Mizmor & Thou - Myopia

Review

Soundcheck Dezember 2022# 16 Galerie mit 21 Bildern: Crowbar & Converge - live in Leipzig

MIZMOR ist das US-amerikanische Ein-Mann-Projekt eines Herrn Liam Neighbours mit Basis in Portland, Oregon, das sich auf Blackened Drone Doom spezialisiert hat. THOU aus Louisiana sind eine Band, die sich getreu ihrer Herkunft auf eine Sludge-Variante des Doom verschrieben haben und u. a. schon einmal im Rahmen einer Kollaboration namens „May Our Chambers Be Full“ mit niemand geringerem als Emma Ruth Rundle in Erscheinung getreten sind. Das ist generell etwas, was beide hier auf „Myopia“ beteiligte Acts reichlich tun: mit diversen andern Künstlern/Bands kollaborieren. Nun haben sie also für das vorliegende Album zueinander gefunden und kollaborieren auf dem hier vorliegenden „Myopia“. Das hat im Underground durchaus Wellen geschlagen.

MIZMOR & THOU kreieren ein kleines Blackened-Doom-Highlight, das unter unserem Radar geflogen ist

Und für Doom-Leckermäuler gibt es auch Grund genug, hier in Zeitlupe zu frohlocken. Vor allem die Freunde des Riffs kommen auf ihre Kosten, spätestens wenn sich in „Subordinate“ wie liebevoll aus dem CROWBAR-Baukasten entliehene Tremolo-Riffs einer Teerlawine gleich langsam über den Hörer ergießen. Dabei deckt sich die Riffkunst wunderbar mit dem gutturalen Gesang, was auch durch die eher höhenlastige Produktion verstärkt wird. Diese kommt vor allem in den Black-Metal-lastigeren Passagen inkl. Blastbeats positiv zum Tragen, beispielsweise im Opener „Perfect“, dessen bittersüße Moll-Harmonien so klingen, als wollten sie wenn schon nicht das Ende der Welt, so zumindest das eigene Ende herbei beschwören.

Ein Muster, das sich breit macht und sicher Geschmackssache ist, ist die Geduld, mit der MIZMOR und THOU die hier zum Einsatz kommenden Motive zelebrieren. Geduld ist damit auch für den Hörer angesagt, da der hier dargebotene Blackened Doom/Sludge immerhin 71 Minuten auf die Uhr bringt. Ein „Drover Of Man“ beispielsweise gerät zwischenzeitlich zur echten Geduldsprobe, doch die Katharsis setzt nach etwa viereinhalb Minuten mit diesen großen, melancholischen Melodiebögen ein. Es lohnt sich also durchaus, die Zeit in „Myopia“ zu investieren, aber man muss eben genretypisch eingefordertes Sitzfleisch mitbringen. Nicht, dass Doom-Kuttenträger irgendwas anderes erwarten würden, aber diese fast schon meditative Herangehensweise ist nun mal nicht für jedermann.

Doom-Junkies sollten sich „Myopia“ definitiv mal reinziehen

„Myopia“ kann also schon schlauchen, besonders wenn man seine Musik mit etwas mehr Action in der Buxe bevorzugt. Wer sich aber zurücklehnen und in der Musik versinken kann, entdeckt hierin trotz der Tatsache, dass die Protagonisten sich hier und da ein bisschen zu viel Zeit lassen wie in „The Host“, ein großes, durchaus emotionales und doch erfrischend abwechslungsreiches Album irgendwo zwischen roher Urgewalt und emotionaler Durchschlagskraft, das beides eine wunderbar homogene Symbiose eingeht, ohne den Hörer gleich unter einem tonnenschweren Soundbollwerk zu begraben. Denn wenn einem die simplen Tritoni eines „Indignance“ unter die Haut gehen und/oder man an der immer wieder durchsickernde NOLA-Goodnes (u. a. auch der Titeltrack) seine spitzbübige Freude haben kann, ist hier goldrichtig.

Wer also etwas für Doom-Signatur-Moves übrig hat oder sich mit seinen Hörgewohnheiten gerne mutig seelischen und emotionalen Untiefen stellt, all jene dürfte diese umfangreiche Kollaboration aus den US-amerikanischen Doom-Sümpfen nachhaltig und bestens unterhalten.

09.01.2023

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

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