Nothgard - Malady X

Review

Die bayerischen Senkrechtstarter NOTHGARD aus Deggendorf lassen dieser Tage ihr neuestes Album „Malady X“ los.  Ihr letztes Album „The Sinner’s Sake“ konnte damals auf Platz 74 der deutschen Albumcharts einsteigen. Vielleicht gelingt das mit dem neuesten ja wieder. Die Selbstbezeichnung „Epic Melodic Death Metal“ trifft ins Schwarze: symphonische Orchesterparts aus der Konserve, eine gewisse Epik angelegt im Soundgewand, die an EQUILIBRIUM oder ENSIFERUM erinnert, melodische Leads in bester ARCH ENEMY-Manier, wuchtige Rhythmus-Fraktion, transparente Produktion von Jens Bogren (AMON AMARTH, KREATOR) dazu, fertig ist der nächste Wacken-Liebling.

NOTHGARD tischen technisch kompetenten „Epic Melodic Death Metal“ auf…

Das orchestrale Intro zusammen mit Opener „Malady X“ gibt die Marschrichtung vor: Massives Breitwand-Riffing, einprägsamer Chorus, melodische Leads. Das gibt die nächste Dreiviertelstunde schmissige und eingängige Melodic-Death-Hits mit der Extra-Portion Epik, so die Erwartung. Technisch ist das auf der Höhe der Zeit, garniert mit vielen netten kleinen Licks. Auch ist alles toll arrangiert, die Jungs sind eben ohne Zweifel begnadete Musiker.

„Guardians Of Sanity“ beinhaltet Keyboards, die auch von einer Band wie AMARANTHE kommen könnten. Kurzzeitig lassen NOTHGARD dann aufhorchen beim Anfang von „Epitaph“, der ein wenig an mittlere IN FLAMES erinnert. Aufhorchen deshalb, weil bei denen bekanntlich mit Melodic Death nicht mehr viel geht. „Deamonium I“ bringt cleanen Frauengesang von Noora Louhimo  (BATTLE BEAST) mit dazu, was auf den Vorgängern auch schon zu vernehmen war, nach dem Duett geht es gesanglich für Fronter Dom beinahe schon in Power- bzw. Heavy-Metal-Gefilde. Spannende Sache außerhalb Schema F, trotzdem bleibt der Song eher hinter dem restlichen Material.

„Serpent Hollow“ geht ziemlich in die Vollen und erhöht erstmals das Maß an Aggression, behält aber die beschwingten, eingängigen Refrains bei. NOTHGARD wissen definitiv wie man die Instrumente bedient und ausgeklügelte Songs schreibt, aber die ganze Chose ist natürlich auch nicht gänzlich frei von einem gewissen Kitsch und Pathos und letzten Endes auch einer gewissen Vorhersehbarkeit. Da können dann auch prominente Gastmusiker wie schon genannte Noora Louhimo, aber auch Veli-Matti Kananen (KALMAH) und Jen Majura (EVANESCENCE) nicht mehr viel raus reißen. Jeder Part, der Abwechslung in Form von härteren Riffs oder einer groovigen Passage zur Auflockerung verspricht, wird 30 Sekunden später wieder in kitschigen wie simplen Refrains mit ausgiebigem Keyboard-Einsatz ertränkt.

… hinterlassen auf „Malady X“ aber einen faden Geschmack

Gerade durch den Einsatz von Synthesizern könnte NOTHGARD von vielen schnell als „Kirmesmetal“ abgewertet werden. Glücklicherweise hält dieser sich sehr in Grenzen und wird nicht überstrapaziert.  Dennoch behält Kollege Protzak mit seiner Prognose der „ARCH ENEMYsierung“ des Metals ein wenig Recht, fürchte ich. Das klingt alles ganz nett hier, aber auch unspektakulär, erwartbar und schal, beinahe niedlich. Die rohe Gewalt, das Unperfekte im Metal findet hier kaum noch statt. Das hier ist gut goutierbar, auch für Leute die sonst wenig mit Metal am Hut haben, handwerklich und soundtechnisch perfekt durchgestylt, für jeden was dabei: Fans von IN FLAMES über ARCH ENEMY und SABATON bis hin zu Leuten die sonst nur IN EXTREMO und sonstige Konsorten konsumieren, werden sich hier auch noch drauf einigen können.

Für alle Fans von POWERWOLF, EQUILIBRIUM und weiteren Bands in ähnlichen Gefilden sind NOTHGARD definitiv eine Hörprobe wert und es darf gerne um zwei bis drei Punkte auf der Skala aufgestockt werden. „Trve“-Metaller werden hier wahrscheinlich wieder die Infantilisierung und Verballermanisierung des Metals beklagen und dann weiter ihre instrumental höchst wahrscheinlich inferioren Untergrundlieblinge hören gehen. Meine Meinung: Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Für das Prädikat „schlecht“ stellen sich NOTHGARD zu gut an. Um darüber hinaus jemanden wie mich, der sowieso nicht gerade der größte Fan dieser speziellen Metal-Sparte ist, hinterm Ofen hervorzulocken reicht es dann aber auch nicht. „Malady X“ ist ein vorhersehbares, nach Schema F durchkomponiertes Melodic Death-Album, das zwar Abwechslung zeigt und technisch und klanglich weit vorne mitspielt, aber auch jede echte Begeisterung vermissen lässt und reichlich kalkuliert wirkt. Nennt mich ewig-gestrig oder elitär, aber mit Metal in meinem Verständnis hat das hier nur noch ganz wenig zu tun. Trotzdem hörbar.

19.10.2018
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