Face Down Hero
Interview mit Drummer Carsten Kachelmus zum Album "Product Of Injustice""

Interview

Face Down Hero

Dieser Tage sind die Marburger Thrasher FACE DOWN HERO mit ihrem fünften Album am Start. Einmal schleudern die Hessen mörderische Riffs durch die Umgebung und liefern mit „Product Of Injustice“ wieder absolute Qualitätsarbeit. Daher ist es umso fragwürdiger, warum die Truppe bisher nur in so wenigen Ohren und Mündern ist. Diesbezüglich löcherte metal.de Drummer Carsten Kachelmus

Moin Carsten, zum letzten Mal seid ihr bei diesem Magazin im Jahr 2008 zu Wort gekommen. Was hat sich seitdem getan?

Moin erstmal. Ui so lang ist das schon her, Wahnsinn. Also dann hol ich mal etwas aus. 2009 erschien unser drittes Album„Of Storytellers and Gunfellas“.  Das Album hat die Reviews des Vorgängers insgesamt nochmal übertroffen, obwohl diese für uns schon hervorragend waren. Mit diesem Album im Gepäck sind wir auf einer kleinen aber sehr feinen Deutschlandtour mit den Finnen von DIABLO gewesen.
Kurz nach der Tour hat uns dann leider unser langjähriger Gitarrist Jens verlassen und so kamen wir ein wenig ins Schleudern bzgl. des nächsten Albums. Die Zeit zur “Divisions And Hierarchies“ war bisher die schwierigste Phase in unserer Bandgeschichte. Der Studiotermin war bereits gebucht aber viele der Songs waren einfach noch nicht fertig arrangiert.  So haben wir bei “Divisions And Hierarchies“ erstmalig sehr viel im Studio arrangieren müssen was leider insgesamt sehr viel stressiger war als die Male zuvor.
Die ersten drei Alben veröffentlichten wir jeweils im Jahresrhythmus. Das war mit dem vierten Album dann aufgrund diverser Vertriebsprobleme leider nicht machbar und so kam “Divisions And Hierarchies“  mit einem Jahr Verzögerung in den Handel. 
Die Reviews waren nicht ganz so überschwänglich wie bei der “Of Storytellers…“, aber ebenfalls sehr stark.
Leider hatten wir mit der Besetzung des zweiten Gitarristen mehrfach Pech so, dass wir auf dem Livesektor in der Zeit ziemlich wenig aktiv waren. Das besserte sich erst als uns Alex Hartmann 2012 anfing auszuhelfen. Mittlerweile ist Alex übrigens festes Mitglied bei uns.
Im August 2012 haben wir dann mit den Aufnahmen für „Product Of Injusticte“ begonnen. Leider hat unser altes Plattenlabel Yonah Records seinen Betrieb weitgehend eingestellt und so mussten wir uns auf die Suche nach was Neuem machen.
Diesmal zog sich, neben der Labelsuche, auch das Endprodukt der Aufnahme ziemlich in die Länge so, dass wir das Album wieder erst mit einiger Verzögerung veröffentlichen konnten.
Im März 2014 war es dann endlich so weit – tja und hier sind wir jetzt.

Was durchaus aufzufallen weiß, ist die Tatsache, dass euer Line-Up über all die Jahre relativ stabil geblieben ist. Sorgt das eher für ideales aufeinander abgestimmt sein oder fehlen euch auch manchmal neue Impulse?

Was Drums, Vocals/Gitarre und Bass angeht, hast du sicherlich recht. Leider gab es wie erwähnt ab Ende 2009 mehrere Besetzungswechsel an der zweiten Gitarre die einiges an Nerven gekostet haben. Jetzt mit Alex in Band fühlt es sich erstmalig wieder wie eine komplette Einheit an. Die “Divisions And Hierarchies“ haben wir als Trio eingespielt und eine Woche vor den Aufnahmen zu “Product Of Injustice“ versetzte uns der damalige zweite Gitarrist so, dass wir auch dieses Album als Trio einspielen mussten.  Uns ist wichtig, dass die Band harmoniert – nicht nur beim Musik machen, sondern generell. Kali und ich spielen z.B. bereits seit über 20 Jahren zusammen. Mit Sebi sind es jetzt auch schon fast 10. Die “neuen Impulse“ die wir von 2009 bis 2012 hatten waren leider eher hinderlich in der Entwicklung und im Arbeitstempo, als förderlich.
Wir sind natürlich durch die Jahre gut aufeinander eingespielt und haben einfach eine sehr genaue Vorstellung wie FACE DOWN HERO klingen soll.

