Gothminister
"Verwandelt eure Dämonen in eure Stärke, anstatt ihnen einfach nur zu entfliehen."

Interview

Der GOTHMINISTER veröffentlicht mit „We Are All Demons“ ein neues Album mit prägnantem Titel. Im Interview verrät er uns dazu alle Hintergründe und spricht über seine Inspirationen und den Schritt vom großen Label hin zu mehr Eigenverantwortung.

„We Are All Demons“ ist ein markanter Albumtitel. Was bedeutet er für dich und was hat dich dazu inspiriert?

Ich glaube, dass wir alle Dämonen in uns tragen. Niemand ist ausschließlich gut oder böse. Wir alle haben unsere dunklen Seiten, Ängste, Sehnsüchte und Widersprüche. Der Titel spiegelt diese Dualität der menschlichen Natur wider.

Gleichzeitig steckt auch eine positive Botschaft dahinter. Anstatt ständig gegen unsere inneren Dämonen anzukämpfen, sollten wir vielleicht lernen, sie zu verstehen und anzunehmen. Unsere dunklen Seiten gehören zu dem, was uns menschlich macht.

Und natürlich sind Dämonen in der Welt von GOTHMINISTER auch etwas, das man feiern sollte! Mir gefällt die Vorstellung, dass unsere Konzerte Zusammenkünfte von Dämonen sind, bei denen jeder dem Alltag entfliehen und in unser düsteres Universum eintauchen kann.

Wie unterscheidet sich das neue Album musikalisch und thematisch von euren bisherigen Veröffentlichungen?

Musikalisch ist es meiner Meinung nach eines der energiegeladensten und vielseitigsten GOTHMINISTER-Alben bisher. Ich habe schon immer Gothic Metal, Industrial-Elektronik und eingängige Melodien miteinander verbunden, aber diesmal habe ich die Kontraste noch stärker herausgearbeitet.

Es gibt härtere Gitarren, aggressiveren Gesang, moderne elektronische Elemente und gewaltige, melodische Refrains. Ich habe mit Einflüssen aus EDM, Techno und sogar Dubstep experimentiert, ohne dabei die düstere, theatralische Atmosphäre aufzugeben, die GOTHMINISTER ausmacht.

Thematisch beschäftigt sich das Album mit Dunkelheit, Identität, Überleben und der Frage, wie wir die Kontrolle über unser eigenes Leben übernehmen. Es geht darum, die Dämonen in uns anzuerkennen, anstatt so zu tun, als wären sie nicht da.

Diesmal veröffentlicht ihr das Album in Eigenregie. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Musikindustrie habe ich gelernt, wie wichtig mir künstlerische Freiheit ist. Das Musikgeschäft hat sich seit der Gründung von GOTHMINISTER im Jahr 1999 dramatisch verändert. Heute haben Künstler viel mehr Möglichkeiten, ihr Publikum direkt zu erreichen.

Ich war schon immer stark in alles eingebunden, was GOTHMINISTER betrifft – vom Songwriting und der Produktion über das Artwork und die Musikvideos bis hin zum visuellen Erscheinungsbild der Band. Deshalb fühlt sich der Schritt in die Unabhängigkeit wie eine natürliche Weiterentwicklung an.

Ich möchte die Freiheit haben, Musik zu veröffentlichen, wann immer ich will, mit neuen Ideen zu experimentieren und Entscheidungen zu treffen, ohne alles an den Zeitplan einer Plattenfirma anpassen zu müssen. Natürlich bedeutet das auch mehr Arbeit und Verantwortung, aber damit komme ich bestens zurecht. GOTHMINISTER war schon immer mein eigenes kreatives Universum.

GOTHMINISTER verbindet seit jeher Gothic-Düsternis mit theatralischen Elementen. Wie schaffst du es, diese Identität nach so vielen Jahren frisch zu halten?

