Summoning
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Interview

Mit dem hervorragenden "Let Mortal Heroes Sing Your Fame" ist es Summoning gelungen, die Qualitäten ihrer älteren und neueren Veröffentlichungen zu vereinen. Grund genug, bei Protector und Silenius nach Entstehungsgeschichte und Hintergründen ihres neuesten Werks nachzufragen. Zudem bietet die filmische Umsetzung des ersten Teils vom Herrn der Ringe, "Die Gefährten", einen mehr als ausreichenden Anlass, die diesbezügliche Meinung der beiden anerkannten Tolkien-Fachmetaller zu erfahren.

Nachdem „Let Mortal Heroes Sing Your Fame“ nun schon ein paar Tage auf dem Buckel hat, wie beurteilt ihr es rückblickend?

Protector: Ich bin mit der neuesten Veröffentlichung sehr zufrieden. Alles ist so geworden wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Nummern sind wieder vielschichtiger, keyboardorientierter und hymnenhafter geworden; und die Schlagzeugsounds wieder lauter und mächtiger; genau das was wir wollten.

Auf „Farewell“ macht ihr erstmals von bombastischen Chorgesängen Gebrauch. Wie habt ihr das umgesetzt?

Protector: Wir haben diesen Chor beide zusammen eingesungen, wobei wir jeweils die Melodie zweimal in verschiedener Oktavlage eingesungen haben. Zum Schluss habe ich mich noch bemüht, die richtigen Einstellungen für das Choruseffektgerät zu finden, um den unseren Gesang den Anschein zu verleihen als hätten noch mehr Leute gesungen.

Ich habe Reviews gelesen, in denen euch aufgrund der thematischen Gebundenheit Stagnation vorgeworfen wurde. Ist Tolkien ausgereizt bzw. ausreizbar? Wie seht ihr in diesem Zusammenhang die Zukunft von Summoning?

Protector: Summoning wird sicher lange das Tolkien-Konzept von Mittelerde beibehalten; wenngleich wir wie auf „Let Mortal Heroes Sing Your Fame“ sicher wieder Texte von anderen Autoren als Tolkien vorkommen werden.

Silenius: Wir haben aber schon auf dem letzten Album „Stronghold“ auf Texte anderer Autoren zurückgegriffen; im damaligen Fall Gedichte altenglischer Sagen. Diesmal wurden neben Tolkientexten auch Textauszüge von Michael Moorcock aus seiner Elric Saga verwendet. Wir haben auf unseren ersten Alben daran gedacht Texte zu schreiben, und auch getan; haben aber mit der Zeit die Lust daran verloren.

Was haltet ihr von dem auf einigen Alben befindlichen Sticker „Tribut to Tolkien’s Lord of the Rings“?

Protector: Die Idee des Stickers war nicht unsere, sondern „Napalm Records“ Idee. Mir ist der Sticker total egal; er stört mich weder, noch finde ich ihn genial. Ich verstehe auch überhaupt nicht die Aufregung, die dieses harmlose Stück Papier bei manchen Fans ausgelöst hat. Es ist ja nur auf der Verpackung darauf und lässt sich spielend entfernen; und hat nichts an der Musik von Summoning verändert. Die Macht die dieser kleine Sticker zu haben scheint, erinnert mich ein wenig an die Macht des Ringes von „Herr der Ringe“; so klein und doch so böse 🙂 Zum Glück muss der Sticker aber nicht erst nach Mordor gebracht werden um für immer und ewig entfernt zu werden.

Wie seht ihr die musikalische und lyrische Entwicklung von „Lugburz“ hin zu „Let Mortal Heroes…“?

Protector: Auf unserer ersten CD „Lugburz“ wollten wir uns einfach nur musikalisch austoben und ohne viel Nachdenken unsere ersten Black Metal-Versuche ausleben. Auf Struktur und Stimmung haben wir dabei nicht sonderlich viel Wert gelegt, und der Gedanke an einen möglichen Plattenvertrag war kaum vorhanden.

Auf „Minas Morgul“ konnten wir endlich die Freiheiten genießen, die uns der Rauswurf unseres Schlagzeugers Trifixion gebracht hatte. Wir konnten uns erstmals musikalisch wirklich ausleben, uns von den bisherigen Black Metal- und Rock-Schemen befreien und daher Stimmungen von weiten Fantasy-Landschaften und Welten erzeugen.

