Iskandr - Sacraal
Review
Der kreative Hotspot Nijmegen in den Niederlanden brodelt weiter. Seit Jahren schon ist der Ort im Gelderland eine Brutstätte für eine der aktuell weltweit interessantesten Black-Metal-Szenen, deren Bands längst eine völlig eigene Marke sind. Mit einem besonderen Anspruch an Originalität präsentieren sich dabei die seit über zehn Jahren aktiven ISKANDR. Ursprünglich im epischen, rauen Black Metal beheimatet, wandte sich das Duo um DOOL– und TURIA-Gitarrist Omar bereits auf dem Vorgänger “Spiritus Sylvestris” zugunsten einer Folk- und Gothic-Rock-lastigeren Ausrichtung vom herkömmlichen Black-Metal-Schema ab. “Sacraal” geht einen Schritt weiter.
ISKANDR können verzaubern …
Nicht nur, dass auf “Sacraal” kein Metal stattfindet – auch rockige Klänge spielen auf der Platte eine ausgesprochen untergeordnete Rolle. Oberflächlich könnte man “Sacraal” als ‘experimentell’ beschreiben, doch hat man fernab des eigentlichen Wortsinns stets das Gefühl, ISKANDR wussten, worauf sie hinaus wollten, wenn sie Folk, Ambient, Dungeon Synth und DEAD CAN DANCE in einen Topf werfen. Dabei passt der Albumtitel gut ins Bild: Obwohl “Sacraal” überhaupt keine offensichtlichen Kirchen-Vibes ausstrahlt, wohnt dem Album etwas spürbar Zeremonielles, Meditatives inne.
Wenngleich “Sacraal” nur noch wenig mit Alben wie “Vergezicht” und “Euprosopon” zu tun hat, funktioniert es überwiegend sehr gut. Wie alle ISKANDR-Werke ist die Musik nicht zum Konsum nebenbei gedacht und benötigt sowohl die richtige Stimmung als auch die richtige Umgebung. Lässt man sich darauf ein, kann die Band einen aber in äußerst interessante Sphären entführen.
Bemerkenswert ist dabei die Spanne, die ISKANDR abdecken. Die Lagerfeuerromantik von “Bevreemdend Klaroengeschal”, das Film-Noir-Rezitativ “Verdronken Vlindr” oder der verkaterte Großstadt-Sonnenaufgang von “Pilaren Van De Zuivere Blik”, welches streckenweise tatsächlich mal ein ‘konventionelles’ Band-Arrangement auffährt, funktionieren völlig homogen neben der latent an MORTIIS erinnernden elfminütigen Traumreise namens “Zonsonderkomst”. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Album wie eine symmetrische Kurve verläuft und am Ende mit “Glinster” und “Bewegingen In Het Afkoelende Zand” wieder fragil und sanft endet.
Triumph und Tragik mit “Sacraal”
Gewiss muss man sich auf “Sacraal” einlassen. Dann wird man aber mit einem äußerst interessanten künstlerischen Gesamtkonzept belohnt, dass in völliger schöpferischer Freiheit seine eigene Welt kreiert und nicht nur als Untermalung für Mittelalterfantasien taugt. Dafür erzeugen ISKANDR eine eigenwillige Verstörtheit, die sich mental nicht immer gesund anfühlt und gleichzeitig süchtig macht.
Iskandr - Sacraal
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Dark Ambient, Darkwave, Dungeon Synth, Neofolk, Psychedelic Rock |
| Anzahl Songs | 7 |
| Spieldauer | 40:36 |
| Release | 26.06.2026 |
| Label | Eisenwald Tonschmiede |
| Trackliste | 1. Bevreemdend Klaroengeschal 2. Verdronken Vlinder 3. Zonsonderkomst 4. Pilaren Van De Zuivere Blik 5. Melk En Honing 6. Glinster 7. Bewegingen In Het Afkoelende Zand |