Ich höre nie auf, neugierig zu sein. Ich erkunde ständig neue Sounds, Produktionstechniken und Möglichkeiten, die Musik visuell zu präsentieren. Ich habe absolut kein Interesse daran, immer wieder dasselbe Album zu machen. Gleichzeitig halte ich es für entscheidend, eine unverkennbare Identität zu bewahren. Man sollte einen GOTHMINISTER-Song sofort erkennen, selbst wenn wir mit neuen musikalischen Richtungen experimentieren.

Ich habe es schon immer geliebt, Elemente miteinander zu verbinden, die eigentlich nicht unbedingt zusammengehören: Heavy Metal, Industrial, elektronische Tanzmusik, Gothic-Horror und eingängige Popmelodien. Solange das Ergebnis düster, kraftvoll, theatralisch und unterhaltsam ist, passt es in das GOTHMINISTER-Universum. Und auch nach all den Jahren fasziniert mich die Welt der Horrorfilme und Monster noch genauso wie damals, als ich ein kleiner Junge war.

In deiner Musik beschäftigst du dich häufig mit den dunklen Seiten der Menschheit. Sind die Dämonen auf diesem Album eher Ausdruck persönlicher Kämpfe oder ein Spiegelbild der Gesellschaft?

Definitiv beides. Wir alle haben unsere persönlichen Dämonen. Sie können für Ängste, Wut, Trauer, Unsicherheit oder Erfahrungen stehen, die uns geprägt haben. Ich habe in meinem eigenen Leben sowohl wunderbare als auch schwierige Zeiten erlebt, und natürlich beeinflussen diese Erfahrungen mein Songwriting.

Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass die Welt um uns herum in vielerlei Hinsicht immer düsterer wird. Wir erleben Konflikte, Hass und Manipulation, und Menschen wenden sich zunehmend gegeneinander. Manchmal denke ich, dass die Monster aus Horrorfilmen viel sympathischer sind als die Monster, denen wir im echten Leben begegnen!

Das Spannende am Horror ist, dass wir uns durch Fantasie und Unterhaltung mit diesen dunklen Seiten der Menschheit auseinandersetzen können. Die Dämonen auf diesem Album stehen also sowohl für unsere inneren Kämpfe als auch für die dunklen Kräfte in der Gesellschaft.

Wie wichtig sind Horrorfilme, Gothic-Bildsprache und filmisches Storytelling für deinen Songwriting-Prozess?

Extrem wichtig! Horrorfilme faszinieren mich, seit ich ein kleines Kind bin. Tatsächlich schaue ich schon seit meinem achten Lebensjahr Horrorfilme – damals gemeinsam mit meiner Großmutter! Für mich ging es bei GOTHMINISTER noch nie ausschließlich um Musik. Es geht darum, ein ganzes Universum zu erschaffen, in dem Musik, Horror, theatralische Inszenierungen und Geschichten zu einem gemeinsamen Erlebnis verschmelzen.

Wenn ich Songs schreibe, habe ich oft Szenen, Figuren und Geschichten vor Augen. Manchmal fühlt es sich beinahe so an, als würde ich den Soundtrack zu einem Horrorfilm komponieren, den es noch gar nicht gibt. Wir haben sogar unseren eigenen 26-minütigen Horror-Musicalfilm „We Come Alive – The Pandemonium Saga“ produziert, der bereits 34 internationale Filmpreise gewonnen hat.

Dieses Projekt war besonders aufregend, weil ich dadurch meine Leidenschaft für Musik, Filmemachen und düsteres Storytelling in einem viel größeren Rahmen miteinander verbinden konnte. Ich sehe GOTHMINISTER definitiv als eine Mischung aus Metalband und reisendem Horrortheater.

Eure Musik und eure visuelle Präsentation gehören untrennbar zusammen. Bist du bei Artwork, Videos und Bühnenshow für dieses Album anders vorgegangen?

Ich bin immer ambitionierter geworden, wenn es um die visuelle Seite von GOTHMINISTER geht. Für dieses Album habe ich verschiedene Videokonzepte entwickelt, die von Gothic-Horrorgeschichten bis hin zu surrealen und völlig bizarren Szenarien reichen.

