Municipal Waste
Schleim und Sühne

Interview

MUNICIPAL WASTE sind seit ihrer Gründung eine Konstante im Bereich des Crossover-Thrash. Noch kein Album der Amis hat bislang enttäuscht und auch mit „Slime And Punishment“, dem ersten Album seit der 2012er Platte „The Fatal Feast“, werden Fans der Band rundum glücklich. Deshalb war es höchste Eisenbahn, mal wieder bei Frontmann Tony Foresta durchzuklingeln. Der ist trotz schlechtem Wetter gut gelaunt und spricht offen über die Umstände, unter denen die neue Platte entstanden ist.

Hey Tony, wie fühlst du dich heute so?

Tony: Ich fühl mich gut. Es ist alles in Ordnung so weit. Das Wetter ist heute ziemlich beschissen, aber das geht schon klar.

Ihr habt mit MUNICIPAL WASTE ein neues Album in den Startlöchern, „Slime And Punishment“. Allerdings sind seit „The Fatal Feast“ satte fünf Jahre vergangen. Was habt ihr in der Zwischenzeit so getrieben?

Tony: Oh, also wie haben mit „The Fatal Feast“ knapp zwei Jahre getourt. Danach haben wir uns dazu entschlossen, etwas kürzer zu treten. Wir wollten Mal ein wenig in anderen Bands spielen und verschiedenen Projekte verfolgen. Trotzdem haben wir immer noch ab und zu Shows mit MUNICIPAL WASTE gespielt. Die letzten drei Jahre haben wir aber eher gechillt und langsam damit angefangen ein neues Album zu schreiben. Letztes Jahr haben wir angefangen, die Sache ernster zu nehmen und schneller neue Songs zu schreiben. Und das ist jetzt dabei rumgekommen, wir haben endlich ein neues Album!

2017 haben MUNICIPAL WASTE und dein Nebenprojekt IRON REAGAN erstmalig eine Platte im gleichen Jahr veröffentlicht. Wie hast du es hinbekommen, beide Aufnahmesessions zu bestreiten?

Tony: Das WASTE-Album hat, glaube ich, etwas länger gebraucht und lief nach dem Motto „Es ist fertig, wenn es fertig ist“. Das Timing hat einfach gut gepasst, sodass wir das IRON-REAGAN-Album früher im Jahr veröffentlichen konnten und die MUNICIPAL-WASTE-Platte dann im Sommer. Zum Glück sind sie nicht im gleichen Monat erschienen. Das wäre schlecht gewesen, hehe! Alles hat sich zu unseren Gunsten gewendet.

Sind Nebenprojekte wie IRON REAGAN oder auch Ryan’s BAT ein Grund dafür, dass ihr so lange für ein neues Album gebraucht habt?

Tony: Nein, wir hatten tatsächlich schon längst ein Album geschrieben, das wir in den Müll geschmissen haben. Es war einfach nicht gut genug. Wir mochten es einfach nicht. Aber es waren nicht die Nebenprojekte, die zur Verzögerung geführt haben. Wir hatten Nebenprojekte seit der Gründung von MUNICIPAL WASTE. Das hat sich aber nie negativ auf die Band ausgewirkt. Ich denke, es hat einfach „Klick“ bei uns gemacht. Wir sind jetzt seit über zehn Jahren als Band zusammen. Da braucht man einfach mal eine Pause von den anderen. Ich denke auch, dass wir uns diese Pause verdient hatten.

Das neue Album trägt den Titel „Slime And Punishment“. Was hat es damit auf sich?

Tony: Es ist eine Anspielung auf das Buch „Crime And Punishment“, welches du hoffentlich kennst. Außerdem ist es ein Song auf dem Album. Wir fanden, dass der Song stark genug ist, um als Titelstück für die Platte herzuhalten. Es passt perfekt zu MUNICIPAL WASTE und unserem Album-Comeback.

Viele eurer Artworks in der Vergangenheit erinnerten mich an Horror- und Splatterfilme. „Slime And Punishment“ hingegen hat ein eher düsteres Cover, das weniger cartoonartig ist. Wie kam es dazu, dass ihr von eurem typischen visuellen Stil abgewichen seid?

Tony: Ah, bislang hat mir noch keiner gesagt, dass es düsterer wirke. Ich denke es hat eine ähnliche Ästhetik wie unsere anderen Album. Vielleicht ist es wirklich etwas düsterer, oder zumindest erwachsener. Die Band ist schließlich auch erwachsener geworden. In den letzten fünf Jahren haben wir eine Menge erlebt. Es war auf jeden Fall nichts, was wir absichtlich gemacht haben. Es ist einfach ein Ergebnis dessen, wo wir jetzt als Band stehen.

Ihr habt die Aufnahmen diesmal selbst in die Hand genommen. Euer Gitarrist Phil Hall übernahm den Posten des Toningenieurs. Warum habt ihr nicht auf ein professionelles Studio zurückgegriffen?

