Hinayana - Shatter And Fall

Review

HINAYANA wurden bereits 2014 vom Sänger und Multiinstrumentalisten Casey Hurd als Soloprojekt gegründet, dürften allerdings bei den allermeisten lange Zeit unter dem Radar gelaufen sein. Erst die 2020 bei Napalm Records veröffentlichte EP „Death Of The Cosmic“ bescherte den Texanern praktisch instant einiges an Aufmerksamkeit, auch wenn der dort gespielte Melodic Death eigentlich eher verdächtig nach Finnland klang. Ob HINAYANA auch auf ihrem zweiten Longplayer „Shatter And Fall“ diesen Weg weiter beschreiten – wir finden es heraus.

HINAYANA – Frappierende Ähnlichkeit zu großen Vorbildern

Mit „Slowly Light Collides“ beginnt das neue INSOMNIUM-Album erst einmal absolut typisch… Ok, ok, dem Verfasser hier billige Polemik vorzuwerfen ist nicht unberechtigt, aber seien wir ehrlich, das Intro des Openers klingt derart frappierend nach den Finnen, dass es schwer wird, hier noch zugunsten von HINAYANA von Zufall zu sprechen. Auch die etwas heiseren Growls von Casey Hurd weisen durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit denen Niilo Sevänens auf, wenn auch ein wenig mehr Aggressivität mitschwingt.

Um es allerdings auch klarzustellen, die übrigen Songs klingen nicht so extrem nach INSOMNIUM, dennoch sind da immer wieder diese Kleinigkeiten, wie der oft aufgegriffene, teils clean gespielte Gitarrenunterbau oder auch die untermalenden Keyboard-Flächen (z.B. „Mind As A Shadow“). Die Riffs erinnern ansonsten zwar oft an Finnland, immer an Skandinavien, variieren aber durchaus von groovig-effektiv bis hin zu komplex-melodiös. Weniger variantenreich gestaltet sich der Gesang von Casey Hurd, die Gastbeiträge von Jake Jones (ÆTHER REALM) und Tuomas Saukkonen (u.a. WOLFHEART) sorgen allerdings für willkommene Auflockerung.

Wirklich stark wird „Shatter And Fall“ im letzten Drittel der Platte, denn hier beschränken sich HINAYANA nicht nur gefühlt am wenigsten auf das Zitieren ihrer Vorbilder, sondern zaubern auch einige der besten Melodien, Riffs und Soli aus dem Hut. Beispielhaft genannt sei hier das variantenreiche „Triptych Visions“ mit seinem gelungenen Chorus und einem extrem stimmigen Solo. Auch „A Tide Unturning“ überzeugt sofort und wertet mit seinem extrem einprägsamen Hauptthema das Album noch einmal auf.

Nicht so stark, wie es hätte sein können – „Shatter And Fall“

HINAYANA klingen vor allem in den euphorischen Momenten, gespickt mit melodischen Soli und flirrenden Gitarrenmelodien am besten, während die melancholischen Songs recht beliebig ausfallen können, ohne ein gewisses Qualitätslevel zu unterschreiten. Dennoch: Den Amis würde es gut tun, nicht mehr so stark gen Finnland zu schielen, sondern eher zu versuchen, sich eine eigene Nische zu schaffen, denn immer wenn von den Vorbild-Blaupausen abgewichen wird, hat „Shatter And Fall“ einige seiner stärksten Momente.

Das Problem ist also keinesfalls, dass HINAYANA hier kein gutes Album abliefern würden, denn vor allem bei Genrefans dürfte die Platte sehr gut ankommen, aber „Shatter And Fall“ ist leider nicht so stark geworden, wie es hätte sein können und kann damit die von der EP geschürten hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen.

05.11.2023

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

Exit mobile version