„Dol Guldur“ sehen wir heute als eine Kopie von „Minas Morgul“ an. Es ist zwar jene CD die bei den alten Fans am besten ankommt, wir hingegen ziehen „Minas Morgul“ „Dol Guldur“ auf jeden Fall vor.

Bei „Nightshade Forest“ hingegen störte uns recht bald der sehr schwache und ausdruckslose Gitarrensound.

Mit „Stronghold“ wollten wir uns wieder etwas mehr auf die Gitarren besinnen und ihnen mehr Wichtigkeit verleihen. Ich begann mir komplexere und informationshaltigere Riffs auszudenken, die Großteils der Zeit eine wichtigere Rolle als die Keyboards spielten. Als Nebeneffekt wurde allerdings die Mehrstimmigkeit des Keyboards reduziert.

„Let Mortal Heroes Sing Your Fame“ vereinigt die Stärken der alten polyphoneren keyboard-lastigeren CDs mit dem komplexeren Gitarrenstil von Stronghold. Außerdem haben wir wieder mehr die Keyboard Drumsounds (vor allem die Tom Toms) betont, um so wieder mehr weg vom rockigen hin zum epischen, schleppenden zu gelangen.

Weshalb verfasst ihr eure Texte eigentlich in Englisch? Die eigene Sprache ermöglicht doch in der Regel wesentlich flexiblere Ausdrucksmöglichkeiten, zudem denke ich, dass deutsche Texte sehr gut zu eurer Musik passen würden.

Protector: 90% aller Musik die ich höre ist in Englischer Sprache. Diese Sprache ist für mich einfach selbstverständlich für moderne Musik. Außerdem sehen wir uns nicht als Dichter (denn wir verwenden ja nur die Texte von Tolkien und schreiben keine selber), weshalb ich finde, dass deutsche Texte die Aufmerksamkeit zu sehr auf die textliche Seite von Summoning (und weg von der musikalischen Seite) lenken würden. Außerdem finde ich es für den großen Teil der nicht-deutschsprachigen Summoning-Fans nicht fair, eine Sprache zu benutzten, die sie nicht verstehen können.

Silenius: Die Englische Sprache eignet sich einfach viel besser zum singen, da der Sprachfluss viel einfacher und flüssiger rüberkommt. Schon alleine deswegen weil die meisten Worte mit einem Vokal enden und nicht wie die Deutschen Wörter mit Konsonanten.

Inwieweit werdet ihr von der alpenländischen Natur inspiriert? Was zählt in diesem Zusammenhang der Begriff „Heimat“?

Protector: Mir ist der Begriff Heimat überhaupt nicht wichtig. Ich sehe nicht ein, warum ein Land, dass sich innerhalb von einer Grenze (welche von Politiker vor langer Zeit gezogen wurde) befindet, für mich mehr Stellenwert haben sollte als das Land hinter dieser Grenze. Einen Bayer verstehe ich z.B. besser als einen Vorarlberger (Westlichster Teil von Österreich); warum sollte ich dann Vorarlberg mehr zu meiner Heimat zählen als zum Beispiel Bayern? Ich war auch fast nie in den Alpen; warum sollten sie dann meine Heimat sein?

Als einzige Form eines Heimatbegriffs kann ich mir eine musikalische Heimat vorstellen (welche für mich Metal und düstere Elektromusik bedeuten würde). Da aber ein Großteil meiner bevorzugten Bands nicht aus Österreich kommt, kann ich in keinem Punkt sagen dass ich von Österreichischer Heimat inspiriert bin.

Silenius: Da Tolkiens Roman einerseits sehr von Nordischer Mythologie inspiriert ist, andererseits von Altenglischen Dichtungen und Sagen, und weil da ganze Mittelerdekonzept gleichsam auf einer Parallel-Entstehungsgeschichte Englands basiert, sind sämtliche kulturellen und ökologischen Ähnlichkeiten mit einer europäischen, mythologischen Kultur gleichzusetzen. Das bedeutet, dass man sich zum Beispiel Landschaften seiner Romane so vorzustellen hat, wie man sie von unseren Breitengraden (also auch in Österreich) vorfindet und nicht etwa Urwälder aus Brasilien.

