Konkhra - Sexual Affective Disorder

Review

KONKHRA waren nie eine Band aus der ersten Death-Metal-Reihe, und ihr Debüt „Sexual Affective Disorder“ gilt gemeinhin nicht als Klassiker. Trotzdem ist es auch heute noch gut hörbar, in seiner Konsequenz sogar beeindruckend. Wir werden gleich noch darauf zu sprechen kommen.

KONKHRA wollen auf der Party dabei sein

Als KONKHRA 1992 ihren Plattenvertrag beim dänischen Label Progress Red Labels unterschrieben, hatten sie gerade zwei Demos draußen. Es folgte im gleichen Jahr die EP „Stranded“ und die Erkenntnis, dass sie bei der Party mit dabei sein wollten: Support Slots im Vorprogramm von FEAR FACTORY und BRUTAL TRUTH zeigten, was möglich war. Und für ihr Debüt konnten die Dänen ins Nachbarland Schweden fahren, um im Sunlight Studio unter den wachsamen Augen von Produzent Tomas Skogsberg und Techniker (und DISMEMBER-Drummer) Fred Estby die Songs einzuspielen. Kurz: Sie waren im für Death Metaller gelobten Land angekommen.

Was sie jedoch nicht wollten: Mit einem HM-2-Inferno ihren schwedischen Kollegen Konkurrenz machen. Vielmehr schielten die Dänen mit einem Auge in Richtung USA, wo CANNIBAL CORPSE, MORBID ANGEL und DEATH den Takt vorgaben. Jedenfalls finden sich im Sound des Debüts so manche Spurenelemente, die ihren Ursprung in Florida hatten. Thrash war aber auch noch eine Sache, die nachhallte, und so manch hakeliges Gitarrenriff könnte am ehesten dort verortet werden.

Sunlight Studios ungleich HM-2-Inferno

Und hakelig beginnt auch das Album: Im moderaten Tempo wird erstmal das Spielfeld abgesteckt, die Gitarre mal gedämpft angeschlagen, dann wieder flowig, der Drummer variiert zwischen Double-Bass-Drums und rockigem Rhythmus, dazu gibt es dezente Keyboardflächen im Hintergrund und ein paar Pinch Harmonics auf der Gitarre. Erst nach 1:19 Min. setzt der Gesang ein: Wie schon zu Demotagen teilen sich Anders Lundemark und Claus Vedel die Arbeit an den sechs Saiten und am Mikrofon, wo ersterer für die tiefen Growls zuständig ist, letzterer eher dem CARCASS-Knarzen nacheifert.

Vielleicht war es ja auch das Faible der Briten für Pathologie und Medizin, das KONKHRA zu einem netten Gimmick und wiederkehrenden Motiv verleitete: Als Intro einiger Songs dienen Ausschnitte aus Patientenbefragungen bei Visiten oder medizinischen Experimenten: „Do you feel better?“ – „[leises Wimmern]“ – „Answer my question: Do you feel better?“ Woraufhin die Dänen mit ihrem harschen Death-Metal-Sound einsetzen und die zerbrechliche, intime Arzt-Patienten-Atmosphäre niederwalzen. Oder geht es viel eher um sexuelle Vorlieben, wie es das Intro zu „Blindfolded“ andeutet? Und gibt es am Ende neben der „Seasonal Affective Disorder“ auch die „Sexual Affective Disorder“, wie es der Albumtitel nahelegt?

„Do you feel better?“

Aber zurück zur Musik: Beim Quasi-Titeltrack schaffen es die Dänen, ihre Riffs auch im gemächlichen Tempo so intensiv abzufeuern, dass sich beim Hörer unweigerlich ein Nicken einstellt. Aber auch im flotten Tempo fühlt sich das Quartett wohl und behält seine spielerische Präzision bei. „The Dying Art“ und „Chaos To Climb“ sind gute Beispiele, wo der Drummer mit beeindruckender Leichtigkeit einen technisch nicht unanspruchsvollen Rhythmus vorgibt und sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Gitarristen liefert. Selbst der Bassist bekommt hier und da seine Freiräume. Eindrucksvoll ist auch, wenn beide Gitarristen im Stakkato einen Ton anspielen und lediglich Anschlag und Phrasierung ändern (wie in „The Dying Art“).

Und hier sind wir bei dem Punkt angelangt, der „Sexual Affective Disorder“ so konsequent erscheinen lässt. Es ist der Grundton E. Klingt merkwürdig, und das ist es auch. Aber gefühlt kommt dieser Ton auf dem Album am häufigsten vor und ist Ausgangs- und Ankerpunkt, um den sich die Riffs drehen und wie magnetisch wieder zurückkehren. Das wirkt, als hätte über dem Songwriting das Leitmotiv gestanden, diesen Ton so häufig wie möglich vorkommen zu lassen, die Riffs und Songs aber gleichzeitig spannend zu halten.

„Sexual Affective Disorder“ ist konsequent

Klar ist, dass das nur einmal funktionieren konnte. Und auf „Sexual Affective Disorder“ hat es funktioniert. Das Album hat einen Flow und klingt durch diesen Kniff wie aus einem Guss. Und selbst wenn es vielleicht kein Klassiker geworden ist, so ist es doch ein klassisch-gutes Death-Metal-Album mit einigen Höhepunkten: „Center Of The Flesh“, der Titeltrack, „The Dying Art“ oder „Chaos To Climb“ können jedenfalls auch außerhalb des Albumzusammenhangs überzeugen.

KONKHRA sind nicht in die Falle getappt, indem sie versucht haben, diesen Sound auf Biegen und Brechen fortzuführen. Vielleicht lag es daran, dass sich nach „Sexual Affective Disorder“ das Besetzungskarussel einmal mehr drehte und Claus Vedel ausstieg. Andere Musiker, andere Einflüsse, anderer Sound. Jedenfalls war die „Facelift“-EP (1994) und „Spit Or Swallow“ (1995) aus einem ganz anderen Stück Metall gefertigt. Und als Anders Lundemark für „Weed Out The Weak“ (1997) die beiden gestandenen amerikanischen Musiker James Murphy (ex-DEATH, OBITUARY) und Chris Kontos (ex-MACHINE HEAD, TESTAMENT) in die Band holte, waren KONKHRA wirklich auf der Party gelandet.

03.06.2026

- Dreaming in Red -

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