
Zwischen Weltschmerz und Hoffnung: VINTA lassen Kalypso frei
Special
VINTA stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Kalypso“ (VÖ 20.03.2026) und sprechen im metal.de-Podcast offen über alles, was hinter dieser Platte steckt: den Druck der zweiten Veröffentlichung, die DIY-Realität zwischen Job und Tour, Safe Spaces auf Konzerten und die emotionale Reise von Schmerz zu Hoffnung.
Hier geht’s zur kompletten Podcastfolge.
Es gibt diese Momente im Leben einer Band, in denen sich entscheidet, ob sie nur eine Phase war, oder ob sie bleibt. Für VINTA ist „Kalypso“ ebenso ein Moment.
Das Debütalbum „Kaputt für immer“ war roh, direkt, schmerzhaft ehrlich. Herzbruch, Überforderung, Orientierungslosigkeit. Keine großen Metaphern, sondern Tagebuchseiten. Die zweite Platte geht diesen Weg weiter, aber mit einer neuen Perspektive: Loslassen. Verarbeiten. Sich selbst wiederfinden.
„Kalypso ist für mich so ein Wort zwischen Suchtgefühl und Unerfülltheit“, sagt Sänger Jakob im Podcast. Die Referenz zur griechischen Mythologie ist dabei nicht unbedingt erdacht, doch es geht um Sehnsucht, um Festhalten, um das Freilassen-Müssen. Und genau diese Spannung zieht sich durch das Album.
VINTA und die zweite Platte
Beim Debüt entstand vieles intuitiv. Singles wurden geschrieben, erst später wurde daraus ein Album. Bei „Kalypso“ war von Anfang an klar: Das wird ein geschlossenes Werk. Mehrere Songs entstanden parallel. Die Dramaturgie wurde bewusst gestaltet.
Auch soundtechnisch haben VINTA nachjustiert. Weniger klassische Breakdowns, weniger exzessive Shouts, dafür stärkere Fokussierung auf stimmliche Nuancen. „Heaviness bleibt, aber anders akzentuiert“, beschreibt Jakob den Prozess. Trotzdem ist das Album alles andere als weichgespült. Im Gegenteil: Es wirkt kontrollierter, fokussierter, vielleicht sogar härter in seiner Emotion.
Kalypso: Von Sehnsucht zu Hoffnung
In „Leise vorbei“ geht nichts mit einem Knall zu Ende. Freundschaften zerfallen hier still, fast unmerklich, und genau diese unbemerkte Stille macht es so schmerzhaft. „Lass mich gehen“ zieht die Konsequenz daraus: kein Schwebezustand mehr, sondern der notwendige Schlussstrich, das klare Abgrenzen. Mit „Keine Medizin“ kippt der Schmerz schließlich in Wut, in die befreiende Erkenntnis: „Du wirst nichts in mir heilen.“
Der Titeltrack „Kalypso“ hält all das zusammen. Sehnsucht, Suchtgefühl, Unerfülltheit. Ein Song, der im Studio aus einem echten Magic Moment entstand und live zum Signal einer neuen Ära wurde. Und dann ist da noch dieser eine bewusst gesetzte Lichtstrahl: kein Euphorie-Track, sondern ein vorsichtiger Hoffnungsmoment, der Raum lässt, ohne alles glattzubügeln.
Vielleicht liegt genau darin der Kern von „Kalypso“: nicht kaputt für immer, sondern die Möglichkeit, mit den richtigen Menschen an der Seite zu heilen.
VINTA: DIY-Geist und Herzblut
VINTA ist eine Band, die sich vieles selbst beigebracht hat. Booking, Design, Content, Merch, Videoschnitt. Lange Zeit lief alles intern, wie bei jeder jungen aufstrebenden Band. Die Realität dahinter ist weniger romantisch als viele glauben.
Merch wird im eigenen Studio gelagert. Vorbestellungen bedeuten zwei Tage am Stück, um Pakete zu packen. Hausbewohner müssen Unmengen an Paketen annehmen (die Band dankt ausdrücklich dafür). Urlaub wird für das Songwriting genutzt, Überstunden für Studiotage angespart.
„Man muss das schon wollen“, sagt Matze. „Es ist nicht nur Musik. Es ist alles drumherum.“
Zurzeit beginnt schrittweises Outsourcing: Booking-Agentur, Unterstützung bei der Videoproduktion. Die Kontrolle über Social Media bleibt bewusst intern. Denn „Echt sein“ ist kein Buzzword, sondern Selbstschutz.
Support-Tour mit Legenden und der Post-Tour-Blues
Die vergangene Tour mit den EMIL BULLS war für VINTA ein Meilenstein. Große Bühnen, volle Clubs, neue Publikumsschichten. Aber auch: Turnaround-Druck, wenig Schlaf, lange Fahrten im VAN und jeder fährt ein Stück. „Unsere Aufgabe war es, die Leute für den Main Act heiß zu machen“, sagt Jakob. Keine Eitelkeit, sondern Fokus. Und danach? Post-Tour-Blues ist real. Nach euphorischen Nächten folgt der Montag im Alltagsgewand. Der Kontrast ist hart. Doch genau hier liegt auch die Erdung: „Es ist gut, dass man wieder runterkommt. Sonst hebt man irgendwann ab.“
VINTA: „Wir sind ganz klar Team Gefühle“
Für VINTA sind Konzerte mehr als Performance, sie sind bewusst gestaltete Räume. Die Band versteht ihre Live-Shows als Safe Space, in dem sich jede:r mit den eigenen Gefühlen willkommen fühlen darf. Gerade im männlich geprägten Metal-Umfeld sei das keine Selbstverständlichkeit.
Das Publikum ist jung, bunt, vielfältig und soll spüren: Hier ist keiner allein mit dem, was er fühlt. Ob Tränen im Refrain, Wut im Breakdown oder stille Momente im Hintergrund, alles darf da sein. Gefühle gelten nicht als Schwäche, sondern als Verbindung.
Dabei sieht sich die Band klar in der Verantwortung gegenüber ihrer Community. Unsensibles Verhalten im Publikum wird aktiv angesprochen, Grenzüberschreitungen werden nicht ignoriert. Gleichzeitig betont VINTA ihre Lernbereitschaft: Feedback zu Sprache, Ansagen oder Atmosphäre wird ernst genommen. Safe Space ist für sie kein Schlagwort, sondern ein Prozess.
Die Shows selbst sind bewusst dramaturgisch gestaltet. Traurige Songs dürfen intensiv berühren, bleiben aber nicht im Schmerz isoliert stehen. Im Set ist Vielfalt geplant: schwere Momente, wütende Katharsis, hoffnungsvollere Passagen. Dieses Wechselspiel ermöglicht einen emotionalen Erfahrungsaustausch, der über das reine Konzert hinausgeht. Denn am Ende geht es nicht nur um Musik, sondern auch um Gemeinschaft.
Zum Album-Release von „Kalypso“ am 20. März 2026 gibt es auch eine kleine Tour! Ab dem 26. März 2026 stehen sieben Shows an zwei Wochenenden an, inklusive Osterpause.
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Diana Heinbucher
































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