Live-Aktivitäten sind vermutlich nach wie vor keine geplant, oder? Könntet ihr euch eine passende Live-Umsetzung der letzten beiden Alben vorstellen, die ja doch über einen recht bombastischen Sound verfügen?

Protector: Dass wir nicht live spielen hat zwei Gründe. Erstens finden wir dass die Musik von Summoning sich nicht für Live-Aufführungen eignet, da der Anblick von zwei schwitzenden, normalsterblichen Menschen auf der Bühne alle Illusionen einer Fantasywelt voller Orcs und Elben verstören würde. Außerdem bevorzugen wir unsere knappe Zeit damit zu nützen, Musik zu machen, anstatt für Live-Auftritte zu proben. Immer nachdem wir eine CD fertig gestellt haben, stellen wir unsere Instrumente weg und spielen die Riffs nie wieder; es besteht auch kein Grund dazu, da ja alles auf der CD zu hören ist. Würden wir einen Live Auftritt planen müssten wir alle bisherigen Summoning-Riffs wieder völlig neu Einstudieren, was Ewigkeiten dauern würde.

Wie könnte ein (hypothetisches) Summoning-Konzert aussehen, was wäre der ideale Rahmen dafür?

Protector: Da wir noch nie vorhatten ein Summoning-Live-Konzert zu geben, haben wir uns auch nie darüber den Kopf zerbrochen und können diese Frage daher nicht beantworten.

Habt ihr euch den ersten Teil der „Der Herr der Ringe“-Verfilmung angeschaut? Da ihr ja anerkannte Tolkien-Experten seid, wie steht ihr zu dem Film und dem Soundtrack?

Silenius: Bevor ich den Film gesehen habe war ich doch noch etwas skeptisch, obwohl die Trailer Großes vermuten ließen. Im Endeffekt war ich dann aber doch restlos begeistert von der filmischen Umsetzung; ich glaube man kann es nicht besser machen. Allen Nörglern und i-Punktreitern, welche mangelnde Detailtreue kritisieren, sei gesagt, dass es von vornherein eh klar war dass an manchen Stellen getrickst werden musste, um die epische Bandbreite umzusetzen. Einzig enttäuscht bin ich vom Soundtrack, der trotz Bombast doch recht langweilig herüberkommt.

Denkt ihr, dass eine Verfilmung mit einem geringeren Budget, d.h. also keine Hollywood-Produktion, in der Lage gewesen wäre, die Geschichte adäquat umzusetzen? Ich denke dabei in erster Linie an Special Effekts und optische Darstellungen, also Landschaften, Masken usw.

Silenius: „Der Herr der Ringe“ wäre mit geringen finanziellen Mitten sicher nicht vernünftig verfilmbar!

Eure anderen Projekte, also Ice Ages und Die verbannten Kinder Evas auf der einen sowie Kreuzweg Ost und Amestigon auf der anderen Seite, unterscheiden sich doch recht massiv voneinander. Wie findet ihr noch einen gemeinsamen Nenner für Summoning, die, so meine ich mich an ein früheres Interview zu erinnern, keine Priorität für euch besitzen?

Protector: Sobald ich mit einem meiner Projekte beginne, schließe ich die anderen geistig total ab, und konzentriere mich nur noch auf das eine Projekt. Für mich ist diese Abschließen und Neuanfangen eines Projektes sehr wichtig um die Begeisterung für alle meine Projekte zu erhalten; sie bleiben dadurch für mich immer etwas neues und bringen Abwechslung in meine musikalische Tätigkeit.

Was kann man in näherer Zukunft von euch erwarten?

Protector: Es ist wirklich noch zu früh, um sich über die Zukunft von Summoning Gedanken zu machen. Vorerst sind wir einfach froh über unsere neue CD und konzentrieren uns auf Interviews und Fanbriefe. Erst nach längerer Zeit werden wir anfangen und über zukünftige Summoning-Songs den Kopf zu verbrechen.

Wird von „Mirkwood“ noch mal etwas zu hören sein?

Silenius: Von Mirkwood gibt es 4 alte Instrumental-Demosongs, die aber nie auf CD Veröffentlicht werden, da ich dieses Projekt abgeschlossen habe. Möglicherweise werden wir diese Nummern aber als Mp3s ins Internet stellen; für all jene die interessiert sind.

10.07.2002
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