Night Laser - Rats In The Cradle
Review
NIGHT LASER haben offenbar keine Lust mehr, sich auf Glam und Sleaze Metal reduzieren zu lassen. Auf ihrem fünften Studioalbum „Rats In The Cradle“ nehmen die Hamburger deshalb so ziemlich alles mit, was ihnen musikalisch gefällt: klassischen Hard Rock, Heavy Metal, Blues, Funk und sogar progressive Ausflüge. Dass dabei trotzdem eine einigermaßen zusammenhängende Platte herauskommt, ist durchaus bemerkenswert.
NIGHT LASER lassen die Genregrenzen hinter sich
Schon „S.T.F.U.“ und „Make You Mine“ zeigen, dass NIGHT LASER ihren gewohnten Sound nicht komplett hinter sich lassen. Eingängige Melodien, kräftige Gitarren und Bennos charakteristischer Gesang bleiben erhalten. Mit „Defenders“ rückt die Band anschließend stärker in Richtung Power Metal, während „Blueberry Gin“ deutlich bluesigere Töne anschlägt.
Besonders spannend wird es bei „Heart Of The Desert Rose“. Die über siebenminütige Ballade entstand unter anderem aus einer Akustikgitarren-Idee und wird durch einen Gastbeitrag von Johnny Gioeli ergänzt. Statt bloß auf die obligatorische Feuerzeugballade zu setzen, verbinden NIGHT LASER hier Blues Rock mit einer großen Portion Gefühl.
Auch die Texte haben sich verändert. Der Titeltrack beschäftigt sich mit den grausamen Menschenversuchen des japanischen Kriegsverbrechers Shirō Ishii. Das ist nicht unbedingt ein Thema, das man auf einer Sleaze-Metal-Platte erwarten würde. Doch NIGHT LASER wollen sich offensichtlich auch inhaltlich nicht länger auf die üblichen Rock-’n’-Roll-Klischees beschränken.
Zwischen Glam-Attitüde und ernsthaften Themen
Mit „19CR490“ schlägt die Band ebenfalls ernstere Töne an. Besonders die zweite Albumhälfte zeigt, wie weit NIGHT LASER ihre musikalischen Grenzen inzwischen ausgedehnt haben. Das über achtminütige „Goddess Of The Sky“ fällt dabei ebenso aus dem gewohnten Rahmen wie das abschließende „You And Me“.
Für zusätzliche Abwechslung sorgen die Gastmusiker. Neben Johnny Gioeli sind unter anderem Sascha Paeth, Sebastian Zierof und Lars Rettkowitz vertreten. Produzent Eike Freese verpasst dem Ganzen einen modernen, druckvollen Sound, ohne die klassischen Hard-Rock-Wurzeln vollständig glattzubügeln.
Allerdings funktioniert nicht jede Idee gleichermaßen zwingend. Gerade auf einer Platte mit mehr als 54 Minuten Spielzeit wirkt die stilistische Vielfalt stellenweise etwas überambitioniert. Nicht jeder Ausflug in andere Genres fügt sich vollkommen selbstverständlich ins Gesamtbild.
Trotzdem machen NIGHT LASER mit „Rats In The Cradle“ einen deutlichen Schritt nach vorne. Die Band verlässt ihre Komfortzone, ohne ihre Identität komplett über Bord zu werfen. Wer ausschließlich klassischen Sleaze Metal erwartet, könnte damit Schwierigkeiten haben. Wer einer Band dagegen zugesteht, sich nach fünf Alben weiterzuentwickeln, bekommt hier eine interessante und abwechslungsreiche Platte.
Night Laser - Rats In The Cradle
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Glam Rock, Hard Rock, Power Metal |
| Anzahl Songs | 11 |
| Spieldauer | 54:10 |
| Release | 25.09.2026 |
| Label | SPV / Steamhammer |
| Trackliste | 1. S.T.F.U. 2. Make You Mine 3. Defenders 4. Blueberry Gin (feat. Sascha Paeth) 5. Heart Of The Desert Rose (feat. Johnny Gioeli) 6. Rats In The Cradle 7. Into The West 8. 19CR490 9. Get Out (feat. Lars Rettkowitz) 10. Goddess Of The Sky 11. You And Me |
