Backyard Babies - Sliver & Gold

Review

Die BACKYARD BABIES nennen ihr neues Album „Sliver & Gold“. Das klingt (auf den ersten Blick) schon edler als „Jack & Coke“ oder gar „Kippen & Bier“. Und in der Tat streunen die mittelalten Herren 2019 weiterhin kontrollierter durch die Arena des Rock als zu Zeiten ihres Sturm und Drangs. Aber damit darf man sich irgendwann auch mal arrangieren, schließlich haben gediegene melodische Mitwipp-Hymnen und kleine akustische Strass-Splitter auch was für sich.

„Sliver & Gold“ rockt auf großen Schultern

All das Gefasel mal beiseite gelassen spricht vor allem eines für die neuen Stücke der BACKYARD BABIES: Spätestens nach dem zweiten Durchgang singt und murmelt man schon diverse Refrains und Licks mit („didudidu“, irgendwas mit „masturbating“ („Simple Being Sold“)) und tastet beschwingt nach dem Lautstärke-Regler. Und dass es überhaupt zum zweiten und weiteren Durchgängen kommt, dazu muss man sich beim kritischsten Blick auf die Truppe nicht zwingen. Entertainment anyone? „Sliver & Gold“ geht da mit seinem Anliegen recht offen um.

Nach dem einigermaßen aufgedrehten Einstieg mit „Good Morning Midnight“ cruised „Sliver & Gold“ meist maximal lässig mit Mike Ness auf dem Rücksitz und Michael Monroe („A Day Late In My Dollar Shorts“ … ha!) auf der Stoßstange in Richtung Sonnenuntergang. Auf dem Auspuff dengelt Mick Jagger als Wackeldackel vor sich hin.

Die BACKYARD BABIES schultern das Alter

„Yes To All No“ klimpert sich anfangs ungeniert in die Nähe von „Don’t Fear The Reaper“ und platziert seinen Refrain dann stilsicher zwischen eben SOCIAL DISTORTION und Flöte. Gute drei Minuten, die beweisen: Eine große Plattensammlung und große Vorbilder können auch ohne große Verrenkungen zu großen Momenten beitragen. Auch der Titelsong oder „Bad Seeds“ zwingen den Ellbogen aus dem Seitenfenster. Und sogar das ruhige Abklingbecken „Laugh Now Cry Later“ inklusive Akkordeon geht eher ins Herz als in die Hose.

Kurzum: „Sliver & Gold“ klingt trotz ausbleibender akustischer Vollgas-Attacke nicht nach Untergang. Höchstens nach Sonnenuntergang. Die BACKYARD BABIES könnten ihren Weg aus der Berufsjugendlichkeit gefunden haben, um auch ungedoped noch weitere Jahre den eigenen Tattoos nicht peinlich zu werden. Und dieser Weg ist deutlich würdevoller und am Ende des Tages auch schlicht spaßiger als der ebenso berüchtigte wie hilflose Schritt durch den Singer-Songwriter-Notausgang. „One – two – three – four … Rock ’n‘ Roll“!

27.02.2019
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