäre auch der MGLA-Referenz ausgiebig Genüge getan. Wobei die letzten fünf Minuten des Vierzehnminüters ehrlicherweise mehr Ambient-Outro als Song sind und es fraglich ist, ob man sich das bei jedem Durchlauf bis zum Ende geben will.
„Sinister Strain“ ist eigenständiger als das Debüt
Dass FLYKT auf „Sinister Strain“ nichts machen, was man nicht irgendwo schonmal in irgendeiner Weise gehört hat, sollte auch ob der genannten Referenzen kaum verwundern. Den Alleinstellungsmerkmalen, welche der ehemalige Kollege dem Debüt „Charnel Heart“ noch weitestgehend abgesprochen hat, kommen die Schweden auf ihrem zweiten Album jedoch etwas näher.
Dabei hat man die Formel eigentlich nur marginal verändert und ist nach wie vor tief im orthodoxen, überwiegend gradlinigen Black Metal verwurzelt. Allein die Variation der Zutaten fühlt sich diesmal etwas stimmiger an. Gerne können sich FLYKT in Zukunft auch noch ein wenig stärker in ihre dissonant-verquere Seite hineinlehnen, um ihrem Sound noch etwas mehr Eigenständigkeit und Abwechslungsreichtum zu verleihen. „Sinister Strain“ ist in dieser Hinsicht aber in jedem Fall eine vielversprechende Steigerung im Vergleich zum Vorgänger.
Flykt - Sinister Strain
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Orthodox Black Metal |
| Anzahl Songs | 9 |
| Spieldauer | 55:04 |
| Release | 18.06.2026 |
| Label | Hammerheart Records |
| Trackliste | 1. You Will Know Them by the Reek of Defeat 2. Transcendent Rebellion 3. An Uncarved Block 4. The Release and Descent 5. Armed With Countless Daimons Seeking Abode 6. Rebirth in the Name of Reprisal 7. Unswerving Strife, Unyielding Will 8. A Furnace for the Stars 9. There Comes the Light |