„Product Of Injustice“ ist nun bereits eure fünfte Platte. Welche Entwicklung haben FACE DOWN HERO über all die Jahre durchgemacht?

Puh das ist immer schwer zu sagen. Ich finde seit der zweiten Scheibe „Where All This Anger Grows“ haben wir einen relativ eigenständigen Stil entwickelt, den wir von  Platte zu Platte  versuchen zu optimieren.
Klar sagt jeder Musiker immer automatisch, dass das aktuelle Scheibchen definitiv das Beste wäre das man jemals gemacht hat. Ich kann das ehrlich gesagt nie wirklich mit Sicherheit sagen, da für mich jede unserer Platten ihren ganz eigenen Charme hat. 
Wir haben den Segen, oder den Fluch, je nachdem wie man es sehen möchte, dass man uns nicht gänzlich in eine Schublade packen kann. Für die einen sind wir zu sehr Thrash, für die anderen zu melodisch usw. Diese Stilvielfalt gibt uns aber die Möglichkeit viele Dinge auszuprobieren ohne zu schnell Gefahr zu laufen, dass wir uns wiederholen.
Ich denke als Entwicklung kann man sagen, dass jede Platte irgendwie anders klingt als der Vorgänger, aber man jederzeit trotzdem FACE DOWN HERO erkennt.

Auf einer Ebene konntet ihr leider nicht die Entwicklung nehmen, die euch eigentlich zu steht. So gehört ihr vom Bekanntheitsgrad doch eher in die tiefe Underground-Schublade. Ich denke mal, ihr könnt die Qualität eurer Scheiben realistisch einschätzen…ärgert euch das nicht phasenweise, wenn man zufällig mal wieder den nächsten belanglosen Schrott eines großen Labels vorgelegt bekommt?

Klar ärgert einen das. Es wäre gelogen wenn man was anderes behauptet,
aber als Band selber hat man auf sowas ja relativ wenig Einfluss. Wir können nicht mehr tun als möglichst hochwertige Scheiben abzuliefern und laut Kritiken über die Jahre tun wir das. Erfolg und Beachtung hängt heutzutage leider auch an vielen Dingen die nicht unbedingt was mit Musik zu tun haben. So Dinge wie z.B. Optik, Image, Namedropping etc. waren bei uns aber immer entweder sekundär oder gänzlich unwichtig. Wir haben immer versucht unser ganzes Augenmerk auf unsere Mucke zu legen ohne uns weitere Gedanken zu machen, wie man das am besten Vermarkten kann bzw. wie man sich  für die Allgemeinheit interessanter machen könnte.
Wir sind aber auch nach wie vor davon überzeugt, dass man durch ehrliche Arbeit und vor allem Au¬then¬ti¬zi¬tät  irgendwann eine gewisse Anerkennung bekommt und die bekommen wir ja zumindest schon in fast allen Reviews.

Vielleicht hat das Ganze auch etwas Gutes. Sicherlich ist man so doch auch irgendwie Fan geblieben, oder?

Ja klar bleibt man Fan. Ich glaube aber nicht, dass das unbedingt was mit Underground oder nicht Underground zu tun hat. Man sollte doch von der Musik die man spielt auch in gewisser Weise Fan sein. Ich muss allerdings zugeben dass mir persönlich gar nicht mehr so viel neuerer Metalkram gefällt. Meist bin ich eine neuere Scheibe relativ schnell leid und greife dann doch wieder zu meinen alten Helden, da es meiner Meinung nach auch nicht allzu viele interessante neue Bands gibt. Hin und wieder entdecke ich dann doch auch mal wieder eine mir zuvor völlig unbekannte Band und freue mich wenn die eine geile Scheibe am Start haben. Das ist aber wie gesagt eher selten der Fall.

Was mir auf „Product Of Injustice“ besonders gut gefällt, sind nicht nur die kernigen Riffs, sondern allen voran auch die stimmungstechnische Vielfalt. So sind zum Beispiel „Walls Of Condemnatium“, „The Reckoning With Myself“ und das instrumentale „Scraping The Sky“ doch gegeneinander abgegrenzt keineswegs homogene Stücke. Liegt darin eine große Stärke von euch?

