Gojira - Magma

Review

Neues Studio, neues Album: Im Vorfeld der Aufnahmen zu „Magma“, dem sechsten Album von GOJIRA, errichteten sich die Franzosen ihr eigenes Studio, um fortan ohne Druck arbeiten zu können, wie Mario bereits in unserem Gespräch erläuterte. Aber nicht nur in dieser Hinsicht stellt das neue Album einen Neuanfang dar, auch musikalisch hat man sich weiterentwickelt.

GOJIRA fordern den Hörer heraus

„Magma“ könnte den ein oder anderen GOJIRA-Fan, der die Band über ihre vergangenen Leistungen – seien es „From Mars To Sirius“ oder „The Art Of Dying“ – kennen und lieben gelernt hat, zunächst einmal auf dem falschen Fuß erwischen. Denn hier wurde der Death Metal passagenweise komplett über Bord geworfen.

Das macht „Magma“ natürlich lange nicht zum GOJIRA-Äquivalent von „Heritage„, hier und da schauen die „alten“ GOJIRA doch noch mal vorbei. Aber gerade der Opener „Shooting Star“ fällt mit dieser neuen Tür schon mal unsanft ins Haus, setzt die neue Keule beim nichts ahnenden Hörer trocken an. Hier weht dem Hörer mitunter ein Hauch der späteren KATATONIA entgegen, was auch an Joe Duplantiers klarem Gesang liegt. Dieser Eindruck stellt sich regelmäßig ein, auch beim Titeltrack und den ruhigeren Passagen von „Silvera“ oder „Pray“.

Weiterhin fällt die kurze Spieldauer – nur etwas über 40 Minuten – auf. Die Songs kommen sehr schnell auf den Punkt, was „Magma“ als Gesamtwerk sehr bündig wirken lässt. Natürlich fehlen dadurch die großen, monolithischen Strukturen, die frühere GOJIRA-Songs wie massive Bollwerke aus dem Boden herausragen ließen. Das wiederum wird durch den etwas größeren Hang zu Atmosphäre kompensiert, der einigen Passagen von „Magma“ etwas geradezu Dämonisches verleiht. Die Songs gehen teilweise wirklich in die Magengrube und mischen diese mit bedächtig platzierten Chören, Noise oder Drones gründlich auf – subtil, effektiv, klasse. Interessant ist in dieser Hinsicht auch, wie die Gitarren (bei „Stranded“ etwa) aufjaulen, als würden sie in der titelgebenden Magma gebadet und wänden sich nun in Agonie vor dem geistigen Auge des Hörers.

GOJIRA machen immer noch GOJIRA-Musik

Bei allen Veränderungen ist der Stil der Franzosen doch stets präsent und nachvollziehbar. Etwas platter ausgedrückt machen GOJIRA auf „Magma“ immer noch GOJIRA-Musik, die eben einfach etwas ruhiger und rockiger, dafür auch düsterer und atmosphärischer geworden ist. Das dominante Drumming, die drückenden Grooves, das Legato-Riffing, der Gesang – das alles ist dort, wo es hingehört.

Somit ist GOJIRA mit „Magma“ ein eindrucksvolles Experiment gelungen. Trotz der musikalischen Weiterentwicklung sind die Trademarks der Band jederzeit erkennbar. Und am Ende steht ein Album, das als Beispiel für die Neudefinition einer Band stehen kann.

Eine Veränderung mit Potential – und mit Risiken

Natürlich birgt der Weg, den GOJIRA hier eingeschlagen haben, einige Risiken, auch das der allmählichen Verweichlichung. Andererseits öffnet er auch die Tür zu einem deutlich progressiveren, intellektuelleren Sound, sodass wir einfach mal abwarten sollten, wohin die Reise nach „Magma“ geht. Bis man sich darüber jedoch Gedanken machen sollte, gilt es, das geglückte Experiment „Magma“ in allen Zügen zu genießen.

10.06.2016

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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