Mizmor - Prosaic

Review

Die Black-Doom-Institution MIZMOR beschert uns das vierte Studioalbum in ihrer mehr als zehnjährigen Bandgeschichte. Während Bandkopf A.L.N. in der Vergangenheit sehr zielgerichtet und konzeptionell vorging, beschreibt er „Prosaic“ als lebensnahe Platte, die nicht in Perfektionismus ertrinkt und mehr Momentaufnahme als selbstverliebter Idealismus ist.

MIZMOR – der Sound für Kummer und Wut

Vergleicht man das aktuelle Werk mit den drei Vorgängern, kann man der Beschreibung durchaus zustimmen, wobei die verkopfte, durchkonstruierte Art der Konzeptalben für das Projekt maßgeblich waren. Im Gegensatz zu den stark visionären Veröffentlichungen wirkt „Prosaic“ deutlich spontaner, vom Riffing beliebiger, manchmal fast lapidar.
Es beginnt mit dem monumentalen Opener „Only An Expanse“, der direkt auf wütende, erschütternde Art losrennt. Nach dem ersten Drittel versinkt er in monotonem Sludge mit Gekeife, fängt sich dann jedoch mit einem schönen Lead wieder und nimmt anschließend wieder Fahrt auf.

Im Verlauf des Albums wird klar, was mit eingangs erwähnter Spontanität gemeint ist: Vielschichtigkeit und weniger Kalkül ergeben ein eher gefühlsbetontes Gesamtbild, das ganz verschiedene Grundstimmungen einfängt, sich jedoch in den rasenden Parts stumpf verrennt und nicht zum Punkt kommt.

Dass die offenere Herangehensweise auch gut funktionieren kann, zeigt die erste Single-Auskopplung „No Place To Arive“, die auf ihre doomige, atmosphärische Art weitaus charmanter herüberkommt als der Rest der Platte. Hier funktionieren die Übergänge und A.L.N. verliert sich nicht in endlosen Wiederholungen von Füllriffs. In der Kombination mit den subtilen Leads ist der Song in der richtigen Stimmung durchaus inspirierend, auch wenn die schnellen Parts hier emotional viel kaputt machen.

„Prosaic“ klingt trotz seines Titels keineswegs nüchtern oder abgeklärt. Die vom Künstler erschaffene „Momentaufnahme“ wirkt mit knapper dreiviertel Stunde Spielzeit intuitiv, bricht aber mit dem Schlusstrack „Acceptance“ unspektakulär ab und hinterlässt ein Gefühl von Unvollendung.

Prosaic – eine Momentaufnahme

Obwohl die Vorgänger starrer und unnahbarer zu Werke gingen, ist „Prosaic“ keine komplette Kehrtwendung. Selbst wenn das Album mehr von sich preisgibt als die durchstrukturierten Platten, ist der raue, undifferenzierte Sound weiterhin Nische und muss sich derart unpoliert und wuchtig nicht vor den Sludge-Extremen verstecken.

30.07.2023

- perfection is the end of everything -

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