Vomitory
Death Metal am Familientisch

Interview

Seit nunmehr 36 Jahren scheren sich VOMITORY einen Dreck um zeitgenössische Musik und hacken spätestens seit „Revelation Nausea“ mit ihrem Signature-Sound, der irgendwo zwischen Schweden und den USA in den Atlantik gestürzt ist, mit hochwertiger Präzision durchs Gebälk. Auch eine knapp zehnjährige Pause hat der Band aus Karlstad nicht geschadet. VOMITORY sind keine exzentrische Truppe der großen Worte, das Gespräch mit Drummer und Sprachrohr Tobias Gustafsson zum neuen Album „In Death Throes“ dennoch freundlich und geradlinig.

Hi Tobias, so wie ihr es auf euren Alben macht, würde ich auch gerne direkt mitten ins Geschehen zu „In Death Throes“ einsteigen. Ich finde die Platte ist eure Brutalste seit „Terrorize, Brutalize, Sodomize“. Kannst du das nachvollziehen und welchen Anteil hat Christian Frederiksson, der ja nun vollständig ins Songwriting involviert war?

Ja, ich würde auf jeden Fall sagen, dass Christian einen großen Anteil daran hat. Schließlich hat er selbst im Wesentlichen ein paar Songs beigesteuert, die allesamt ziemlich brutal sind. Allerdings haben wir nicht darüber nachgedacht, zu Beginn des Songwritings nun ein heftigeres Album zu produzieren, stattdessen ist es diesmal einfach auf ganz natürliche Weise so gekommen.

Würdest du denn mitgehen, dass „In Death Throes“ brutaler als sein Vorgänger ist?

Also ich würde sagen, es ist definitiv intensiver.

„Können wir das verwenden? Fuck, ja!“

Bei der ersten Single „For Gore And Country“ könnte man fast meinen, ihr übt neben der ganzen Brutalität auch ein wenig Kritik am kriegerischen Zeitgeist.

Der Song hat definitiv überhaupt keinen politischen Hintergrund. Es geht einfach um eine Armee aus Zombies, die gegen eine ebensolche aus Menschen kämpft. Pure Fiktion.

Ihr lasst politische und sozialkritische Statements in euren Songs also auch ganz bewusst raus?

Ja, das lassen wir ganz bewusst raus und man wird damit von VOMITORY wohl auch nicht rechnen können. In unseren alten Texten findest du sicher die übliche Kritik an organisierten religiösen Strukturen, doch politische Aspekte bleiben außen vor.

Dann gibt es Songs wie „Two And A Half Men“, bei dem man natürlich direkt Charlie Sheen vor Augen hat.

Dabei geht es allerdings um zwei Männer, die gerade einen Dritten aufessen. Wir haben einfach darüber nachgedacht, dass das ein ziemlich cooles Wortspiel sein würde. Können wir das verwenden? Fuck, ja.

Ihr seid ja nun 2023 mit „All Heads Are Gonna Roll“ wieder dagewesen, als hätte es die lange Pause dazwischen niemals gegeben. In der Zwischenzeit habt ihr euch die Zeit zum Teil mit CUT UP vertrieben. Wie sieht eigentlich der Status dieses Projektes aus?

Man sollte natürlich niemals nie sagen, aber im Moment befinden sich nur noch Erik Rundqvist und ich in CUT UP. Schließlich sind wir beide auch wieder in VOMITORY aktiv und haben an dieser Front alle Hände voll zu tun, sodass aktuell keine Zeit und Interesse an CUT UP besteht.

Hat sich das für euch wie ein Lückenfüller für die Zeit angefühlt, als VOMITORY eben auf Eis lagen?

Ja, schon. Wir haben uns mit VOMITORY im Jahr 2013 getrennt und das sollte eigentlich für immer sein. Es war vorbei. Erik und ich hatten aber noch Lust, gemeinsam Musik zu machen, sodass wir CUT UP gegründet und aufgebaut haben. Wir haben zwei Alben bei Metal Blade veröffentlicht und dann plötzlich die Anfrage erhalten, eine Reunion-Show von VOMITORY auf dem Summer Breeze 2017 zu spielen. Das waren sehr spezielle Umstände, doch es hat uns großen Spaß gemacht, sodass wir uns 2019 dazu entschlossen hatten, eine komplette Tour zu spielen und diese anschließend sogar auf 2020 auszudehnen. Danach hat uns aber die Pandemie eingeholt. Die Welt stand still und wir haben uns dazu entschieden, wieder als richtige Band aufzutreten und Material zu schreiben.

„Es sollte eigentlich für immer sein. Es war vorbei“ klingt ziemlich entschlossen. Wo lagen denn die Gründe, dass man das so eindeutig ausformulieren konnte?

