The Night Eternal - Cold Velvet
Review
Nach dem hervorragenden Debüt “Moonlit Cross” (2021) und dem neuzeitlichen Klassiker “Fatale” (2023) sind THE NIGHT ETERNAL zweifelsohne die wichtigste jüngere Heavy-Metal-Band im deutschsprachigen Raum. Entsprechend lang haben sich die nunmehr drei Jahre Wartezeit auf ein neues Album angefühlt. Allerdings ist in der Zeit nicht gerade wenig passiert. Die Essener mussten den Ausstieg von Bassist Jones Nühlen und dessen Nachfolger Jannik Stüber verkraften und erspielten sich auf vorzüglichen Billings mit u. a. LUCIFER, BLIND GUARDIAN und YEAR OF THE GOAT den Ruf als verlässliche Live-Macht. Ist es Sänger Ricardo Baum und Co. gelungen, mit “Cold Velvet” den hohen Erwartungen gerecht zu werden? Aber hallo!
Hohe Erwartungen an THE NIGHT ETERNAL
Der stilistische Wandel, der bereits angesichts der ersten Singles diskutiert wurde, ist im Grunde eine völlig logische Weiterentwicklung dessen, was THE NIGHT ETERNAL bereits mit “Fatale” begonnen haben. Die Gitarren perlen häufig sanft und mit relativ wenig Verzerrung, die härteren Riffs der klassischen Schule treten in den Hintergrund. Insgesamt ergibt sich eine trübe, auf sonderbare Weise angenehm dystopische Ästhetik, die durch ihre Balance zwischen Post Punk und traditionellem Heavy Metal gelegentlich an “Sister” von IN SOLITUDE erinnert.
Dadurch bekommt Ricardos Gesang noch mehr Raum im Songwriting, der sinnstiftend ausgefüllt wird. Der Live-Bassist von IMHA TARIKAT hat nicht nur auf Konzerten den ganzen Saal fest im Griff, sondern bei den Aufnahmen wahrscheinlich auch das Mikrofon dazu gebracht, vor ihm niederzuknien. Immer wieder ist es sein warmes Timbre, das für Gänsehautmomente sorgt. Besonders in “The Veins Of Time”, “The Watcher Of The Burning Veil” und dem Abschluss-Epos “Dance On Crimson Ground” wächst er über sich hinaus.
Wagemutig und selbstbewusst
Egal, ob in treibenden Rockern mit dem bandtypischen Swing wie “Where This World Ends” oder “Shape Of Sorrow”, dem mit cooler Western-Gitarre eingeleiteten nächtlichen Roadtrip “Caught In A Spell” oder dem dramatischen “When The Last Candle Dies” – THE NIGHT ETERNAL stellen auf dem gesamten Album ihre einzigartige Intuition für mitreißendes Songwriting unter Beweis.
Seine besondere Stärke erreicht “Cold Velvet” vor allem dann, wenn die Band über den Tellerrand schaut. Sei es in der verbotenen Liebe zwischen U2 und MERCYFUL FATE, die in “The Watcher Of The Burning Veil” zelebriert wird, dem wavigen “The Veins Of Time” oder dem innovativ arrangierten, streckenweise balladesken “Dance On Crimson Ground”. THE NIGHT ETERNAL verschmelzen verschiedene Stile der härteren melancholischen Gitarrenmusik so natürlich miteinander, dass man sie gar nicht infrage stellen kann.
“Cold Velvet” – der dritte Meilenstein in Folge
Zudem wurde “Cold Velvet” von Michael Zech (u. a. SECRETS OF THE MOON, DARK FORTRESS) adäquat und stimmungsvoll produziert. Einerseits tönt die Platte analog, räumlich und warm. Zugleich erinnert die Herangehensweise in puncto Detailfülle und Breitwandformat beinahe an die geileren Stadionrockproduktionen der Achtziger, etwa von BON JOVI oder DEF LEPPARD. Nur eben in kaputt und düster. Der Band selbst steht nach drei Alben in Folge, die beinahe ausschließlich aus Hits bestehen, wirklich gar nichts mehr im Wege, um in naher Zukunft zur Riege der ‘einflussreichen Großen’ zu gehören.
The Night Eternal - Cold Velvet
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Heavy Metal |
| Anzahl Songs | 8 |
| Spieldauer | 43:02 |
| Release | 21.08.2026 |
| Label | Metal Blade Records |
| Trackliste | 1. Where This World Ends 2. Eurydice (Don't Look Back) 3. Caught In A Spell 4. When The Last Candle Dies 5. The Veins Of Time 6. Watcher Of The Burning Veil 7. Shape Of Sorrow 8. Dance On Crimson Ground |