Besonders viel Spaß macht es mir, düstere, verstörende Bilder mit energiegeladener, eingängiger Musik zu kombinieren. Manchmal ist das Ergebnis beängstigend, manchmal humorvoll und manchmal einfach völlig verrückt! Entscheidend ist, dass die visuellen Elemente die Musik unterstützen und das GOTHMINISTER-Universum erweitern.

Ich überlege auch ständig, wie sich diese Elemente auf die Live-Bühne übertragen lassen. Musikvideos und Konzerte sollen sich wie unterschiedliche Teile derselben düsteren Welt anfühlen.

GOTHMINISTER hat sich live einen hervorragenden Ruf erspielt. Dürfen sich die Fans auf neue Elemente oder Überraschungen freuen, wenn die Songs von „We Are All Demons“ auf die Bühne kommen?

Auf jeden Fall! Bei unseren Live-Auftritten erwacht das GOTHMINISTER-Universum erst so richtig zum Leben. Wir haben schon immer viel Aufwand in unsere theatralischen Shows gesteckt – mit Kostümen, Horrorfiguren, visuellen Effekten und einer kraftvollen Atmosphäre. Mit dem neuen Material bringen wir noch mehr energiegeladene Songs an den Start, die meiner Meinung nach live hervorragend funktionieren werden.

Außerdem arbeiten wir an neuen visuellen Elementen und Bühnenkonzepten, darunter umfangreiche Videoprojektionen und theatralische Überraschungen. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, denn ein Teil des Spaßes besteht schließlich darin, das Publikum zu überraschen! Ich kann aber versprechen, dass wir mit zunehmendem Alter keineswegs weniger theatralisch werden wollen. Ganz im Gegenteil!

Wir freuen uns auch darauf, die neue Show im April 2027 dem Publikum in ganz Europa zu präsentieren. Anschließend stehen Auftritte in den USA und Lateinamerika auf dem Plan.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten mit GOTHMINISTER: Was begeistert dich am Musikmachen immer noch am meisten und welchen Herausforderungen möchtest du dich als Nächstes stellen?

Am aufregendsten ist für mich nach wie vor dieser magische Moment, in dem ein neuer Song langsam Gestalt annimmt. Manchmal sitze ich mit einem einfachen Riff, einer Melodie oder einem Beat im Studio, und plötzlich passiert etwas. Auf einmal entsteht ein völlig neuer Song, und ich spüre dieselbe Begeisterung wie damals, als ich vor vielen Jahren angefangen habe, Musik zu machen.

Das ist es, was mich antreibt. Ich habe kein Interesse daran, einfach nur vergangene Erfolge zu wiederholen. Ich möchte weiterhin kreativ sein, experimentieren und sowohl mich selbst als auch das Publikum überraschen. In Zukunft möchte ich GOTHMINISTER international noch weiter voranbringen, ambitioniertere Musikvideos produzieren und unsere Live-Auftritte zu einem noch spektakuläreren Erlebnis machen.

Wir haben bereits viel erreicht, aber ich habe keineswegs das Gefühl, dass ich am Ende angekommen bin. Ganz im Gegenteil: Ich glaube, dass noch viele aufregende Kapitel vor uns liegen. Und wer weiß? Vielleicht sind die verrücktesten GOTHMINISTER-Ideen noch gar nicht geboren!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Die letzten Worte gehören dir! 🙂

Vielen Dank für das Interview! Und ein riesiges Dankeschön an alle unsere deutschen Fans, die GOTHMINISTER über all die Jahre unterstützt haben! Deutschland war für uns schon immer unglaublich wichtig, und wir können es kaum erwarten, zurückzukehren und unsere neuen Dämonen auf die Bühne zu bringen!

Hört euch unser neues Album „We Are All Demons“ an, dreht die Lautstärke auf, nehmt eure dunkle Seite an und denkt daran: WE ARE ALL DEMONS! Aber macht etwas Positives daraus und verwandelt eure Dämonen in eure Stärke, anstatt ihnen einfach nur zu entfliehen.

Quelle: Mail-Interview mit Gothminister
20.10.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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