In Aphelion - Moribund

Review

In der schwedischen Metal-Szene beschränken sich ja die wenigsten Musiker auf nur eine Band. Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich mit IN APHELION auch Sebastian Ramstedt eine kleine Nebenspielwiese zu seinem Hauptbrötchengeber NECROPHOBIC angelegt hat. Zusätzlich zur Lead-Gitarre übernimmt Ramstedt auf „Moribund“ auch Bass und Gesang selbst, während er sich für die zweite Klampfe seinen Bandkollegen Johan Bergebäck ins Boot geholt hat. Komplettiert wird das Trio durch Marco Prij von den niederländischen Tech-Thrashern CRYPTOSIS.

IN APHELION sind durch und durch Ramstedt

Jetzt fragt man sich natürlich, wie IN APHELION denn nun eigentlich klingen und die Antwort darauf ist so simpel wie einleuchtend. Bedenkt man nämlich, dass Sebastian Ramstedt schon die letzten beiden NECROPHOBIC-Langeisen quasi im Alleingang geschrieben hat und IN APHELION zu zwei Dritteln aus NECROPHOBIC-Mitgliedern besteht, so ist es wenig verwunderlich, dass auch „Moribund“ ein wenig nach Selbigen klingt.

Die Handschrift des Gitarristen ist jedenfalls überdeutlich und auch stimmlich bewegt er sich sehr nach an NECROPHOBIC-Schreihals Anders Strokirk. Dennoch bringen IN APHELION durchaus ein paar Eigenheiten mit, die bei Ramstedts Hauptband zumindest aus der Reihe tanzen würden. Der Opener „World Serpent (Devourer Of Dreams)“ und das folgende „Draugr“ klingen vordergründig allerdings schon sehr nach den schwedischen Satansbraten, auch wenn IN APHELION vielleicht noch eine Spur melodischer ans Werk gehen. Wie schon auf „Mark Of The Necrogram“ und „Dawn Of The Damned” liefern sich Ramstedt und Bergebäck auch hier wieder extrem geile Gitarren-Duelle, welche die klassischen Heavy-Metal-Wurzeln der Musiker noch deutlicher in den Vordergrund stellen, als man das bisher ohnehin schon kannte.

Wirklich überraschen können IN APHELION allerdings erst mit dem eindringlich rockenden, fast schon tanzbaren „Luciferian Age“, das vom Rhythmus her ein wenig an „K.I.N.G.“ von SATYRICON erinnert, insgesamt aber deutlich fetziger daherkommt. „The Night Seems Endless“ wiederum begibt sich in melancholische Doom-Gefilde, ohne dabei ganz auf die üblichen Trademarks zu verzichten. Besonders die erhabenen Lead-Gitarren sorgen hier wiederholt für Gänsehaut.

Im Norden nichts Neues?

Bei „He Who Saw The Abyss“ schüttelt Ramstedt dann zwar ein paar ungewohnte, erneut recht rockige Riffs aus dem Ärmel, das Stück bewegt sich insgesamt aber wieder eher auf bekannten Pfaden. Und auch beim Rest des Albums wenden sich IN APHELION wieder verstärkt dem finster melodischen Schwarztod mit Thrash-Schlagseite zu, wie man ihn schon von NECROPHOBIC kennt. Allein das hektische, ja fast punkige „Sorrow, Fire And Hate“ stellt nochmal einen kleinen stilistischen Ausreißer dar.

Zwar kann Sebastian Ramstedt mit IN APHELION etwas freier agieren als bei NECROPHOBIC, besonders oft nutzt er diesen Umstand auf „Moribund“ aber nicht aus. So kann man durchaus darüber streiten, ob es hierfür wirklich eine eigene Band gebraucht hat, denn den Großteil der Songs hätte man so auch problemlos auf einem neuen NECROPHOBIC-Album platzieren können. Kommt ja eh alles aus einer Hand.

Ungeachtet der Nähe zur Hauptband des Protagonisten muss man Sebastian Ramstedt aber attestieren, dass er diesen Stil einfach draufhat und auch mit IN APHELION die Qualität abliefert, die man von „Mark Of The Necrogram“ und „Dawn Of The Damned“ bereits gewohnt ist. Wer weiß, Letzteres hat ja auch schon wieder zwei Jahre auf dem Buckel, vielleicht können sich Fans ja bald sogar doppelt freuen.

06.03.2022
Exit mobile version