Forhist - Forhist

Review

FORHIST sind keine Unbekannten und dennoch sind sie mysteriös. Hinter dem Projekt steckt Vindsval, Sänger und Gitarrist der französischen Querköpfe BLUT AUS NORD. Das war es auch schon mit verifizierten Angaben zu FORHIST. Keine Fotos, keine Texte, keine Songtitel. Es geht ja immerhin um die Musik. Was in den meisten Fällen eine wahre und zugleich ziemlich prätentiöse Plattitüde ist, passt bei diesen (vermeintlichen) Franzosen wie die Faust aufs Corpsepaint-Auge.

FORHIST: Neunziger-Huldigung in zeitgemäßem Gewand

Vindsval lebt mit FORHIST seine Liebe zu den primär norwegischen Klassikern der frühen Neunziger aus. Dabei schreckt er auch nicht vor flächigen Keyboards zurück, die – zugegeben – vor allem während jener Zeit nicht unüblich waren. Die Mischung aus Raserei und ätherischen Soundteppichen erinnert insgesamt stark an das EMPEROR-Debüt “In The Nightside Eclipse” und ein bisschen alte SATYRICON nebst den Frühwerken von GEHENNA. Allerdings verzichten FORHIST auf den urtümlichen Rumpel-Sound: Das nach der Band benannte Debüt knallt druckvoll und transparent aus den Boxen, ohne Atmosphäre oder Brutalität einzubüßen. Im Gegenteil: “Forhist” tönt zwar hörbar zeitgemäß, erschafft aber eine frostig-finstere Atmosphäre, die trotz zahlreicher Bemühungen gar nicht so alltäglich im aktuellen Genre-Geschehen ist.

Dadurch kann “Forhist” auf die Hörenden sehr einnehmend wirken. Das Album funktioniert als Ganzes, als Reise oder innerer Film einer hermetischen Welt, die auf keinen Fall weltliche Ablenkung getrübt werden möchte. Anhaltspunkte wie Hooks oder erkennbare Chorus-Parts gibt es nahezu nicht, was dem introspektiven Charakter des Albums zugutekommt. Somit passt die zur Schau gestellte Anonymität ausgezeichnet zu diesem Album. Sie zeichnet ein Gesamtkunstwerk aus, das es überhaupt nicht nötig hat, zu viel von sich preiszugeben und sich durch nichts aus seiner eigenen Welt reißen lässt.

FORHIST? Solltet ihr auf dem Zettel haben!

FORHIST sind mit dem aktuellen Wiedereinbruch des Winters zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ihr wollt in Gedanken auf dem verschneiten Caradhras wandern? Durch Wälder längst vergessener und böser Hexerei pirschen? Bisschen depressiv aus dem Fenster in die Landschaft gucken? Vindsval und seine heimlichen Mitstreiter können das alles mit Leichtigkeit untermalen und werden am Ende des Jahres sicher zu den Black-Metal-Highlights gezählt werden.

19.02.2021

Redakteur | Koordination Themenplanung & Interviews

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