Shade Empire - Poetry Of The Ill-Minded

Review

Ließ der mit über 70 Minuten massiv ausgefallene Vorgänger „Omega Arcane“ noch vermehrt an DIMMU BORGIR denken, so legen SHADE EMPIRE mit ihrem neuen Album „Poetry Of The Ill-Minded“ diese Vergleiche weitestgehend ad acta. Zwar sind die Finnen irgendwie doch noch zumindest teilweise im symphonischen Schwarzwasser unterwegs und subtile Ähnlichkeiten zu DIMMU BORGIR und anderen Bands lassen sich noch finden. Doch das scheint bei den Finnen keine Rolle (mehr) zu spielen. Denn was die Band hier zelebriert, strotzt nur so vor Selbstbewusstsein.

„Poetry Of The Ill-Minded“ klingt wie Symphonic-Höhepunkte am laufenden Band

Und auf „Poetry Of The Ill-Minded“ feiern SHADE EMPIRE eine regelrechte Schwarzwurzel-Party. Das Album ist das komplette Gegenteil von subtil. Es klingt geradezu ausgelassen, sieht man mal ab vom Gekeife von Sänger Henry Hämäläinen. Die Platte ist vollgestopft mit fanfarenartigen Songs. Tatsächlich erweckt „Poetry Of The Ill-Minded“ schnell den Eindruck, maßlos überladen zu sein – was das Album nicht wirklich entkräftet. Denn ruhige Momente gibt es hier nur ganz wenige und die beschränken sich meist auf die Intros der Songs. Wirklich feinfühlig ist „Poetry Of The Ill-Minded“ also nicht.

Im Grunde klingt das Album so, als wollte die Band einen einzigen, durchgehenden Höhenflug vertonen. Gerade das eröffnende Tripel bestehend aus „Lecter (Welcome)“, „Wanderer“ und „Drawn To Water – The Path“ steht im Grunde für all das, was auf „Poetry Of The Ill-Minded“ zu erwarten ist. Große, orchestrale Gesten werden durch Riffs ergänzt, die definitiv im Black Metal verwurzelt sind, aber doch eher jubilierend daher kommen. Es ist nicht wirklich leicht, das zu kategorisieren, was ja nichts Schlechtes ist. Prinzipiell steht aber die Symphonik im Mittelpunkt. Gerade „Wanderer“ scheint aus so ziemlich jeder Gänsehaut-Trope des symphonischen Metal zusammengesetzt worden zu sein.

Aber SHADE EMPIRE übertreiben es mit dem Bombast

Doch solche Momente am laufenden Band haben einen entscheidenden Nachteil. Wenn sie nicht irgendwie kontrastiert werden, ist die Spannungskurve am Ende kaum mehr als eine horizontale Gerade. Und in genau dieses Fettnäpfchen sind SHADE EMPIRE hinein gelatscht. Zwar liefern SHADE EMPIRE hier einige Songs ab, nach denen sich andere Bands die Finger lecken würden, doch das laute und auf Epik gebürstete Spektakel nutzt sich schnell ab. „Poetry Of The Ill-Minded“ fließt einfach nicht geschmeidig dahin, sondern klatscht dem Hörer seinen lauten Bombast erbarmungslos um die Ohren. Und das wird bereits nach der Hälfte der Spielzeit anstrengend.

Die Finnen haben hier eindeutig zu viel auf einmal gewollt. Heraus kommt ein Album, das zu sehr Gefallen am eigenen Spektakel findet und dem Hörer kaum Gelegenheit gibt, dieses ebenfalls zu würdigen, da er damit durchgehend bombardiert wird. Und wenn alles auf bombastisch und episch getrimmt ist, klingt nichts wirklich bombastisch oder episch. Dieser Umstand hält dieses an sich gute Album davon ab, großartig zu sein. Immerhin haben sich SHADE EMPIRE mit nur 45 Minuten relativ kurz gehalten, sodass man hier nicht vollkommen erschlagen wird. Dazu ist der Sound angenehm transparent ausgefallen und man hört der Band ihre Erfahrung an. Das spontane Reinhören tut hier also nicht weh.

27.06.2017

Redakteur für Prog, Death, Grind, Industrial, Rock und albernen Blödsinn.

Exit mobile version