Temperance - Viridian

Review

Go Go Power Rangers!

Es ist schon merkwürdig, welche Assoziationen Musik beim Hören wecken kann. “Virdian“, das fünfte Album der Melodic Metaller TEMPERANCE ist ein hervorragendes Beispiel, um diese These zu untermauern. Man stelle sich eine actiongeladene Kinderserie im Stile moderner Power Rangers vor und nutze die Musik von TEMPERANCE als Intro – Bam! Das passt wie die Faust aufs Auge!

Nun gut, ganz so trivial ist die Musik dann doch nicht. TEMPERANCE liefern kraftvollen, meist schnellen Modern Metal mit Power-Metal-Passagen, befinden sich im Grundsound also irgendwo zwischen AMARANTHE und GLORYHAMMER. Das amtlich krachende “My Demons Can’t Sleep“ zeigt diese Tendenzen beispielsweise recht deutlich. Ein solcher Stil birgt natürlich die Gefahr, leicht ins Kitschige abzurutschen, was auf “Viridian“ leider auch das eine oder andere Mal vorkommt. “I Am The Fire“ ist so pathetisch, wie man es vom Namen abgeleitet bereits vermuten könnte und wirkt somit wenig beeindruckend, ähnlich wie der Titeltrack. Beide Songs sind gewollt episch und somit zwar durchaus catchy und hörbar, jedoch weder innovativ noch spannend.

TEMPERANCE machen es doch noch spannend!

Als “Let It Beat“ ganz nett vor sich hin gedudelt hat und damit über die Hälfte des Albums verstrichen ist, hätten vermutlich die ersten “Viridian“ mit einem leichten Schulterzucken abgeschaltet. Doch TEMPERANCE haben sich den wirklich interessanten Teil für die zweite Hälfte aufgespart. Besonders “Nanook“ mit seinem abwechslungsreichen Klangbild samt asiatisch angehauchter Melodie und das opulente “The Cult Of Mystery“ zeigen eindrucksvoll, dass die Italiener auch zur Vielfalt in der Lage sind. Um dies zu unterstreichen schließt “Viridian“ mit einer an Gospelsounds angelehnten A-Cappella-Nummer, die man so nicht hat kommen sehen.

Für Freunde futuristisch anmutender Keyboards, Power-Metal-Hooks und einem interessanten Mix aus männlichem und weiblichem Gesang ist “Viridian“ klar zu empfehlen, auch wenn TEMPERANCE hier sicherlich das Rad nicht neu erfunden haben. Die Texte sind häufig sehr simpel, haben aber im Kern (“Gaia“, “Catch The Dream“) schöne Botschaften, was sie für eine Vielzahl an Hörerinnen und Hörern zugänglich macht. Wahre Tiefgründigkeit und musikalische Variabilität sind eher selten anzutreffen. Mit dieser Einschätzung kommt man dem Siegel “Actionkinderserienintro“ wiederum doch recht nah.

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26.02.2020

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