Reaper - Dead World Legacy

Review

Seit 42 Jahren aktiv, in den 80ern die erste EP „Fairies Return“ veröffentlicht, in den 90ern zwei LPs und insgesamt folgt mit „Dead World Legacy“ Scheibe Nummer fünf in der Laufbahn von REAPER aus Kassel. Mit Daniel Zimmermann an der Gitarre und dem Mikro, sowie Bassisten Matthias Kraft sind zwei Musiker von der Gründungsbesetzung noch heute aktiv. Als Youngster angefangen und nun fast im Rentenalter immer noch am Start. REAPER ist eine Undergroundband, die ein reines Hobby für die Protagonisten darstellt. Einige Gigs im Jahr, einige Proberaumsessions, aber keine Notwendigkeit über die Musik Einkommen zu generieren. Das neue Album „Dead World Legacy“ wird folgerichtig in Eigenregie veröffentlicht. Eine Vinyl-Variante gibt es bisher nicht.

REAPER sind 42 Jahre Undergroundgeschichte

Es geht bei REAPER auch 2026 noch immer um klassischen Stoff, wie er in den 80ern gespielt wurde. Der Auftakt „Eye In The Sky“ ist vom Gesang gewöhnungsbedürftig. Wer den Namen Chris Boltendahl im Hinterkopf hat, liegt nicht grundsätzlich falsch. „From Giants Shoulders“ mit seiner mehr als sechsminütigen Laufzeit kommt deutlich verspielter daher. Musikalisch in Richtung US-Metal schielend und mit einer weniger kreischenden Stimme legen REAPER für eine Undergroundband ein starkes Stück Musik auf den Tisch. „Jerusalem“ blickt mit seinem stampfenden Rhythmus in Richtung UK, „Garden Of Delights“ wird wieder verspielter inklusive keifenden Gesang. Gefühlt springt die Nummer in verschiedene Richtungen und ist vom Songwriting mutig, wirkt aber trotzdem an der einen oder anderen Stelle unrund.

Im weiteren Verlauf überzeugt das irgendwo zwischen 80er Jahre Power Metal und Heavy Metal agierende „The Gale“ von der Melodieführung und den Instrumenten, wo die Gitarren plötzlich rasende Fahrt aufnehmen oder auch mal ein akustisches Intermezzo eingestreut wird. Die Vocals dürften der Knackpunkt sein und nicht in jeden Gehörgang passen.

Ein instrumentales Interlude leitet zum mehr als sechsminütigen Midtempo-Stampfer „The Legacy“ über, wo sich die Worte zu „The Gale“ wiederholen und die Chose mit einem sehr eigenwilligen Charakter daherkommt. Die weiteren Stücke wie „Oceans Of Slumber“, „The Fear“ oder das fast achtminütige „The Sun“ sortieren sich zum bisher gehörten Material. Mit einer sehr eigenwilligen Note, verspielt und melodisch, mit den rauen Vocals von Zimmermann, klingen REAPER anders als viele andere Undergroundproduktionen.

„Dead World Legacy“ ist eigenwillig

REAPER aus Kassel machen die Musik, die die Truppe im Kopf hat. Eigenwillig und unangepasst, fernab von jeder Vermarktungsnotwendigkeit. Diese Eigenwilligkeit sorgt dafür, dass sich REAPER und „Dead World Legacy“ von anderen Undergroundproduktionen abheben. Zum einen ist die Produktion an sich zu erwähnen. Die Erfahrung von mehr als 40 Jahren auf Bühnen und in Proberäumen sind in die Produktion der Songs geflossen. Dabei wird auf unnötigen Schnickschnack verzichtet. Drums, Gitarre, Bass und Vocals gehen auch 2026.

Der Knackpunkt der Platte dürfte die Stimme von Zimmermann sein, die an vielen Stellen gewöhnungsbedürftig ist und eine Geschmacksfrage. Gleiches gilt für die Stücke an sich. Das Spektrum zieht sich über US-Metal, der NWoBHM bis zum Power Metal, wo aber immer wieder auch andere Einflüsse, wie zum Beispiel rasende Saitenarbeit, auszumachen sind. Wer auf eigenwillige Undergroundklänge steht, sollte REAPER und „Dead World Legacy“, zum Beispiel auf bandcamp, eine Chance geben.

10.03.2026

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

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