Any Given Day - Everlasting

Review

Die Fanrückmeldungen zu ANY GIVEN DAY und ihrem zweitem Album „Everlasting“ scheinen überwiegend positiv zu sein. Erste Bekanntheit erreichte die fünfköpfige Metalcoreband aus Gelsenkirchen mit dem Cover der RIHANNA-Songs „Diamonds“. Was wohl eher ein glücklicher Zufall war, denn Cover von Pop-Songs gibt es jetzt wirklich wie Sand am Meer. Sänger Dennis Diehl sorgt heute und hier dafür, dass ANY GIVEN DAY einen amtlichen Haken bieten. Sein voluminöser, melodischer Gesang ist ebenso beeindruckend, wie die gewaltigen Brüller, mit denen ANY GIVEN DAY die zahlreich gestreuten Breakdowns auf die Reise schicken. Stimmlich ist die Band breit aufgestellt, auch Bassist Michael und Gitarrist Dennis greifen unterstützend ein – insgesamt ein riesiges Plus für die Band und wohl eher der Grund für die zukommende Aufmerksamkeit.

ANY GIVEN DAY gehen auf Nummer sicher

Der Opener“My Doom“ tritt gleich kompromisslos die Tür ein, es werden präzise Riffs am Fließband gehackt und ANY GIVEN DAY pflügen einmal ordentlich durch brachiales Hinterland. Der wogenglättende Refrain trennt schon die Spreu vom Weizen, abrupte Wechsel von glühendheiß zu eiskalt, sagen sicher nicht jedem Hörer zu. In den kompletten fünfzig Minuten Spielzeit findet sich auf „Everlasting“ allerdings kein wirklich wagemutiger Vorstoß in neue Gefilde und kein Hauch eines Versuchs den Weg Richtung Nummer Sicher auch nur kurz zu verlassen. Das Duett mit Matt Heafy von TRIVIUM sollte man nicht überbewerten oder als Qualitätsmerkmal heranziehen. Der entsprechende Song „Arise“ glänzt eher mit Druck und der gelungenen Schichtung von Groove auf entrückt platzierten Klaviertönen und pumpendem Drumbeat. ANY GIVEN DAY liefern sicher keinen platten oder künstlichen Sound, verweben die einzelnen Parts sogar recht angenehm dicht und trotzdem plätschert „Everlasting“ ohne wirklichen Klimax vor sich hin. Am meisten punkten können ANY GIVEN DAY immer dann, wenn sie mal nach vorne pirschen. Auf den großen Knall oder die eine mitreißende Stelle, wartet man leider vergeblich.

Eher für den Moment und  nicht everlasting

ANY GIVEN DAY büßen somit schon auf dem zweiten Album eine Menge Freiheit ein, vieles wirkt offensichtlich abgestimmt (Mitsingparts, hier könnte dann live geklatscht werden…) und dieses Kalkül sorgt dafür, dass am Ende nicht mehr soviel mitreißende Emotionen hinten ankommen. ANY GIVEN DAY legen damit Wert auf das Publikum, auf den gemeinsamen Moment, und das ist durchaus auch löblich zu werten. Dabei skizzieren sie aber von sich selbst als Künstler nur ein vages Bild. Wer KILLSWITCH ENGAGE, DISTURBED und TRIVIUM mag, wird auch hier glücklich werden. Der eigene Hit von ANY GIVEN DAY, um tatsächlich „Everlasting“ zu liefern, muss allerdings erst noch geschrieben werden.

04.09.2016
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