Wir waren eine aktive Band für insgesamt 24 Jahre und hatten einfach das Gefühl, alles ist gesagt. Wir hatten keine Pause, haben immer Shows gespielt und neue Songs für neue Alben geschrieben. Natürlich waren wir auch in verschiedenen Lebenssituationen, einige hatten gerade kleine Kinder bekommen. Die Voraussetzungen innerhalb der Band waren einfach sehr unterschiedlich, sodass es schwer war, dieses Paket weiterzutragen. Heutzutage ist es natürlich immer noch schwer, alles geregelt zu bekommen, doch als Band ist inzwischen wieder leichter geworden.

Du hast sämtliche Zeiten bei VOMITORY mitgemacht. Was ist eigentlich dein Herzensalbum?

Oh, das ist sehr schwer für mich auszuwählen. Ich mag sie wirklich alle. Ich würde sagen „Blood Rapture“ aus 2002 ist richtig gut geworden, genauso wie der Vorgänger „Revelation Nausea“, weil wir dort unseren typischen Sound gefunden haben. Persönlich mag ich dann noch „Carnage Euphoria“ und „Terrorize, Brutalize, Sodomize“ sehr gerne.

Wenn Urban und du am Familientisch zusammensitzt, ist da VOMITORY auch Thema?

Wenn wir gemeinsam bei unseren Eltern sind, dann werden wir schon gefragt, in welche Stadt oder Land reist ihr mit der Band als Nächstes? Gibt es eine große Tour? Natürlich unterhalten wir uns dann nicht für Stunden darüber, doch es kommt durchaus mal auf.

Death Metal am Familientisch

Mögen eure Eltern denn VOMITORY? Und waren sie schonmal auf einem eurer Konzerte?

Sie sind schon absolute Unterstützer, mögen die Musik aber überhaupt nicht. Ich glaube sie haben uns auch noch nie Live gesehen. Bestenfalls waren sie einmal in den ganz frühen Tagen der Band bei einem Konzert von uns.

Ich habe euch jetzt schon ein paar Mal Live gesehen – erstmals irgendwann gegen Mitte der Zweitausender auf dem Summer Breeze Open Air. Ich fand es immer wieder skurril, wie vehement sich Erik wehrte, Frontmann zu sein.

Das stimmt. Damals hatte Erik überhaupt keine Lust, mit dem Publikum zu interagieren und hat sich einfach gesagt „Fuck that“. Das hat dann Peter Östlund, unser damaliger Gitarrist übernommen. Das hat zwar irgendwie ein bisschen weird gewirkt, doch es hat insgesamt gut funktioniert. Seitdem aber Peter nicht mehr dabei ist, übernimmt Erik nun auch auf der Bühne und ich habe keine Ahnung, warum er sich jemals Sorgen darüber gemacht hat. Er macht das großartig.

Auf Tour geht’s nun ziemlich bunt mit ABBATH, VREID und HYPOCRISY. Bist du der Meinung, dass das Package gut zusammenpasst?

Oh ja, auf jeden Fall. Du bekommst einfach ein bisschen von allem. Die melodischen Hooks von HYPOCRISY, bisschen Black Metal und dann eben noch brutalen Death Metal von VOMITORY. Bei vier Bands, die sehr ähnlich klingen, würdest du wahrscheinlich irgendwann ermüden. Viel Glück an die Truppe, die zuletzt ranmuss!

Jubiläumstouren oder Shows von bestimmten Alben stehen derzeit ziemlich hoch im Kurs und werden von etlichen Bands vollzogen. Wenn es von der Zeit her passt, wäre das auch etwas für euch?

„Raped In Their Own Blood“ wird aktuell 30 Jahre alt, da könnte man schon etwas tun, aber ich glaube wir sind als Band ein bisschen zu faul, uns sowas ranzuschaffen. Dazu haben wir gerade ein neues Album am Start. Ich denke, man sollte sich eher darauf fokussieren, anstatt zu nostalgisch zu sein.

Habt ihr denn überhaupt einen Song aus eurem ersten Album in eurer aktuellen Setlist?

Nein, derzeit nicht. 2024 hatten wir aber den Titeltrack mal in unserer Setlist. Wir haben den eigentlich über ein paar Jahre sogar relativ oft gespielt.

Zum Schluss nochmal zu euren Openern: „Rapture In Rupture“ reiht sich da gnadenlos ein. Man wirft die Platte an und wird förmlich ins Album hereingehackt. Habt ihr da schonmal drüber nachgedacht, anders, vielleicht heavier, zu starten?

Ich glaube wir würden niemals mit einem langsamen Song starten. Ich habe mal drüber nachgedacht, dass wir den Titeltrack an den Anfang stellen könnten, der würde dann aber auch brutal und schnell sein.

Quelle: Zoom-Interview mit Tobias Gustafsson
03.04.2026
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