The Beauty Of Gemina - A Stranger To Tears

Review

Mal im Ernst: Ich verstehe den Sinn von Wavegothic nicht. Klar ist er ein bisschen düster, ein bisschen clubtauglich tanzbar und ein bisschen rockig, aber das erklärt nicht, warum ich mir fünfminütige Lieder anhören soll, bei denen in ihrer Plumpheit schon nach zwei Minuten alles gesagt ist, und die selbst DESMOND CHILD nicht zu einem guten dreiminütigen Rocksong kürzen könnten. Hinzu kommt die monotone und dunkel brodelnde Stimme von Bandkopf Michael Sele, die sich irgendwo zwischen DIARY OF DREAMS‘ Adrian Hates und einem perversen Märchenonkel einordnet. Um es kurz zu fassen: Bei allen Wavegothicplatten die ich bisher gehört hab, rangiert THE BEAUTY OF GEMINA definitiv bei den austauschbaren und ideenloseren.

Wobei es immerhin Ausnahmen gibt. „Heart Of A Gun“ klingt mit etwas Augenzwinkern wie eine frühe RAMMSTEIN-Nummer, „Into Black“ ist eine gelungene Ballade, und „In Your Eyes“, „Colours Of Mind“ und „Wishful Promise“ können sich zwar nicht über die Spielzeit retten, zeigen aber dennoch ordentlich rockende Ansätze. Überhaupt ist man froh, bei all dem monotonen Gestampfe mal ein paar clevere Akkordwechsel zu hören. Stattdessen gibt es aber Songs wie „The Lonesome Death Of A Goth DJ“. Hätte ich den Humor der Nummer schätzen können, wäre das musikalische Gerüst nur ansatzweise überzeugend gewesen, müsste ich ihn hier nicht zerreißen, doch der lieblose Gesang und die nur selten ausbrechenden Synthiespitzen tun ihr übrigstes. Mit „Essai Noir“ folgt dann am Schluss wieder ein Song ganz anderer Sorte: Völlig ohne Beat mit Akustikgitarren und zaghaften Keys. Dafür, dass er sich zu keiner Zeit in irgendeine Richtung entwickelt, hätte er aber nicht unbedingt siebeneinhalb Minuten lang sein müssen. Pseudo-Anspruch auf ganz hohem Niveau.

Immerhin gebe ich offen zu, ein generelles Unverständnis gegenüber stumpfen Club-Wave zu haben. Aber selbst in dieser Schublade hab ich schon besseres gehört. Wenn man schon Schweizer Elektronik will, dann vielleicht lieber das Land besuchen und in nen Club fahren, und sich auf dem Rückweg ne ordentliche Taschenuhr kaufen.

19.09.2008
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