Mørkgrim - Sǫgur Frá Norðfirði
Review
Dass in Norwegen ’93 mit den Second-Wave-Klassikern des Black Metal die Blaupause(n) des Genres geschaffen wurden, steht wohl für niemanden ernsthaft zur Diskussion. Gerade in den letzten Jahren führte das immer wieder dazu, dass Labels über kurz oder lang jeden Trittbrettfahrer, der zur damaligen Zeit halbwegs bei Bewusstsein, über zwölf Jahre alt war und vielleicht mal am Helvete vorbeigelaufen ist, ausbuddeln und unter Vertrag nehmen. Das kann durchaus funktionieren. Aber in der Regel hätte sich die jeweilige Band dann in der Demo-Phase bereits durchgesetzt, da im jungen Subgenre seinerzeit noch deutlich mehr Nachfrage als Angebot vorhanden war.
Anno 2026 hat sich das geändert, jeder mäßig begabte Fan betreibt mindestens sechshundertsiebenundsechzig Projekte und Skandinavien ist längst kein Verkaufsargument mehr. Trotzdem vermarkten Soulseller MØRKGRIM damit, dass Hauptcharakter Hrafngrimnir die Band schon 1994 gegründet hat, also relativ früh dabei war. 1999 löste er die Band allerdings ohne veröffentlichtes Demo oder Album wieder auf, weil dem Genre seiner Ansicht nach ‘die wahre Seele’ verlustig ging und arbeitete danach in anderen Genres – angeblich ist er ein vielfach mit Platin ausgezeichneter Hip-Hop-Produzent und -Songwriter, der laut Promoschreiben ohne Strom und Leitungswasser in einer Waldhütte lebt.
Keine Selbstkritik bei MØRKGRIM
Wie auch immer man mit der Info umgeht: auf “Sǫgur Frá Norðfirði” gibt es zum Glück keinen Hip-Hop. MØRKGRIM lassen sich als Folk Black Metal zwischen WINDIR (Gitarrenarbeit) und ARCKANUM (Gesang) bezeichnen. Beide Bands rangieren jedoch in ganz anderen Güteklassen. Zunächst mal: Die Produktion ist Mist. Nicht, weil sie räudig und verwaschen wäre. Sondern weil der Gesang geschätzte 200 Dezibel zu laut ist und die Gitarren unter dem sehr technischen Drumming von DARK-FUNERAL-Felldrescher Dominator häufig untergehen.
Auf der kompositorischen Ebene läuft es nicht wesentlich besser. Erst mal gibt es in dem ohnehin schon künstlich auf 38 Minuten gestreckten Material nur ca. 20 Minuten echten Metal. Die reinen Folk-Parts sind zwar stimmungsvoll, funktionieren aber nur als bindende Interludien und nehmen in diesem Fall zu viel Platz ein. Zweitens sind die Songs streckenweise null durchdacht. Entweder werden stimmungsvolle Ideen durch vollkommen unpassende Ablöseparts ruiniert oder die Songs haben überhaupt kein richtiges Ende bekommen, sondern hören einfach in medias res auf. “Freya Kvað” oder “Blóðsvǫrr” können wir hier symptomatisch nennen. Warum das “Outro” unbedingt mit minutenlanger Stille auf neun Minuten gestreckt werden musste, erschließt sich auch nicht.
Zudem muss angemerkt werden: Dominator ist natürlich ein weltklassiger Extreme-Metal-Drummer, aber die wiederkehrenden Angeber-Fills passen fast genauso gut zum Songwriting wie Whiskey auf Erdbeereis. Da fragt man sich, ob das Duo irgendwann mal kritisch geprüft hat, was es da aufs digitale Tonband zimmert.
Wenig gute Ansätze, viel Reinfall
Ein paar coole Anfangsriffs reichen nicht für eine Empfehlung. Um “Sǫgur Frá Norðfirði” kann man getrost einen Bogen machen. Im folkloristischen Black Metal gibt es eine Vielzahl besserer Bands, die diese halbherzig zusammengeröffelte Platte überflüssig macht und alt aussehen lässt. Vielleicht gibt es ja doch noch verschollene Rehearsal-Tapes von MØRKGRIM aus den frühen Neunzigern, die irgendwann auftauchen und den ursprünglichen Spirit der Band spürbar machen. Es darf allerdings ernstlich daran gezweifelt werden, dass dieses Projekt überhaupt jemals Potential hatte. Vier Punkte, weil “Sǫgur Frá Norðfirði” in Puncto Songwriting und Produktion nicht mal Durchschnitt ist.
Mørkgrim - Sǫgur Frá Norðfirði
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Folk Black Metal |
| Anzahl Songs | 9 |
| Spieldauer | 37:49 |
| Release | 02.10.2026 |
| Label | Soulseller Records |
| Trackliste | 1. Ramnen Kvæd 2. Blóðsvǫrr 3. Mørkt 4. Nordljós 5. Freyja Kvað 6. Garm 7. Vardðlokkur 8. Outro 9. I Mørkrets Djupa Skog |
