Bad Religion - The Dissent Of Man

Review

BAD RELIGION können machen was sie wollen. Sie sind und bleiben die Könige des melodischen Punk Rock. Kann man das so platt sagen? Man kann, denn keine andere Band in dem Genre versteht es derart geile, ins Ohr gehende Hooklines zu kreieren. Rein musikalisch sind die Songs der Band schon länger nicht mehr bloß reiner Punk Rock. Streng genommen schon seit “Generator”, aber definitiv seit dem 1994er “Stranger Than Fiction”-Werk nicht mehr. Vielmehr sind die Scheiben mittlerweile eine Mischung aus Rock und Punk und genau dieses bietet uns auch das 15. Studioalbum “The Dissent Of Man”.

Die Mär, dass die Band nur in der Lage ist zwei Arten von Songs – den langsamen und den schnellen – zu schreiben, ist mittlerweile völlig haltlos. Die neueren BAD RELIGION gestalten ihre Songs, im Rahmen des Punk, enorm abwechslungsreich. Es gibt schnelle, für die Band typische Nummern wie “Wrong Way Kids”, “Meeting Of The Minds” oder den Opener “The Day That The Earth Stalled”, die den Hörer zurück in die Zeit Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger katapultieren. Daneben stehen Songs wie “Won’t Somebody”, die musikalisch eher dem Rock-Genre als dem Punk zugeschrieben werden können, die durch die Stimme von Greg Graffin und dene eingängigen Hooklines aber als BAD RELIGION-Song sofort erkennbar sind.

Die Basis für die Musik der Kalifornier ist natürlich nach wie vor Punk Rock. Allerdings haben sich BAD RELIGION im Laufe der Jahre (vermutlich auch durch den Wechsel von Epitaph zu Sony und zurück zu Epitaph) neuen Einflüssen geöffnet, so dass Scheiben wie eben “The Dissent Of Man” sehr abwechslungsreich daher kommen und sich vom Einheitsbrei der meisten Punk Bands abheben. Wenn man es genau nimmt, hat dieser Prozess bereits mit besagtem “Generator”-Album eingesetzt. Deshalb verwundert es auch nicht, wenn BAD RELIGION mit “I Won’t Say Anything” einen lupenreinen und zu 100% radiokompatiblen Song auf dem Album haben, der trotzdem perfekt in den Albumkontext passt.

Wie auch immer. Die Trademarks der Band sind auch auf der neuen Scheibe zu jeder Sekunde erkennbar. Die fesselnden Refrains, die leicht melancholischen Melodien von Sänger Greg Graffin, die Kompositionen von Mr.Brett und nicht zuletzt die immer bissigen und für BAD RELIGION typischen Texte. Im Prinzip also genau das, was der Fan erwartet. Meiner Meinung nach spielen BAD RELIGION nach wie vor in ihrer eigenen Liga, wobei es egal ist, ob nun das Gaspedal durchgetreten wird oder man auch Genrefremdes, wie beispielsweise die Slide-Gitarre in „Cyanide“, in den Bandsound einflechtet. So lange dabei Platten heraus kommen, die die alten Trademarks und den alten Spirit mit dem erweiterten Horizont so gut verbinden, wie es “The Dissent Of Man” tut, sollte jeder halbwegs tolerante Fan auf seine Kosten kommen.

01.10.2010
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