Hills Like White Lions - Canary

Review

Vor drei Jahren veröffentlichten HILLS LIKE WHITE LIONS ihr zweites Album „Meander“, das sich trotz (oder gerade wegen) seiner Komplexität direkt einen Platz in unserem Herzen erspielte. Nun ist die österreichische Post- und Progressive-Metal-Band zurück und hat ihren Kanarienvogel mitgebracht. „Canary“ soll das bislang persönlichste, aber auch härteste Album der Gruppe sein, was natürlich Interesse weckt. Es scheint, als hätte dieser Flattermann ein lautes Fiepsen.

HILLS LIKE WHITE LIONS reisen ins Weltall

„Canary“ ist ein Konzeptalbum, das die Herausforderungen des Heranwachsens im Rahmen einer Science-Fiction-Geschichte erzählt. Dafür setzt die Gruppe um Sänger und Gitarrist Florian Wagner erstmals Screams ein, die im ersten Stück und Titelsong direkt wirkungsvoll zur Geltung kommen. Abgesehen davon bleibt das Album in den bekannten Soundsphären seines Vorgängers, wirkt jedoch düsterer.

Auf „Cosmic Loss“ unterstützt Pipi Gogerl von NOVENA und ANCIENT FRAGMENTS Wagner am Gesang. Ihr ausdrucksstarker Klargesang passt sehr gut zu seinem männlichen Counterpart. Auf „Liminal Summer“ lassen wir uns von David „Eklatanz“ Conrad anschreien, der eigentlich bei HERETOIR am Mikrofon steht.

Doch das Namedropping haben HILLS LIKE WHITE LIONS gar nicht nötig, da ihre Musik bereits vielseitig und intensiv ist. Insbesondere die Härtespitzen tun „Canary“ gut und geben einem Song wie „Blown Away“ die nötige Würze. Das Zusammenspiel aus progressivem Drumming und wechselnden Vocals gefällt sehr gut. Damit punktet auch „And Again“, das die progressiven Fühler noch weiter ausstreckt und mit starken Instrumentalparts aufwartet, die ein wenig an Shoegaze erinnern.

Das Finale „Iron Lung“ zieht dann noch einmal alle Register: epischer Songaufbau, Blastbeats, Screams und fulminante Leadgitarren. Zudem ist die in Eigenregie entstandene Produktion famos, druckvoll und klar, sodass sie sich von einem Labelrelease nicht unterscheidet.

„Canary“ ist ein guter Wegweiser

Um die abgedroschene Phrase des „wegweisenden dritten Albums“ einmal wieder hervorzuholen: HILLS LIKE WHITE LIONS liefern mit ihrem dritten Streich ein Album ab, das ebenso facettenreich überzeugt wie sein Vorgänger und neue Elemente in den Sound integriert, die sich gerne etablieren dürfen. Wenn die Gruppe ihren Weg so weitergeht, könnte sie schon bald den Status eines Geheimtipps verlassen.

06.10.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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