
Gladenfold
"Uns war klar, dass wir mit dem neuen Album eine andere Richtung einschlagen wollen."
Interview
Mit ihrem neuen Album „Soulbound“ bewegen sich GLADENFOLD ein Stück weit weg vom Melodic Death Metal und hin zum Power Metal. Wir haben mit Schlagzeuger Lauri Itälä und Sänger Esko Itälä über die aktuellen Entwicklungen und ihren Langzeitvertrag bei Reaper Entertainment gesprochen.
Hi und danke, dass ihr euch Zeit für die Fragen nehmt! „Soulbound“ ist euer viertes Album, und ihr habt euch vier Jahre Zeit gelassen. Was ist in dieser Phase passiert?
Lauri: Vier Jahre finde ich gar nicht so lang – zumindest nicht für eine kleinere Band wie GLADENFOLD. Nach der Veröffentlichung von „Nemesis“ haben wir natürlich Shows gespielt, und es hat eine Weile gedauert, bis wir überhaupt über ein neues Album gesprochen haben. Außerdem hatten wir noch kein fertiges Material, also nahm das Songwriting entsprechend Zeit in Anspruch. Dazu kommt: Reaper Entertainment wächst stark, mit vielen großen und aufstrebenden Bands. Releases müssen gut geplant und getaktet werden.
Ihr habt den Melodic-Death-Metal-Anteil deutlich zurückgefahren und setzt jetzt stärker auf Power Metal – weniger Screams, insgesamt ein anderer Sound. Wie kam es dazu?
Lauri: Uns war klar, dass wir mit dem neuen Album eine andere Richtung einschlagen wollen. „Nemesis“ war für uns GLADENFOLD in dieser Stilistik auf dem Höhepunkt. Der Power-Metal-Anteil war zwar immer da, aber wir haben ihn nie vollständig ausgereizt – bis jetzt. Das war eine erfrischende Erfahrung. Und ein wirklich starkes Power-Metal-Album zu schreiben, ist anspruchsvoller, als man denkt. Eine Herausforderung, die Spaß gemacht hat.
Hat „Soulbound“ ein übergeordnetes Konzept oder ist es eine Sammlung einzelner Songs?
Esko: Ursprünglich waren die Songs nicht als geschlossenes Konzept gedacht. Als sich jedoch eine konzeptionelle Idee entwickelte, haben wir vieles angepasst und die Texte erst dann geschrieben. Dadurch gibt es zahlreiche inhaltliche und musikalische Verbindungen zwischen den Songs. Für mich ist das Album ein zusammenhängendes Werk, das die Hörer auf eine eigenwillige und zugleich epische Reise mitnimmt.
Wer ist die weibliche Gastsängerin auf „Mercy“?
Esko: Auf „Mercy“ singt Micha von der Band WITHOUT WARNING. Wir kennen sie aus der lokalen Metalszene – da kennt im Grunde jeder jeden. Wir haben sie einfach gefragt und ausprobiert, ob unsere Stimmen harmonieren. Das Ergebnis hat perfekt zu dem Song gepasst.
Persönliche Frage zum Vorgänger: „Chiara’s Blessing“ ist bis heute einer meiner Favoriten – meine beste Freundin heißt Chiara. Worum geht es in dem Song?
Esko: „Chiara“ war ursprünglich nur ein Arbeitstitel von Paavali, der den ersten Demo-Entwurf im Italienurlaub geschrieben hat. Mir gefiel der Titel, also habe ich eine Geschichte darum entwickelt. Chiara ist eine junge Frau, die von ihrem Geliebten verraten wird. Der Verrat trifft sie so tief, dass er sie das Leben kostet. Mit ihrem letzten Atemzug verflucht sie den Mann dazu, fortan einsam mit Schuld und Sehnsucht zu leben. Er errichtet eine Gruft über ihren Überresten, um seine größte Liebe und seinen größten Fehler für immer zu bewachen – und nennt diesen Ort zynisch „Chiara’s Blessing“.
Welche Bands haben den Sound von GLADENFOLD geprägt?
Lauri: Da gibt es viele. In den Anfangsjahren hörte man Einflüsse von CHILDREN OF BODOM, NIGHTWISH, ENSIFERUM und SONATA ARCTICA deutlich heraus. Auf dem neuen Album schimmern sicher auch Inspirationen von KAMELOT, BLIND GUARDIAN oder SYMPHONY X durch. Darüber hinaus gibt es unzählige Bands, die uns individuell und als Gruppe geprägt haben – aber das sind wohl die wichtigsten.
Ihr gehört zu den dienstältesten Bands im Roster von Reaper Entertainment. Wie blickt ihr auf die Zusammenarbeit?
Lauri: Wir sind sehr glücklich, noch immer mit Flori und Greg zusammenzuarbeiten. Wir haben den Deal genau zum richtigen Zeitpunkt unterschrieben. Reaper hat uns auf ein neues Level gehoben und fordert bei jeder Veröffentlichung ein hohes Maß an Professionalität – das hilft uns enorm.
Dass wir so lange Teil ihres Rosters sind, liegt vermutlich daran, dass die Zusammenarbeit reibungslos funktioniert. Wir halten Deadlines ein und sie geben uns völlige künstlerische Freiheit. Auch wenn wir für sie keine „Gelddruckmaschine“ sind – unsere Musik mögen sie offenbar trotzdem.
Euer Debüt erschien auf einem kleinen Label. Wäre ein Re-Release über euer aktuelles Label denkbar?
Lauri: Eher nicht. Wir haben zwar gelegentlich darüber gesprochen, ältere Songs aus Demos oder EPs neu aufzunehmen. Am Ende kamen wir immer zur gleichen Frage: Warum? Deshalb wird es wohl kein Re-Release des Debüts geben – sorry.
Plant ihr eine Tour zu „Soulbound“? Vielleicht mit der Band SOULBOUND – das würde passen.
Lauri: Keine schlechte Idee. Eine Tour mit einer solchen Band wäre cool, aber aktuell ist das nicht geplant. Im Frühjahr spielen wir einige Shows in Finnland. Und im Mai geht es zum ersten Mal nach Japan – darauf freuen wir uns riesig.
Danke für eure Zeit – die letzten Worte gehören euch!
Lauri: Danke für das Interview! Und an alle, die das hier lesen: Hört euch „Soulbound“ an – es lohnt sich!
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| Band | |
|---|---|
| Stile | Melodic Metal, Power Metal |
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Jannik Kleemann
































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