Deine Cousine: Ich will halt nicht, dass meine Shows so eine gated Community werden.

Special

Für „One Last Dance“ haben wir DEINE COUSINE beim Highfield Festival 2026 getroffen, bei der letzten Ausgabe des Festivals in seiner bisherigen Form. Die Episode führt von persönlicher Entwicklung und Wahlfamilie zu einer Frage, die weit über die eigene Band hinausweist: Wer kann an Livekultur teilhaben und was passiert mit einer Szene, wenn ihre Räume für immer weniger Menschen erreichbar werden?

„Ich will halt nicht, dass meine Shows so eine gated Community werden.“ Dahinter steckt mehr als nur die Idee eines vergünstigten Konzerttickets. Soli-Tickets sind ein konkreter Versuch, Menschen einzubeziehen, die sich einen regulären Eintritt nicht leisten können. Gleichzeitig benennt DEINE COUSINE selbst die Grenzen: Wer zusätzlich Fahrtkosten oder eine Übernachtung tragen muss, scheitert möglicherweise trotzdem am Konzertbesuch. Teilhabe entscheidet sich eben nicht erst an der Abendkasse.

Zugehörigkeit braucht mehr als ein Publikum

Dass DEINE COUSINE Gemeinschaft nicht nur als Nähe zwischen Bühne und Zuschauenden versteht, zeigt sich auch in ihrem Begriff von „Familie“. Gemeint ist keine romantisierte Fanbeziehung. Entscheidend sei vielmehr, dass Menschen mit einem ähnlichen Kompass zueinanderfinden, gemeinsam zu Shows fahren, Freundschaften aufbauen und füreinander da sind. „Familie sucht man sich aus“ beschreibt damit weniger eine Fangemeinde als vielmehr die Möglichkeit, Zugehörigkeit selbst zu bestimmen.

Diese Haltung bleibt nicht symbolisch. Bei Konzerten werden über Tombolas Spenden für soziale Organisationen gesammelt. Die Einnahmen aus dem „Protect Your Daughters“-Shirt gingen an die Frauenhauskoordination; zum Zeitpunkt des Interviews waren damit allein 14.000 Euro eingegangen. DEINE COUSINE beschreibt dieses Engagement erstaunlich unspektakulär: Es gebe Situationen, in denen sichtbar werde, wo Geld fehlt, und dann sehe sie sich als Plattform, über die sich etwas beitragen lässt.

Deine Cousine: Wenn aus Konzertorten Gesellschaftsorte werden

Auf dem Highfield bekommt diese Vorstellung von Teilhabe eine größere Dimension. DEINE COUSINE spricht von Festivals als „Gesellschaftsorten“. Wo Menschen gemeinsam Musik erleben, entstehen Begegnungen, Beziehungen und Erinnerungen, aber eben nur, solange solche Orte existieren und erreichbar bleiben. Dass gleichzeitig Festivals verschwinden und Kulturgelder gekürzt werden, macht für sie deshalb mehr als nur ein Problem der Veranstaltungsbranche sichtbar.

Vielleicht liegt genau darin die Verbindung zwischen Soli-Ticket, Wahlfamilie und Festivalsterben: Szene entsteht nicht allein durch Musik. Sie braucht Räume, Zugang und Menschen, die Verantwortung dafür übernehmen, wer an ihr teilhaben kann.

One Last Dance Episode 1: KAFVKA
One Last Dance Episode 2: HI! Spencer
One Last Dance Episode 3: DAS LUMPENPACK
One Last Dance Episode 4: ITCHY

Quelle: Interview Deine Cousine Highfield 2026
21.10.2026

Musik ist mehr als Klang: Sie erzählt von Leben, Leidenschaft, Aufbruch und Ankommen. Sie ist Kunst: roh, echt und einzigartig. Ihre Bedeutung entfaltet sich im Resonanzraum zwischen uns und der Welt. Come as you are!

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