Hecate Enthroned - The Corpse Of A Titan, A Lament Long Buried

Review

„The Corpse Of A Titan, A Lament Long Buried“ ist der etwas sperrige Titel ihres mittlerweile siebten Albums, wobei er aber in der Tradition der ersten beiden Scheiben steht. Ein dezenter Hinweis, dass sich die Waliser HECATE ENTHRONED auf ihre Wurzeln besinnen, jegliche Death-Metal-Einflüsse wegwischen, die sich im Laufe der Zeit in den Sound eingeschlichen hatten, und nunmehr wieder für den Symphonic Black Metal stehen, mit dem sie bekannt geworden sind. Diese Entwicklung war ja schon auf dem Vorgängeralbum „Embrace Of The Godless Aeon“ zu hören, ist jetzt allerdings noch einen Ticken deutlicher umgesetzt.

„The Corpse Of A Titan, A Lament Long Buried“: Sperriger Titel, sinfonischer Black Metal

Das Tüpfelchen auf dem i ist sicherlich der Sound des neu hinzugekommenen Schlagzeugers Matt Holmes, dessen Drumming nicht ganz so mechanisch klingt wie das seines Vorgängers, dafür etwas undurchdringlich und somit deutlich passender zum dargebotenen Schwarzmetall. Nichts geändert hat sich hingegen beim Gesang von Joe Stamps, der sich stimmlich in Bereichen von Ursänger Jon Kennedy bewegt. Und damit bei einem infernalischen Kreischen, das kompromissloser nicht sein könnte, und das nur ganz selten von einem tiefen Grollen ergänzt wird. Auch die Gitarristen hatten bereits beim letzten Album sämtliche Death-Metal-Einflüsse über Bord geworfen und sind wieder beim schrammeligen Tremolopicking angelangt. Hinzu kommt Keyboarder Pete White, dessen höhenlastige Sounds direkt in die Neunziger verweisen.

Mit diesen Zutaten nehmen uns HECATE ENTHRONED auf den Schwingen der drei magischen Vögel „Adar Rhiannon“ (so der Titel des mystisch-tropfenden Intros) mit in die entlegenen Regionen von Wales, wo sich unter dem Schleier einer Nebeldecke das Reich der Toten mit dem der Lebenden verbindet: „Spirits Stir Within Our Ancestors Tombs“. Der Sound pendelt zwischen dramatischen Arpeggien und massiver Rifftektonik, bisweilen unterbrochen von melodiösen Zwischenspielen, wo die Akustikgitarre für ein wenig Licht im Dunkel sorgt.

HECATE ENTHRONED setzen die Stimmung

Überhaupt haben die Waliser diesmal die Intros der überwiegend langen Songs sehr sorgsam komponiert, um die Stimmung des jeweiligen Songs zu setzen – sei es mit einem Gitarrenlead, dem Zusammenspiel von Akustikgitarren und einer einsamen Geige oder Klavierklängen plus verhallten Flüstervocals. Eine dräuende Atmosphäre, die schließlich von Black Metal im Blastbeat-Tempo hinweggefegt wird. Wobei man an dieser Stelle konstatieren muss, dass dem Black-Metal-Anteil bei aller Aggressivität immer eine gewisse Melancholie innewohnt, was genauso an den sorgsamen Gitarrenarrangements liegt wie am nicht unerheblichen Einsatz von Keyboardflächen. HECATE ENTHRONED setzen hier allerdings nicht auf schiere Menge, sondern haben das alles geschickt miteinander verwoben.

Ganz unabhängig davon enthält „The Corpse Of A Titan, A Lament Long Buried“ aber auch vorzügliche Songs: „The Arcane Golem“, „Steed Of The Still Water“, „Pwca“ und „Deathless In The Dryad Glade“ entführen in die walisische Natur, wo Landschaft und Mythen eins werden. Wo der Wald zum Kloster wird und man schließlich in einem Tal endlosen Schnees sein Ende findet. Oder hält „Into A Vale Of Endless Snow“ doch noch ein glückliches Ende bereit?

… Wo Landschaft und Mythen eins werden

Wie auch immer: „The Corpse Of A Titan, A Lament Long Buried“ zeigt HECATE ENTHRONED in bestechender Form – sowohl was den Sound angeht als auch die Songs an sich. Wenn ihr also mit Symphonic Black Metal etwas anzufangen wisst, wenn ihr Ende der Neunziger den Shift der Waliser hin zu Death-Metal-lastigen Klängen mit einem Stirnrunzeln verfolgt habt, wenn ihr vielleicht sogar der Ansicht seid, dass Wales nicht nur der verregnete Westteil Großbritanniens ist, sondern ihm auch etwas Magisches innewohnt, bitte: „The Corpse Of A Titan, A Lament Long Buried“ ist vorbehaltlos zu empfehlen.

09.06.2026

- Dreaming in Red -

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