Black Listed Friday
Die 6+6+6 der Woche

Special

Der 21. März 2026 war der UNESCO-Welttag der Poesie. Dies würdigt der „Black Listed Friday“ Nr. 18 jetzt nachträglich mit den „6+6+6 der Woche“. Wir bemühen uns, dabei die Form zu wahren und im 6-hebigen Daktylus (Glomerata) zu bleiben.

6 Fürchterliche Fearzeiler

1. Die Leich‘ des Kannibalen

steht ernstlich auf VAN HALEN,

ruft kokett Edward zu:

O-U-8-1-2?

 

2. Der Altruismus, der sucht Streit

mit der Menschenfeindlichkeit,

gelangweilt hört er sie da zischen:

Ich geh‘ mit DARKTHRONEs Sänger Fischen.

 

3. Anstand und Moral

ist alles längst egal,

sie brülln laut durch Saal:

wir hängen ab mit Gaahl!

 

4. Das Monster kaut mit leerem Blick,

das Fell verfilzt, die Plauze dick,

sein Leben, das wird auch nicht spann’der

als Vocalcoach bei SIX FEET UNDER.

 

5. Es gier’n die Herren NIFELHEIM

schon lang nach einem Stiefelreim,

das passt tatsächlich gut:

Zur Kutte trägt man Boot.

 

6. Der Maschinist kriegt weiche Knie

beim Clubkonzert von BLASPHEMY,

ihm klingt das hier in Wahrheit

zu stark nach seiner Arbeit.

6 Alben, von denen 5 übersehene oder mindestens unterschätzte Poesie-Perlen sind und eins eine Mutprobe

1. „Graveyard Poetry“ (ABDULLAH, 2002)

In einfachen Hauptsätzen: Das Album erscheint auf „I Used To Fuck People Like You In Prison Records“. Sänger Jeff Shirilla klingt wie Mina-Keith Caputo als Ozzy. Die 14 Songs bersten wahlweise vor Energie oder Würde oder beidem. Stoner-Doom ist exakt so gedacht. „I miss this band. Quite unique they were.“ (Youtube)

2. „Poets And Madmen“ (SAVATAGE, 2001)

Ein relativ schwaches SAVATAGE-Album ist immer noch ein funkelnd brillantes. Und neben dem zweitschwächsten SAVATAGE-Album mit Jon Oliva am Mikro sieht das stärkste SAVATAGE-Album mit Zak Stevens immer noch aus wie ein nicht überirdisches. (Sorry, „Edge Of Thorns“, alles ist relativ!).

3. „Poetic Justice“ (LILIAN AXE, 1992)

LILIAN AXE mögen ihre Kreuze tendenziell bedenklich ausgerichtet haben – das ändert nichts daran, dass sich Musik und Cover hier hinsichtlich der Qualität zueinander exakt so verhalten wie bei „Hanging In The Balance“ von METAL CHURCH. Ganz starke Platte.

4. „Poetic Atmosphere Of Seasons“ (LOST CENTURY, 1995)

Melancholischer Tech-Thrash aus Düsseldorf mit melodischem Gesang und vereinzelten Gang-Shouts. Dass man dem Werk seine gut 30 Jahre anhört, ist in diesem Fall ein Kompliment – Charakter schlägt Jugendwahn.

5. „Purple Dreams And Magic Poems“ (SCUM, 1995)

Meister Eckart wies darauf hin. Er hat schon viel gehört in seinem Leben. Er kann Dinge, zum Beispiel Kunstwerke, sehr gut einschätzen.

6. „Two Tragedy Poets (… And A Caravan Of Weird Figures“) (ELVENKING, 2008)

Wer es schafft, allein das Cover von Belinda Carlisles „Heaven Is A Place On Earth“ am Stück zu hören, schafft auch drei Sack kandierte Tollkirschen zu Silbereisen, kriegt SABATON-Krieg ohne Korn-Katheter runter und nähert sich CREMATORY-Texten mit der Lesebrille. Aber: Niemand schafft das.

6 Songs mit Poesie im Titel

1. Morbid Poetry In The Name Of The Levitating Priestess“ (LAMP OF MURMUUR, „Melancholy Howls In Ceremonial Penitence“ bzw. „Cursed Deambulations Of The Nocturnal Entities“/2019 bzw. 2020)

Ohne Worte.

2. „Poetry Of Death“ (GRAVEYARD GHOUL, „Tomb Of The Mouldered Corpses“/2012)

Sie können uns nichts vormachen, Frau „Tomb Of The Mouldered Corpses“! Sie kommen hier nicht auf die Playlist, dies ist ein ehrbarer und oberirdischer Club. Man riecht es – würgh! – 10 Meter gegen den Wind, dass Sie aus Death Metal bestehen. Außer Spesen nur Verwesen, gute Frau! Ha! Wenn Sie jetzt noch freundlicherweise die Axt …

3. „Radiation Poetry“ (STEEL MAMMOTH, „Atomic Oblivion“/2018)

Ein finnisches Stahlmammut, das verstrahlt und auch lyrisch erfrischend grobmotorisch mit Stoner und Punk arbeitet? Sorry wegen damals, Kollege!

4. „Black Mountain Poet“ (HEXVESSEL, „Older Than The Gods“/2023)

Black Mountain Poet, I want the world to fear you!“, singt Mat McNerney. Das könnte eng werden, aber wer weiß das schon. Dünn aufgetragen wird hier jedenfalls nicht.

5. „Forbidden Summer Poetry“ (ILLDISPOSED, „Four Depressive Seasons“/1993)

Scheiße drauf durchs ganze Jahr mit den ganz jungen ILLDISPOSED. Ihr Debüt macht schlechte Laune auf die erstrebenswerte Art. Danach ging es … nun ja … auch irgendwie weiter.

6. „The Hag Of Beara vs. The Poet“ (HARVESTMAN, „Triptych: Part 2“/2024)

Steve von Till tut sich in der irischen Mythologie um. Und das mag alles spirituellen Sinn ergeben und ein wichtiger Baustein zur erneuten Integration von Mensch und Natur bzw. der Überwindung der Midlife-Crisis sein – aber: Die eigentliche Sensation ist das brandneue Album von NEUROSIS. Welch. Ein. Brocken.

26.03.2026
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