Vattnet Viskar - Sky Swallower

Review

Ursprünglich im Hardcore verwurzelt, ist VATTNET VISKAR ein Projekt von drei Musikern, die sich an dieser Stelle einer ganz anderen Form extremer Klangvielfalt hingeben. “Sky Swallower“ ist ein unglaublich vielschichtiges Debütwerk geworden, das sich dennoch hauptsächlich im Black/Doom-Bereich angesiedelt sieht und seine schwammigen Grenzen auch irgendwo in diesem Sektor zieht. Aus New Hampshire stammend, gehören die “flüsternden Wasser“ – wie man auf Deutsch sagen würde – zu einer mittlerweile großen Vielzahl US-amerikanischer Schwarzwurzelbands, die sich musikalisch auch in ihrer geographischen Verortung identifizieren lassen. Folglich ist die vorliegende Platte gewissermaßen mit typischen Trademarks aus Übersee gesäumt, andererseits aber auch gehörig eigenständig.

VATTNET VISKAR sind schwarzmetallischer als AGALLOCH, feinfühliger als WOLVES IN THE THRONE ROOM und stilheterogener als WOODS OF DESOLATION. Und doch sind alle Referenzen nicht völlig aus der Luft gegriffen und liefern ihren verdienten Beitrag zum Gesamtwerk “Sky Swallower“. Lässt man die Scheibe mehrfach über sich ergehen, so fällt es definitiv schwer, die einzelnen Breaks zwischen den Songs überhaupt zu erkennen. So homogen ist einerseits das Songmaterial in seinem Umfang. Auf der anderen Seite arbeiten VATTNET VISKAR mit harten Kanten innerhalb ihrer einzelnen Tracks, die durchaus schon mal von Düster-Ausbrüchen hin zu schleppender Herbstmelancholie wechseln.

Diese Übergänge sind allerdings der absolute Trumpf dieses offensichtlich mit großem Maß an musikalischem Fingerspitzengefühl bedachten Trios. Zu keiner Zeit überkommt den Hörer das Gefühl, in einen unpassenden Umschwung gedrängt zu werden, sondern schwimmt über die gesamte Spielzeit auf einer, zwar äußerst beweglichen, aber dennoch sehr zielsicheren Welle. Immer wenn VATTNET VISKAR das Tempo verheerend drosseln und in Doom- oder Post-Rock-Phasen übergehen, verliert die Zeit ihre Bedeutung. Blätter fallen in Zeitlupe von dunklen Bäumen. Leichter Regen fällt. Man möchte den Moment anhalten – und “Sky Swallower“ schafft das auf eine sehr interessante Art und Weise.

Herausheben möchte man an dieser Stelle keinen der allesamt tollen Songs. Auch die drei kurzen Intermezzi, die jeweils noch mal Verknüpfungen zwischen den einzelnen Hauptstücken bilden, passen bestens ins Geschehen und schaffen im Idealfall weitere atmosphärische Dichte. “Sky Swallower“ ist kein fieses Hasswerk, kein fulminanter Prügelklotz und auch kein suizidales Deprialbum geworden. Es ist viel mehr der perfekte, melancholische Einklang in den Herbst, der den vorbeiziehenden Sommer mit einem weinenden Auge verabschiedet, doch gleichsam auch schöne, wenngleich viel weniger triviale Dinge parat hält.

04.09.2013
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