Praise The Plague - Suffocating In The Current Of Time

Review

Schon auf dem Stygian Pilgrims 2023 teaserten PRAISE THE PLAGUE etwas vom neuen Material an, das bereits Lust auf mehr machte. Fast ein halbes Jahr Wartezeit später ist die neue Scheibe „Suffocating In The Current Of Time“ endlich da. Bewegte sich der Vorgänger „The Obsidian Gate“ schon auf extrem hohen Niveau, war der am häufigsten vorgebrachte Kritikpunkt wohl, dass es den Songs noch ein wenig an Abwechslung fehlte. Drehen die Berliner auf dem neuen Album genau an den richtigen Stellschrauben in Richtung Perfektion des eigenen Sounds?

PRAISE THE PLAGUE – Schwarzmetallische Wall Of Sound

„Veil Of Tyrants“ zeigt bereits in vielerlei Hinsicht, wo die Reise auf „Suffocating In The Current Of Time“ hingeht. Melodisch, stimmungsvoll und dennoch komplett finster beginnt die Talfahrt, bevor die erste schwarzmetallische Wall Of Sound auf den Hörer trifft. So viel sei bereits vorweg genommen: Die Black-Metal-Einflüsse wurden auf der neuen Platte noch einmal ausgebaut ohne, dass dabei die Vielschichtigkeit auf der Strecke geblieben wäre. Während der Beginn noch ein wenig im Bereich Sludge zu verorten ist, schwenken PRAISE THE PLAGUE in der zweiten Songhälfte endgültig um in Richtung purer Black-Metal-Raserei. Steht Ihnen diese gut zu Gesicht? Absolut!

Das nachfolgende „The Tide“ zeigt zum ersten Mal das faszinierende an „Suffocating In The Current Of Time“, denn obwohl der Song mit quasi reinrassigem Funeral Doom beginnt, der kurz ein wenig an die Berliner Kollegen von URZA erinnert, ist da eben doch kein Bruch im Fluss des Albums festzustellen. Das gilt auch für den gesamten Song, denn PRAISE THE PLAGUE schaffen es mühelos, Funeral Doom, Black Metal, Sludge, Post-Metal und Death Doom in acht Minuten zu vereinen, die doch von vorne bis hinten schlüssig klingen und durch atmosphärische Einschübe auch immer spannend bleiben.

Das Haupt-Riff von „Astray From Light“ klingt, als wäre es bei PARADISE LOST aussortiert worden – nicht aufgrund mangelnder Qualität, sondern weil es schlicht zu abgründig für die Briten wäre. Hier kommen die Berliner zwar dem „klassischen“ Death Doom am nächsten, dennoch sind sie meilenweit davon entfernt, klassisch zu klingen. Und wer denkt, viel weiter abwärts kann es nicht mehr gehen denken, den belehrt „A Sepent’s Tongue“ eines besseren, dessen deutsche Textzeilen zwar kurz überraschen, aber trotz teilweise etwas blumigerer Ausdrucksweise meilenweit entfernt davon sind, peinlich zu werden.

Auch in Sachen Produktion wurde hier alles richtig gemacht, denn obwohl der Fünfer eigentlich recht viele moderne Elemente im Repertoire hat, klingt „Suffocating In The Current Of Time“ eben keineswegs modern. Vielmehr hat der Sound sowohl Crunch als auch Punch, bewegt sich immer gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen druckvoll und Black-Metal-Lo-Fi. Auch die düsteren Synthesizer-Flächen und Samples fügen sich extrem gut in die Gesamtmischung ein und sorgen mehr als einmal für Gänsehaut.

Finsterer Hassbatzen mit Atmosphäre – „Suffocating In The Current Of Time“

Man muss es klar sagen, in ihrer selbst geschaffenen Nische wird für PRAISE THE PLAGUE die Luft nach oben langsam dünn. Das Songwriting macht besonders in Sachen Atmosphäre und Abwechslung noch einmal einen Schritt nach vorne, auch durch den Verzicht auf Vocals in längeren Passagen. Mit seinen knapp 40 Minuten Spielzeit bleibt „Suffocating In The Current Of Time“ trotz teilweise überlanger Songs außerdem erfreulich knackig.

Mit der noch stärkeren Fokussierung auf Black Metal ist das hier natürlich das genaue Gegenteil von easy listening, vielmehr erschaffen PRAISE THE PLAGUE einen derart finsteren Hassbatzen, ohne dabei den Fehler zu machen, einfach das Gaspedal durchzudrücken und nur auf Schrammelgitarren zu bauen. Es vereinen sich einfach die düstersten Metal-Spielarten zu einer schwarzen Melange, die definitiv zu den ersten Highlights des Jahres zählt.

11.02.2024

"Time doesn't heal - it only makes you forget." (Ghost Brigade)

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