Midnatt - Skräckfylld Förtjusning
Review
Bei MIDNATT und ihrer Debüt-Langspielplatte „Skräckfylld Förtjusning“ liegt der Teufel im Detail. Die Musik der um Edward Pancetti an der Gitarre erweiterten COMMAND(O) ist hochmelodisch, hinsichtlich der Riffs und der rhythmischen Anlage allerdings simpel und vom Tempo her gemächlich. Das ergibt eine vorderhand nur solide Mischung (siehe Soundcheck), die erstmal lediglich das Rockerbein dezent zum Mitwippen anhält. Spätestens wenn die Scheibe aber zum dritten Mal nacheinander durchläuft und dieser eine kalte Schweißtropfen deinen Rücken herunter, fragst du dich beunruhigt und mit einer ganz dunklen Vorahnung: Was ist mit dieser Musik los? Was ist los mit MIDNATT? Was zur … Hölle?
MIDNATT handeln im Auftrag
Dann betrachtest du das Cover von „Skräckfylld Förtjusning“ – und es trifft dich wie der Blitz: MIDNATT handeln im Auftrag. Ihre Musik ist gar nicht unspektakulär, sie wiegt dich nur in Sicherheit, um dann umso eindrucksvoller zuzuschlagen. Und du solltest auf dem Weg zum Erleuchteten/Werkzeug verdammt noch mal etwas in deinem Leben ändern.
Zuerst einmal verabschiedest du dich vom Konzept „Tageslicht“. Bestimmt nagelst du zur frühenglischen Hymne „Ljuva Midnatt“ die Fenster zu. Und drehst die Lautstärke weiter auf. Es geht nicht anders.
Denn „Skräckfylld Förtjusning“ lodert im Feuer der ganz frühen NWOBHM, dessen Flammen die Kellerwände ihrer Geburtsstatt pechschwarz färben. Das macht zum Beispiel „Marken Brinner“ zu einem sehr sexy reduzierten MAIDEN-Song. Und es äußert sich in einer deutlichen Punk-Kante: Der Wahnsinn der ganz frühen TURBONEGRO liegt als wilde Note in der dicken Luft. „Kom An“ paart wahnsinnigerweise EA80 mit Teenager-RUNNING WILD. Und das verlangt nach aufgerissenen Boxen.
Are you ready for some Darkness? Are you ready for „Skräckfylld Förtjusning“?
Während du zur genialen Leadmelodie von „Vigilanten“ mit den Resten der Renovierungsaktion den Hamster umgestaltest, überlegst du nur kurz, ob du alle deine Kleidungsstücke, die nicht aus Leder sind, wirklich IN der Wohnung verbrennen solltest. Aber es hilft ja alles nichts. Der innere Vollmond ruft ab jetzt ja ohnehin täglich. Ähm. Nächtlich.
Und so bist du bereit, zu „Skuggan“ dein neues Leben zu beginnen. Der nämlich ist ein fast leichtfüßig-beschwingter Rocker zwischen späteren HELLACOPTERS im Keller und DIRE STRAITS in der Garage. Der mutmaßlich nachzeichnet, wie sich die Dunkelheit ihrer bemächtigt und zwar mindestens für alle Ewigkeit. Aber letzteres kannst du in deiner Euphorie streng genommen nur vermuten. Was du da tendenziell besessen mitsingst, könnte schließlich genauso gut Schwedisch sein wie infernalisches Orkisch. Sänger Aron Torstensson mag keine außergewöhnliche Stimme haben, aber er skandiert seine Botschaften derart eindringlich, dass das Verstehen nicht an Worte gebunden ist. Beim Heldenchor zum Abschluss ist dann endgültig klar: Du bist „För Evigt Märkt“. Wie geil ist das denn? Danke, MIDNATT!
Mit anderen Worten: Sehr coole Platte! Wer auf Analoges, 1982, TYRANN, Schnurrbart, Satan, Herzblut und tolle Melodien steht, möge sich dem Dank und MIDNATTs Auftraggeber anschließen.
