Space Of Variations
"Dieses Album gilt als Überlebensstrategie - zwischen Trauma und Energie"

Interview

Wir haben mit SPACE OF VARIATIONS über ihr neues Album „POISONED ART“, Trauma, Selbsttherapie durch Musik, Sound-Entwicklung und Live-Energie gesprochen.

Hey und willkommen bei metal.de. Wir sitzen heute mit SPACE OF VARIATIONS im Colos-Saal in Aschaffenburg. Ihr seid aktuell als Support für DYMYTRY PARADOX unterwegs – wie läuft die Tour bisher?

Insgesamt sehr gut. Die Stimmung ist entspannt, die Atmosphäre locker – kein Stress, einfach gute Vibes. Was uns überrascht hat, waren die vielen freien Tage zwischen den Shows. Teilweise lagen fünf Tage zwischen zwei Konzerten. Logistisch ist das für uns nicht immer ideal, aber wir verstehen die Situation. Trotzdem: Die Shows selbst waren stark, das Publikum großartig – und in Deutschland zu spielen ist für uns immer etwas Besonderes. Die Szene hier ist riesig, leidenschaftlich und unglaublich wichtig für Heavy Music in Europa.

Heute erscheint euer neues Album „POISONED ART„. Wie fühlt sich der Release-Tag an?

Es ist eine Mischung aus Erleichterung, Nervosität und Stolz. Wir haben lange an diesem Album gearbeitet – unter schwierigen Umständen. Wenn man so viel Energie investiert, wartet man natürlich gespannt darauf, wie die Menschen darauf reagieren. Gleichzeitig fühlt es sich wie ein Abschluss an. Man arbeitet monatelang auf diesen einen Punkt hin – und plötzlich ist er da.

Für uns war dieses Album auch technisch ein Meilenstein. Zum ersten Mal lag die komplette Produktion – Mixing und Mastering – in unseren eigenen Händen. Das war ein enormer Schritt. Als wir das fertige Vinyl und die CDs in den Händen hielten und alles genauso klang, wie wir es uns vorgestellt hatten, war das ein echtes Erfolgserlebnis.

Der Titel „POISONED ART“ ist stark und provokant. Was steckt dahinter?

Der Titel ist gleichzeitig abstrakt und sehr real. Dieses Album entstand in einer der dunkelsten Phasen unseres Lebens – Krieg in unserem Land, persönliche Belastungen, Unsicherheit. All das fließt zwangsläufig in unsere Musik ein. Unsere Kunst ist ein Teil von uns – und wenn wir innerlich „vergiftet“ sind von traumatischen Erfahrungen, dann färbt das auch die Kunst.

Es geht nicht um Provokation, sondern um Ehrlichkeit. Traumatische Erlebnisse hinterlassen Risse – und diese Risse ziehen sich durch alles, was man erschafft. „POISONED ART“ ist genau das: Kunst, die unter extremen emotionalen Bedingungen entstanden ist.

Ist das Album eher Protest, Reaktion oder Überlebensstrategie?

Überlebensstrategie trifft es am besten. Musik ist für uns ein Weg, Erlebnisse zu verarbeiten. Dinge, die man im Alltag vielleicht nicht aussprechen kann, lassen sich in Lyrics und Sound kanalisieren. In diesem Sinne ist das Album eine Form von Selbsttherapie – und vielleicht auch für die Hörer.

Klanglich wirkt das Album sehr fokussiert. Wann wusstet ihr, wie es klingen soll?

Es gab keinen klaren Moment. Aber dieses Mal hatten wir mehr Kontrolle über den Sound als je zuvor. Früher haben wir mit Produzenten gearbeitet, jetzt lag alles bei uns. Dadurch konnten wir genau die Details umsetzen, die wir im Kopf hatten – vom Gitarrensound bis zu den Drum-Transienten.

Das verändert auch das Songwriting. Wenn man beim Komponieren schon fast den finalen Klang hört, denkt man anders. Es ist wie Malen mit Öl statt mit Wasserfarben – das Ergebnis wirkt anders, selbst wenn die Motive gleich bleiben.

Space Of Variations - Poisoned Art

Welche Songs repräsentieren den Kern von „POISONED ART“?

„DOPPELGÄNGER“ und „TRIBE“. Beide transportieren emotional genau das, wofür dieses Album steht. Warum genau, lässt sich schwer erklären – aber sie fühlen sich für uns besonders an.

War der Aufnahmeprozess belastend?

Für uns beide auf unterschiedliche Weise. Der kreative Prozess ist intensiv – man sucht ständig nach diesem Moment, in dem ein Part Gänsehaut erzeugt. Davor stehen Zweifel, Stress, Frustration. Aber wenn dieser Moment kommt, lohnt sich alles.

Natürlich gab es auch technische Hürden – teilweise wurde das Album auf einem alten Laptop produziert. Kein High-End-Setup, sondern Improvisation. Aber genau das zeigt: Wenn man an etwas glaubt, findet man einen Weg.

Das Album wirkt stellenweise hoffnungslos. War das beabsichtigt?

Es ist ehrlich. Die Zeit, in der das Album entstand, war dunkel – und das hört man. Es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer, aber er ist nicht dominant. Gleichzeitig liegt in der Offenheit eine Art Akzeptanz. Wenn man seine Dunkelheit ausspricht, verliert sie ein Stück ihrer Macht. Vielleicht hilft das auch anderen, die ähnliche Phasen durchleben.

Was sollen Menschen fühlen, wenn sie euch live erleben?

Energie. Intensive, ehrliche Energie. Unsere Shows sind ein Austausch. Menschen kommen mit ihren eigenen Dämonen – und gehen erleichtert. Metal wirkt nach außen aggressiv, aber in Wahrheit ist es Ventil und Befreiung. Diese Energie ist echt, nicht kalkuliert. Und wir hören oft, dass genau das spürbar ist.

Was wäre für euch persönlicher Erfolg mit diesem Album?

Wenn unsere Musik jemandem durch eine schwere Phase hilft. Wenn jemand nach einer Show sagt: „Das hat mir wirklich etwas bedeutet.“ Zahlen sind eine Sache – aber echte Verbindung ist das, was bleibt. In solchen Momenten erinnern wir uns, warum wir überhaupt angefangen haben.

Vielen Dank für eure Zeit.

Galerie mit 13 Bildern: Space Of Variations – Euroblast 2021
16.02.2026

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