Temperance
"Es gehört gewissermaßen zur DNA von TEMPERANCE, unterschiedliche Elemente miteinander zu verbinden."
Interview
TEMPERANCE haben ihr neues Album „Arcani“ fertiggestellt und können damit an die Qualität und hoffentlich auch an den Erfolg von „Hermitage – Daruma’s Eyes Pt. 2“ anknüpfen. Wir sprachen aus diesem Anlass mit Bandkopf Marco Pastorino über die Platte, die Bedeutung der einzelnen Tarotkarten, um die sich das Album dreht und ordnen die Musik der Italiener im Metal-Oper-Kontext ein.
Wie würdest du die Grundidee hinter „Arcani“ beschreiben und was bedeutet der Albumtitel für dich?
Als wir mit der Arbeit am neuen Album begonnen haben, haben Kristin [Starkey, Vocals; Anm. d. Red.] und ich uns ein wenig über die mögliche lyrische Ausrichtung unterhalten. Tatsächlich war es Kristin, die das Thema „Arcani“ vorgeschlagen hat. Für eine Band namens TEMPERANCE ist es schon ziemlich ungewöhnlich, dass wir uns bisher nie mit der Welt der Karten beschäftigt haben, schließlich ist „Temperance“ eine der wichtigsten Tarotkarten. Ich finde, Kristin hatte da eine brillante Idee.
„Arcani“ verbindet kraftvolle Metal-Elemente mit atmosphärischen und melodischen Passagen. Wie habt ihr die richtige Balance zwischen diesen unterschiedlichen Facetten von TEMPERANCE gefunden?
Es gehört gewissermaßen zur DNA von TEMPERANCE, unterschiedliche Elemente miteinander zu verbinden. Dabei mischen wir sogar verschiedene Musikrichtungen. Auch auf diesem Album findest du natürlich symphonische Elemente, aber ebenso Power Metal, Rock, Pop und dramatische Passagen, die sich irgendwo zwischen Oper und Soundtrack bewegen. Ich denke, genau das macht unsere Musik so besonders und unseren Sound einzigartig.
Gab es beim Songwriting und bei den Aufnahmen zu „Arcani“ wesentliche Unterschiede zu euren vorherigen Alben?
Beim Songwriting ist eigentlich alles wie immer. Ich ziehe mich normalerweise in mein Studio zurück, sobald ich genügend gutes Material gesammelt habe, und beginne dann, an den Details zu arbeiten. Ein großer Unterschied zu den vorherigen Alben war allerdings, dass Kristin, Michele [Guatioli, Vocals; Anm. d. Red.] und ich einige Tage gemeinsam im Studio verbracht haben, um sämtliche Gesangsspuren aufzunehmen. Wir hatten unglaublich viel Spaß dabei, alle zusammen an den Vocals zu arbeiten und immer wieder neu zu entscheiden, wer welchen Part übernehmen sollte.
Mehrere Songs auf dem Album beschäftigen sich mit geheimnisvollen, emotionalen und introspektiven Themen. Welche Bedeutung hat das Geschichtenerzählen für TEMPERANCE, wenn ihr neues Material schreibt?
Eine extrem große! Gerade für die Inspiration, überhaupt mit dem Schreiben anzufangen, ist es unglaublich wichtig. Wir haben uns schon immer von den unterschiedlichsten Dingen inspirieren lassen, von Büchern über Filme bis hin zu unseren eigenen Leben. Gerade Letzteres spielt eine große Rolle. Schon in den ersten Tagen der Arbeit an „Arcani“ hatte ich das Gefühl, dass das Album noch persönlicher werden würde.
Diese persönlichen Einflüsse gehören zwar schon immer zu den typischen Merkmalen von TEMPERANCE, aber in den vergangenen Jahren haben wir unglaublich viel erlebt. Unsere Musik spiegelt deshalb auch wider, wer wir sind und was wir durchgemacht haben.
Wie tragen die unterschiedlichen Gesangsstile auf „Arcani“ zur Atmosphäre und zum Charakter der einzelnen Songs bei?
Wenn ich einen neuen TEMPERANCE-Song schreibe, habe ich normalerweise ziemlich genau im Kopf, wer ihn singen soll und wie der Gesang klingen muss. Bei kraftvollen symphonischen Hymnen, aber auch bei härteren Metal-Passagen, ist Kristin definitiv die richtige Wahl. Wenn wir dramatischen und theatralischen Gesang brauchen, ist Michele gefragt. Wenn es rockiger werden soll und wir mehr Soul- oder AOR-Einflüsse einbringen möchten, übernehme normalerweise ich den Gesang.
Wir sind aber jederzeit bereit, unsere Pläne zu ändern und Dinge anders anzugehen. Bei einem Song wie „Lean Into Fear“ kann man den Gesang beispielsweise nur Kristin überlassen.
Gab es einen Song auf „Arcani“, dessen Entstehung besonders herausfordernd oder spannend für euch war?
Emotional war „Alla Ricerca Dell’America“ etwas ganz Besonderes. Es ist die Midtempo-Ballade des Albums, die viele unterschiedliche Stimmungen und Einflüsse vereint. Außerdem hat der Song für Kristin eine sehr persönliche Bedeutung.
Was das Songwriting angeht, war „Petrichor“ definitiv die größte Herausforderung. Es ist der längste Track des Albums und für uns alle gesanglich ziemlich anspruchsvoll.
TEMPERANCE hat den eigenen Sound im Laufe der Jahre deutlich weiterentwickelt. Wenn du auf eure bisherigen Veröffentlichungen zurückblickst: Welche Veränderungen haben deiner Meinung nach am stärksten zu „Arcani“ geführt?
Dass wir ein Album wie „Arcani“ schreiben und aufnehmen konnten, liegt vor allem an all den Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren gesammelt haben. Besonders nach unserem vorherigen Album „Hermitage“, einem vollständigen Konzeptalbum mit einer eigenen Geschichte, hatte ich das Bedürfnis, wieder stärker zu den Wurzeln von TEMPERANCE zurückzukehren.
Mit „Arcani“ haben wir uns wieder Alben wie „Diamanti“ oder „Of Jupiter And Moons“ angenähert, allerdings mit all den Erfahrungen und dem Bewusstsein, die wir in den vergangenen Jahren gewonnen haben.
Jetzt, da „Arcani“ erschienen ist: Worauf freust du dich besonders, wenn es darum geht, das Album auf die Bühne zu bringen?
Da wir wirklich an dieses Album glauben, würden wir in Zukunft gerne so viele Songs wie möglich davon live spielen. Wir hoffen, dass wir immer mehr Gelegenheiten bekommen werden, mit all diesen neuen Songs im Gepäck um die Welt zu reisen.
TEMPERANCE lässt die „Metal Opera“ der 2000er-Jahre wieder aufleben. Bist du selbst ein großer Fan dieser Art von Power Metal?
Wow, das ist interessant! Vor allem, weil Michele und ich riesige Fans genau dieser Art von „Metal Opera“ sind, von der du gerade sprichst. Wir geben unser Bestes und haben uns beim Songwriting noch nie irgendwelche Grenzen gesetzt. Deshalb findet man auf unseren Alben auch so viele unterschiedliche Songs. Wenn du das Ganze als „Metal Opera“ bezeichnen möchtest, bin ich auf jeden Fall auf deiner Seite!
Vielen Dank für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir!
Sehr gerne! Wir sehen uns auf Tour!
