Enslaved
Das schwierige, vierzehnte Album: ENSLAVED im Interview zu "E"

Interview

Obwohl an diesem Tag bereits in einem Interview-Marathon unterwegs, steht uns ein entspannter und gutgelaunter Grutle Kjellson an einem sommerlich-warmen September-Abend zur Verfügung, um ein bisschen über “E”, Gastmusiker und die anstehende Deutschland-Tour zu quatschen.

ENSLAVEDs Grutle Kjellson

Fangen wir mal gleich an: Album Nummer 14, „E“ ist frisch raus. Wie fühlt man sich da im Vorfeld einer Veröffentlichung?

Nun, die Erfahrung ist ja nicht ganz neu für uns, aber das ist die schwierige vierzehnte Veröffentlichung (lacht). Nun, wird sind schon stolz, auf das, was wir da veröffentlichen. In meinen Augen und Ohren haben wir zumindest versucht Qualitätsmusik zu machen, und obwohl wir immer stolz auf unsere Ergebnisse sind, ist dies wohl das dynamischste und durchdachteste Album, das wir bislang gemacht haben – wir freuen uns also ziemlich über den Release.

Einfach „E“ – ein einfacher Titel für ein komplexes Album. Was kannst Du uns über das Konzept hinter „E“ erzählen?

Nun zunächst einmal kann es natürlich als Buchstabe gesehen werden und damit naheliegenderweise für ENSLAVED stehen. Phonetisch kann es aber auch für die Rune Ewaz stehen, die geschrieben wird wie der lateinische Buchstabe “M” – da liegt schonmal die erste Verwirrung (lacht). Oh, und es ist auch die Rune für Sleipnir, Odins Pferd…. Für uns steht dieses Symbol für das Konzept der Dualität, also der Mensch und seine persönlichen Götter, der Mensch und sein Inneres Selbst, seinem Totem-Tier, seine Beziehung zur Familie, zur Natur. Das Album versucht also sich zu fokussieren auf den Menschen und starke Beziehungen, die er mit seiner Umgebung eingeht. Es kann nach Innen gerichtet sein, also physische Welt in Beziehung zur Traumwelt. Chaos gegen Ordnung, ich meine also das Innere und das Äußere.

ENSLAVED – „E“

Also gar kein einfacher Titel für ein komplexes Album? Ein komplexer Titel für ein komplexes Album?

Das sind eure Worte (lacht). Einigen wir uns: Es ist etwas für etwas…

Wie hat sich die Integration von Håkon Vinje, dem neuen Keyboarder, dargestellt? Ein ziemlich junger Kerl – konnte er sich in der Musik von ENSLAVED schnell zurechtfinden?

Nun, er ist ein wirklich guter Musiker und einer der wenigen Typen, die ich kenne, die immer ein Keyboard oder eine Orgel als Hauptinstrument hatten. Er wuchs damit auf. Es  ist schon als Kind von seinem Vater mit Jon Lord (DEEP PURPLE) vertraut gemacht worden, er hat schon immer davon geträumt ein Keyboardspieler zu werden. Er könnte wahrscheinlich jeden Stil spielen, in jeder Band Norwegens. Er ist einfach wirklich ein fähiger Musiker, also musikalisch war das gar so nicht schwer. Aber einiges war auch neu, das Herumreisen, das Touren, Teile eines derart großen Releases zu sein.

Wie hat darüber hinaus die Integration eines neuen Bandmitglieds die Arbeitsweise und Statik innerhalb der Band verändert?

Naja, die Dynamik innerhalb der Band hat sich schon verändert. Aber die Veränderungen haben dieser Fünf-Mann-Einheit definitiv einen Schub nach Vorne gegeben.

Ihr habt euren Stil von Album zu Album immer verändert, seid aber immer hörbar ENSLAVED geblieben. Nun sagte Ivar (Bjørnson), mit „E“ stehe eine neue Ära bevor. Wie tief ist der Einschnitt deiner Meinung nach diesmal?

Nun, wenn wir uns jemals konventionell verhalten haben, dann ist das nun weg (lacht). Es ist quasi kein Framework, kein Rahmen mehr übrig. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, es improvisiert oder jazzig zu nennen, aber es ist definitiv offener, suchender und grenzenloser. Auch die Produktion ist besser, alles ist getrennter voneinander, die Instrumente sind leichter herauszuhören. Vieles hat sich also positiv entwickelt, denke ich.

Die Single-Auskopplung und Opener „Storm Son“ ist wie eine Brücke von „In Times“ zu „E“ – weiches Intro, aber sehr zielgerichtet im Kern. Habt ihr den Song deshalb an den Anfang gestellt?

Ja, ich fürchte, das war meine Idee (lacht). Ich bin üblicherweise derjenige, der den ersten Song auswählt. Und diesmal war es einfach ein Impuls, eine Intuition. Er hat ein natürliches Intro und es ist tatsächlich eine Art Brücke zu dem, was wir vorher gemacht haben, es ist einfach den roten Faden zu erkennen zum Vorgänger “In Times”. Ein perfekter Opener, also. Wir hatten kurz überlegt “Sacred Horse” an den Anfang zu stellen, aber das wäre zu direkt gewesen, zu sehr direkt ins Gesicht.

Ich wollte einen etwas schleichenderen Einstieg, einen sanfteren Einstieg. Nicht den Effekt, die Leute wegzuhauen und dann den Rest der Platte nur noch durchlaufen zu lassen. Es ist zugegebenermaßen ein herausfordernder Einstieg, aber es klappt, denke ich.

