Sael - Ocean

Review

Der Ozean hat viele Gesichter. Rau, stürmisch und zerklüftet kann er sein, geformt durch die Gezeiten oder aber still, anmutig und sanft. Orkane werfen Wellen, Dünen wiegen im Wind und der Geruch von Salz liegt in der Luft – so oder so ähnlich sähe es wohl aus, kleidete man die Musik von SAELs „Océan“ in greifbare Bilder. Die französischen Schwarzmetaller verbinden auf ihrem ersten Album all die Gegensätze, die auch den Meeren innewohnen – Stille und Lärm, Gemächlichkeit und Hast – kurzum: Ebbe und Flut.

Besonders spürbar wird dies beim Titeltrack „Océan“, der durch die gezielte Kontrastierung musikalischer Elemente eine beträchtliche Eigendynamik entwickelt. Gemächlich mit einer einzelnen Gitarre startend, wird er kurz von den anderen Instrumenten angetrieben, nur um dann wieder im Halbdunkel einer Akustikgitarre zu verschwinden. Doch schon bald wird die Dämmerung gänzlich durchbrochen, die Gitarren beginnen zu wüten und hitziges Geschrei erfüllt das Geschehen. Wo gerade noch Ruhe herrschte, dominieren nun die Doublebassattacken und Keiftiraden – das Seebeben beginnt. Über zehn Minuten erstreckt sich diese Fahrt über das unstete Meer und am Ende scheint es so, als gleite man berauscht von dieser Irrfahrt und getragen von diffusen, rückwärts intonierten Gitarrenklängen in den Schlaf hinab…

In einem ähnlich vielfältigem Gewand zeigen sich auch die weiteren Aufnahmen auf „Océan“. „Ivresse De Lune“ offenbart vor allem SAELs aggressives Antlitz und prügelt ordentlich nach vorne, unterbricht den Tumult aber immer wieder mit kleineren Variationen in Tempo und Gesang (wobei mir die hier genutzte Verzerrung der Vocals nur bedingt zu gefallen weiß), um so für angenehme Auflockerung zu sorgen. Der dritte Song im Bunde ist schlicht treffend mit „Instrumental“ betitelt, da hier – bis auf ein eingeflochtenes Sprachsample von Malcolm X – allein die Klangwerkzeuge herrschen und walten dürfen. „Un Cri Dans L’Éternité“, das letzte Stück auf dem knapp dreißigminütigem Werk, melangiert dann abschließend noch einmal cleane Gitarrenfolgen, Tempowechsel und Black-Metal-typischen Gesang zu einem gelungenen Abschluss. Das Meer ruht.

SAEL liefern mit ihrem ersten Album ein qualitativ hochwertiges, innvovatives und abwechslungsreiches Black-Metal-Scheibchen und dementsprechend gibt es an dieser Stelle eigentlich auch kaum Platz für ernsthafte Kritik. Lediglich die recht knapp bemessene Spielzeit und der dringende Verdacht, dass die sechs Herren auf zukünftigen Veröffentlichungen noch weit mehr von ihrem Können zeigen werden, hindern mich an dieser Stelle von der Vergabe höherer Punktzahlen.
So stürzt Euch in die Fluten!

31.07.2007
Exit mobile version