Tony: Wenn wir fünf Jahre in einem professionellem Studio verbracht hätten, hätten wir jetzt wahrscheinlich eine Menge Schulden, hehe. Es war einfach kosteneffizienter so. Wenn man jemanden in der Band hat, der sowas kann, dann wäre es Geldverschwendung, die Zeit in einem Studio zu verbringen. Damit schmeißt du nur Geld weg. Außerdem sind wir einfach eine DIY-Band. Wir buchen unsere Touren selbst und kümmern uns selbst um unser Merchandise. Also warum sollten wir uns nicht auch selbst aufnehmen?

Ich finde außerdem, dass der Sound des neuen Albums sehr roh ist verglichen mit „The Fatal Feast“. Ist das ein Ergebnis eurer neuen Arbeitsweise?

Tony: Mit der Entscheidung, das Album selbst aufzunehmen, konnten wir auch sicher stellen, dass es am Ende genauso klingen würde, wie wir es haben wollen. Es sollte mehr einen Live-Sound haben, weil die Leute unsere Live-Shows am meisten mögen. Außerdem hatten wir immer noch Bill Metoyer an Bord, der Mix und Mastering übernahm. Dadurch haben wir einen sehr klassischen Sound bekommen. Es haben also viele Faktoren zu dem rohen Punk-Metal-Sound beigetragen, den wir haben wollten.

Ich denke, dass ist euch wirklich gelungen, denn „Slime And Punishment“ fängt die Power eurer Live-Shows gut ein.

Tony: Vielen Dank, das war genau unser Ziel! Ich wollte immer, dass die Band auch im Studio so klingt, wie bei unseren Auftritten. Wir sind definitiv eine Live-Band!

Außerdem habt ihr mittlerweile einen zweiten Gitarristen in der Band, Nick Poulos. Inwieweit hat das die Songs auf „Slime And Punishment“ beeinflusst?

Tony: Nick hatte durch verschiedene Bands schon Erfahrung als Thrash-Gitarrist. Wir kennen ihn auch schon verdammt lange. Es war uns wichtig, keinen Fremden in die Band zu holen, sondern einen Freund. Ihn an Bord zu haben hat uns definitiv geholfen. Denn mit mehr coolen Leuten macht der Schreibprozess umso mehr Spaß!

Warum habt ihr euch nach so vielen Jahren überhaupt dazu entschlossen einen zweiten Gitarristen in die Band zu holen?

Tony: Ich glaube tief in unserem Inneren wollten wir schon immer einen zweiten Gitarristen. Wir hatten nur nie die Zeit einen neuen Gitarristen einzuarbeiten. Außerdem waren wir sehr penibel bei der Frage, wer es sein könnte. Wir wollten auf alle Fälle die richtige Person dafür. Es hat sich einfach zum richtigen Zeitpunkt ergeben. Das ist auch ein Grund, warum wir für die neue Platte so lange gebraucht haben. Schließlich mussten wir ihm die alten Songs beibringen und gleichzeitig an neuem Material arbeiten.

Wie habt ihr Vinnie Stigma von AGNOSTIC FRONT dazu bekommen, den Cop in „Parole Violators“ zu sprechen?

Tony: Oh, also wir waren mit AGNOSTIC FRONT und SUICIDAL TENDENCIES in Europa auf Tour. Vinnie hat so eine einprägsame Stimme, da dachten wir es wäre cool, wenn er den Cop spielen würde. Das letzte was irgendwer erwartet ist, dass Vinnie Stigma einen Polizisten auf unserem Album spielt. Es hat der Platte eine humorvolle Note gegeben.

Um noch auf einen anderen Song zu sprechen zu kommen. Was ist die Bedeutung hinter „Bourbon Discipline“?

Tony: Oh man, das hab ich glatt vergessen. Ich glaube es war einfach eine Anspielung auf den BIO-HAZARD-Song „Urban Discipline“. So was in der Art. Es geht auf jeden Fall um Alkohol und ein absurdes Ausmaß an Gewalt.

Okay, ein weiterer Titel, der für mich heraussticht ist „Shrednecks“. Tatsächlich gibt es eine deutsche Band „Shredhammer“, die ihre Fans so bezeichnet. Aber was sind denn „Shrednecks“ für euch?

Tony: Es ist eine Anspielung auf Rednecks. Wir stammen aus dem Süden der USA und viele Leute bezeichnen uns als Rednecks. Aber wir sind die Thrash-Metal-Version davon und deshalb „Shrednecks“!

MUNICIPAL WASTE waren immer schon eine sehr politische Band. Was ist wichtiger für euch, die Message oder die Musik?

Tony: Natürlich ist beides für uns als Band sehr wichtig. Auch wenn wir bei der Message gerne alles etwas überzeichnen. Wir wollen immer noch Spaß verbreiten und man sollte sich selbst auch nicht immer bierernst nehmen. Du musst dich mal zurücklehnen und die Sau raus lassen. Also ich denke, die Message ist am Ende doch das Wichtigste.

23.06.2017

"Irgendeiner wartet immer."

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