Ja das glaube ich schon. Das ist ja das was ich bereits angesprochen habe. Man kann uns schwer in eine Schublade packen und das wollen wir auch gar nicht. Wir haben so viele verschiedene Einflüsse und das hört man dann eben in den Songs. Das wird eigentlich auch von Platte zu Plate extremer finde ich.  Das angesprochene“ Reckoning with myself“ hätten wir uns glaube vor 10 Jahren noch nicht getraut. Da hätten wir evtl. Angst gehabt das es zu melodisch oder gar poppig klingen würde. Heute haben wir solche Gedankengänge gar nicht mehr und ich finde, dass der Song eine richtige Granate geworden ist.

Wer ist denn eigentlich für das gruselige Cover verantwortlich? Da muss ich den Redakteuren der Rock Hard, denen das Teil offenbar auch weniger gefallen hat, leider Recht geben.

Findest du? Hmm – ich mag das Cover eigentlich sehr gerne. Das Cover-Artwork bei uns macht seit Beginn von FACE DOWN HERO der Kai Swillus von Epigraphics. Ich habe damals mal eine CD seiner alten Band RECKLESS TIDE gekauft und fand neben der Mucke auch das Cover sehr cool. So kam ich mit Kai in Verbindung. Mittlerweile macht er fast seit 10 Jahren unsere Cover und ich bin immer wieder begeistert wie vielseitig Kai ist.
Cover sind aber natürlich ebenfalls wie die Musik Geschmackssache.
Ich habe auch schon sehr viele positive Stimmen bzgl. des Artworks bekommen.

In der Tat kann man eure Mucke ja durchaus als anspruchsvollen Thrash Metal zwischen alter Schule und modernen Versatzstücken beschreiben. Was hältst du eigentlich von diesem stumpfen Neanderthaler-Thrash wie LEGION OF THE DAMNED, der in den letzten Jahren vermehrt gut ankommt? Auch wenn es so klingen mag, ist das wahrhaftig nicht wertend gemeint.

Hmm schwer zu sagen. Mir persönlich geben Bands wie z.B. L.O.T.D. gar nichts. Im Übrigen ist doch L.O.T.D. ein sehr gutes Beispiel zum Thema das heutzutage neben der Musik andere Dinge wichtig sind um Beachtung zu finden. Einfach mal Namen geändert, bisserl anderes Image – und schon fluppt es. So kann das eben manchmal laufen.
Generell stehe ich nicht auf sonderlich stumpfe Musik. Auch bei Thrash ist das nicht anders. Es gibt vielleicht die eine oder andere Ausnahme. Das sind dann aber meist schon ältere Bands.
Besonders mit dieser Retro-Thrash-Welle und den meiner Meinung nach künstlich gepimpten Bands, die dieser Trend hervorgebracht hat, kann ich absolut nichts anfangen. Achtziger-Jahre-Thrash hört sich für mich am besten an, wenn er auch aus den Achtzigern ist und nicht das Produkt einer Retrowelle ist.

Wie geht es eigentlich nun mit euch weiter? Sind demnächst irgendwelche Live-Aktivitäten geplant?

Wir spielen dieses Jahr noch ein paar Festivals und einige Clubshows. Wir planen auch noch ein Jubiläumskonzert zu machen um unser 10 jähriges Bestehen gebührend zu feiern.
Weiterhin starten wir jetzt wieder mit Songwriting und planen als nächstes eine EP zu veröffentlichen. Wann das genau sein wird kann ich leider noch nicht genau abschätzen.

Das war es auch schon. Vielleicht kannst du mir zum Abschluss noch eine Scheibe nennen, die dich zuletzt richtig umgehauen hat und alles Weitere erwähnen, was ich zu fragen verpasst habe!

Also persönlich hat mir die letzte BEHEMOTH wieder sehr gut gefallen. Die neue CHANNEL ZERO ist auch wieder sehr geil geworden. Ansonsten hör ich wie gesagt hauptsächlich ältere Scheiben. Dankeschön für das Interview, Danke an alle, die das gelesen haben und Danke an alle die uns unterstützen. Alle die jetzt neugierig auf FACE DOWN HERO geworden sind, sollten mal auf unserer Website oder unserer Facebook Seite reinschauen.
Haut rein und prost!

14.07.2014
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