Tony Iommi - From The Dark
Review
TONY IOMMI serviert im Vorfeld der dunklen Jahreszeit „From The Dark“. Allein der Name lässt den Puls steigen und diverse Jahrhundert-Riffs der eigenen Wahl füllen den Kopf so brachial wie ansatzlos. Nein, es ist nicht einfach, sich dem Werk unbefangen zu nähern, führt man sich die Bedeutung des Chefs vor Augen.
Denn, Realtalk, vor allem drei Personen haben die abendländische Kultur positiv geprägt, aus dem Dunkel geführt: Ein Arzt aus Philadelphia erfindet das Deo, Herta Heuwer die Currywurst und TONY IOMMI den Heavy Metal. Wie begegnet man im Jahr 2026 dem Schaffen eines Teils der Dreifaltigkeit, dem Meister des Riffs, dem Typen, der den Tritonus von der Leine gelassen hat?
Wie begegnet man dem Werk des Tony Iommi?
Die hier erprobte Variante: Ehrfürchtig, die zweite Bierdose leicht besorgt schon halb geleert und den Lautstärkeregler am Anschlag – damit „Over The Violent Sun“ mit seinem erhofften Einstiegsriff die angemessene Bühne bekommt. Große Freude: Die nutzt es. Nach wenigen Sekunden ist beruhigend klar: TONY IOMMI ist weiter der Größte. Auch weil er weiß, worin er brillant ist, nämlich Doom fueled Heavy fuckin‘ Metal. Oder andersrum.
Die übrigen Stücke auf „From The Dark“ bestätigen den Eindruck. Zusammen mit Bassistin Becky Baldwin (MERCYFUL FATE) und Schlagzeuger Karl Brazil (ROBBIE WILLIAMS) zelebriert der Meister eine knappe Dreiviertelstunde sein Lebenswerk, indem er es souverän und ohne Stilbruch erweitert.
Das Album ist einerseits von der schleppenden, würdevollen Schwere, die „13“ auszeichnet, das letzte Werk von BLACK SABBATH. Nicht zuletzt durch die Dramatik und das Pathos im Gesang Jørn Landes ist andererseits auch die DIO-Ära allgegenwärtig. Der Norweger besitzt natürlich nicht die Ausdruckskraft des Ronald James Padavona oder dessen Originalität. Doch insgesamt gilt, was seinerzeit für HEAVEN AND HELL (auch mit Dio) galt: Es ist eine Wohltat, Profis zuzuhören, die offenkundig aufgehen in dem, was sie tun.
„Ja, genau so!“
Während praktisch jeden Songs denkt man an mindestens einer Stelle „Ja, genau so!“, wenn sich dieses so zuverlässig kommende wie erschlagende, das eben so typische IOMMI-Riff seinen Weg ins Gedächtnis bahnt. Besonders beeindruckend ist die Gitarre integriert im düsteren „Death Wake“, das die Spannung im Laut-Leise-Wechselspiel hält und das ein Solo von QUEENs Brian May veredelt. Auch die treibende erste Single „World Alone“ mit der einprägsamen Strophe sticht heraus. Und „Return Of The Arbalist“, das man schon mitsummt, bevor man sich überhaupt fragen konnte, wessen Rückkehr da so zielsicher ins Metal-Herz trifft.
Was bleibt von „From The Dark“?
Die Highlights mögen individuell unterschiedlich gesehen werden. Wo sich „From The Dark“ im epischen Schaffen TONY IOMMIs einordnet, wird die Zukunft enthüllen. Klar ist aber: Das Album ist ein gelungener Brocken, musikalisch in der Gesamtschau nicht zu weit entfernt von SABBATHs „Eternal Idol“. Hier versuchte Herr IOMMI schon 1987 erfolgreich, verschiedene Phasen des eigenen Schaffens zu integrieren – ohne irgendwelche weitergehenden Experimente. Für den Moment ist „From The Dark“ in diesem Sinne eine wirksame Medizin gegen das Dunkle in der Welt. Das Dunkle, das wir nicht wollen. Nicht das coole Dunkle, das ist dieses Album selbst.
Danke.
Tony Iommi - From The Dark
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Doom Metal, Heavy Metal |
| Anzahl Songs | 8 |
| Spieldauer | 41:53 |
| Release | 23.10.2026 |
| Label | BMG Records |
| Trackliste | 1. Over The Violent Sun 2. Black Times 3. World Alone 4. Beyond The Dead 5. Stormwatcher 6. Death Wake 7. Return Of The Arbalist 8. Legacy |