Gehen wir mal an das andere Ende von „E“, „Hiindsiight“. Ein bisschen das Gegenstück zum verlässlichen „Storm Son“: Death Doom am Anfang, Saxophon in der Mitte, atmosphärisches Outro. Ziemlich viel am Ende, oder?

Und obwohl wir bei „Hiindsiight“ eine Menge Elemente einsetzen, ist es vielleicht sogar der am wenigsten verrückteste Song auf dem Album (lacht). Es war einfach der perfekte Schlusssong: Der Titel atmet, er begrüßt eine neue Welt nach dem Sonnenaufgang. Es ist einfach ein toller Endtitel.

Ihr habt auch Gastmusiker, wie Einar Selvik (WARDRUNA) und Kjetil Møster (norwegischer Jazz-Saxophonist), auf dem Album. Wie kommt ihr auf diese Kooperationen? Denkt ihr: „Das klingt bestimmt besser mit Saxophon! Lasst uns nen Typen fragen!“?

Es war ziemlich natürlich ein Saxophon in dem angesprochenen „Hiindsight“ zu integrieren.  Dieser Part wurde bereits 2008 geschrieben, es war Teil eines Konzertes, das wir mit SHINING (NOR) gegeben haben. Damals hatten wir auch bereits ein Saxophon eingesetzt. Obwohl die 2017er-Version deutlich anders ist als die 2008er, hatten wir trotzdem das Gefühl, dass auch dieser Song ein Saxophon braucht. Und da wir nicht die besten Saxophon-Spieler in ganz Norwegen sind, sondern dieser in dem Gebäude probt, in dem wir unsere Studioaufnahmen machen, mussten wir nur einmal über den Flur gehen, klopfen und fragen, ob er sich vorstellen könnte in einem unserer Songs mitzuwirken. Also hat Kjetil sich das angehört und für gut befunden. Er kennt ENSLAVED bereits, also kam er dann für einen Nachmittag rüber. Anscheinend hat ENSLAVED schon einen Eindruck auf die norwegische Jazz-Szene gemacht (lacht).

Aber wer oder was ist „Röyksopp“, eine Band, deren Song „What Else Is There“ ihr gecovert habt und der im Bonus-Material verfügbar ist? Ziemlich catchy…

Da es sich tatsächlich um einen Bonus-Track handelt, ist es nicht wirklich Teil der Platte. Wir wurden mal gefragt, ob wir eine Coverversion machen wollen, von einer Organisation in Bergen, einer Organisation von lokalen Musikern. Es war ihr zwanzigster Geburtstag und sie haben Bands aus Bergen gefragt, ob sie bereit wären Songs von anderen Bands aus Bergen zu covern. Wir wurden gefragt, ob wir „Röyksopp“ übernehmen können. Sie hatten vor knapp 15 Jahren internationalen Erfolg, mit dem was sie „Northern Electronic“ oder so ähnlich nennen.

Und ja: Es ist ein catchy Song geworden, zumindest, wenn man ENSLAVED-Maßstäbe anlegt (lacht). Aber es ist kein Teil des Albums, eher ein Gimmick.

ENSLAVED (2017)

Habt ihr eigentlich Probleme mit Leuten, die sagen „Macht mal wieder mehr „Frost“-Kram!“ Wenn man an andere Beispiele denkt, wie OPETH oder EMPEROR: Die Frage könnte man sich auch für ENSLAVED stellen…

Naja, wenn Leute sagen: Ich mag aber lieber „Frost“ hören, dann sage ich: Hört gerne „Frost“ (lacht). Wir machen ja keine neuen Alben, damit die Leute „Frost II“ bekommen, das ist nicht die Idee hinter unserer Musik. Es ist auch nicht so, dass es mich stören würde, wenn einer das sagt: Es ist mir wirklich egal. Wir machen das, was wir am besten können, entwickeln uns, machen neue Alben und haben dabei auch noch ein gute Zeit.

Nun geht’s wieder mal auf Tour, diesmal mit „E“ im Gepäck. Wie schwer wird es „E“ auf die Bühne zu bringen?

Oh, es ist immer eine Herausforderung neue Songs live zu spielen (lacht). Es ist so ein großerUnterschied zu den Songs, die du schon 500-mal gespielt hast. Und wenn man einen Song das erste Mal live bringt, dann ist das immer eine besondere Erfahrung, da nicht alle Songs beim ersten Mal am allerbesten klingen (lacht). Jeder Song entwickelt so sein eigenes Ding. Wir schauen mal, welche Songs vom neuen Album wir bringen werden – aber es ist für uns genauso aufregend wie für das Publikum. Natürlich wird es super klappen, aber die Auswahl steht tatsächlich noch nicht fest (lacht).

So, letzte Frage: Wie geht’s weiter?

Ich hoffe, nein, ich weiß, viele von euch bald zu sehen. Es ist uns immer ein besonderes Vergnügen nach Deutschland zu kommen, wir freuen uns darauf zurück zu kommen. Also: Seid dabei. Und ich hoffe, ihr genießt die neuen Songs so sehr, wie es uns Spaß macht die zu spielen und aufzunehmen. Und sie zu schreiben! Bis bald und: Auf Wiedersehen (auf deutsch; Anm. d. Red.)!

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31.10.2017

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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