Sado Sathanas - Opus Diaboli

Review

„Boah is‘ dat anstrengend. Wär‘ ich ma‘ doch lieber Schlagersänger geworden…“, scheint der Barbar im „Präludium“ zu keuchen, wie er vor einem Hintergrund aus rhythmischem Schwerterschleifen und künstlichem Windgeräusch überanstrengt durch die Botanik joggt. Sehr komisches Intro, das die Sachsen von SADO SATHANAS hier für ihr erstes Album auffahren. Mit Stimmungsmache hat das leider gar nichts zu tun. Das Album allerdings ist auch ein wenig seltsam und bedauerlicherweise genauso wenig atmosphärisch.

SADO SATHANAS gibt es schon seit 1996, allerdings ist außer einer Split und zwei Demos bis jetzt nichts sonderlich Produktives dabei herausgekommen. „Opus Diaboli“ ist dafür ein Album mit über 70 Minuten Spielzeit, das zum Teil Demomaterial verbrät, zum anderen Teil neues Material liefert. Ehrlich gesagt ist der Unterschied zwischen alten und neuen Songs wenig signifikant. Bis auf den ziemlich heterogenen Sound des Albums (der zu verschmerzen ist) sind die Zutaten für die Musik immer dieselben: dünne, hintergründige Gitarren, sehr viel flächiges Keyboard, ein oft leicht holpriges, teilgetriggertes Schlagzeug zwischen moderatem Blast- und entspanntem Rockbeat, dazu standardisierter Kreischgesang mit einem gewissen Kitschfaktor.

Was die sechs Jungs an Riffs und Melodien auffahren, hält zudem nur mit Mühe den Standard der deutschen Black-Metal-Szene von Ende der 90er – und was sich da tummelte, möchte ich der Tastatur am Liebsten nicht antun. Tatsächlich erinnern mich SADO SATHANAS an eine softe Version alter DUNKELGRAFEN oder vergleichbarer Last-Episode-Bands. Leider ist das kein Kompliment. Lob kann ich überhaupt nur extrem sparsam verteilen, beispielsweise für die seltenen starken Momente des Albums, in denen „Opus Diaboli“ sehr entfernt an das erste SEAR BLISS-Album („Menschenopfer“, „Apokalypse“) erinnert, oder im Gesang an eine lange vergessene österreichische Gothic/Doom-Band namens SOULSEARCH („Winde Über Ödland“).

Von nicht enden wollenden 73 Minuten und 23 Sekunden, die die 16 Tracks auf der Platte andauern, sind das aber leider höchstens 70 oder 80 Sekunden. Der Rest ist öder melodischer Black Metal, wie er standardisierter kaum sein könnte, der einigermaßen solide vorgetragen ist, aber auf mich ziemlich seelenlos wirkt. Das tut niemandem weh, hat aber höchstens den Spannungsfaktor eines Neujahrsspaziergangs mit üblem Kater. Ich wage zu behaupten, dass das für eine überzeugende Platte, erst recht in diesem Genre und nach 14 Jahren Bandexistenz, nicht reicht. Vielleicht wären SADO SATHANAS lieber Schlagersänger geworden.

15.01.2010
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