Big Big Train - Woodcut

Review

BIG BIG TRAIN veröffentlichen mit „Woodcut“ ihr bereits 16. Album nach „The Likes Of Us“ (2024). Da hat der große, große Zug aber auch ein umfangreiches Werk am Start!

Ein umfangreiches Werk von BIG BIG TRAIN

„Woodcut“ enthält insgesamt 16 Songs (davon vier Instrumentalstücke) verteilt auf 66 Minuten Spielzeit und ist das erste vollständige Konzeptalbum der 1990 gegründeten BIG BIG TRAIN. Das ist insofern erstaunlich, da die Band doch immer wieder in ihren Songs großes Storytelling zum Ausdruck brachte.

Die Texte beinhalten eine fortlaufende Erzählung, die sich mit Kreativität, Opferbereitschaft und der schmalen Grenze zwischen Inspiration und Wahnsinn auseinandersetzt. Das zweite Album der Progressive-Rock-Band, nach dem Neustart mit Sänger Alberto Bravin, dreht sich um einen fiktiven Holzschnitzer, dessen Hingabe zu seiner Arbeit manchmal zur Obsession wird. Der Protagonist verliert sich in seiner Vision, Selbstzweifel türmen sich auf bis zum Rand des Wahnsinns. Hier kann man durchaus Parallelen zu Musikern ziehen, die sich ebenso in liebevoller Detailarbeit innerhalb ihrer schöpferischen Kraft verlieren können.

Der Titel ist passend gewählt. Der Holzschnitt als präzises, sorgfältig ausgeführtes Werk, bildlich dargestellt im stilvollen schwarz-weißen Cover-Artwork von Robin Mackenzie. Eine Präzision, die auch zu den technischen Fähigkeiten der exzellenten Musiker passt. Darüber hinaus hat Sänger Bravin auch alleine die Rolle des Produzenten übernommen. Auch das ein Novum in der Bandgeschichte von BIG BIG TRAIN. „Woodcut“ unterscheidet sich damit deutlich von den bisherigen Werken der Band.

Deutlicher Unterschied

Geblieben ist die grundsätzliche musikalische Ausrichtung. „Woodcut“ ist eine zusammenhängende musikalische Reise aus Progressive Rock, Melodic Rock und AOR mit deutlichen Folk-Einflüssen. Virtuos verspielt, Detailverliebt und dennoch von Leichtigkeit geprägt, emotional greifbar. Warme Harmonien, komplexe Arrangements, liebevoll instrumentiert, britische Melancholie.

BIG BIG TRAIN eröffnen „Woodcut“ mit der intimen Einleitung „Inkwell Black“, gefolgt vom dramatischen „The Artist“. Ruhiger Anfang, beschwingte, grandiose Basslinie, vielseitige, teils vertrackte Rhythmen, sphärische Keyboards inklusive Hammond-Sounds, mehrstimmige Gesänge, relaxte, umschmeichelnde Harmonien. Trotz vielschichtigem Aufbau stets nachvollziehbar und griffig. „The Lie Of The Land“ greift den Konflikt über die Frage auf, was Kunst in leidenschaftlicher Arbeit abverlangt und zeichnet eindrucksvolle musikalische Bilder von zuckersüßen Melodien die sich in der Intensität steigern wie sich das Stück beständig dynamisch als auch im Tempo weiterentwickelt. Die folkige, düstere Seite von BIG BIG TRAIN kommt in „The Sharpest Blade“ zum Ausdruck, dass sich dann aber groovig-rockig wandelt. Hier insbesondere die reine Stimme von Claire Lindley im Fokus, Alberto setzt Akzente dazu. Der Power-Chord am Ende leitet zum coolen Groove-Monster „Albion Press“. Intensive Gitarrenriffs, die etwas an BLACK SABBATH erinnern, dazu jazzige Momente, Solis der Gitarren und Keyboard, prägnanter Refrain.

Weitere Höhepunkte bieten BIG BIG TRAIN im ruhigeren, wunderschönen „Arcadia“ mit 12-saitiger Akustikgitarre und das für die Band eher mit dissonanteren Tönen ausgestattete, drängende „Warp And Weft“ mit komplexem, sich windenden Rhythmus, cleveren Gesangsarrangements und Horn-/Violinen-Einwürfen. Aber auch „Chimaera“ mit seinen verschiedenen Abschnitten, der tollen Stimme von Oskar Holldorf in der Bridge und einem starken Gitarren-/Geigen-Duett von Sjoblom/Lindley überzeugt. Und das abschließende Prog-Rock-Crescendo „Last Stand“ sorgt nochmals für ordentlich Gänsehaut.

Die verschiedenen Gesänge sorgen nicht nur für Kontrast und Stimmungen, sie tragen viel zum geschlossenen Storytelling bei, wie die vielschichtige, farbenfrohe Musik dem Album einen cineastischen Charakter verleiht. Dabei behalten BIG BIG TRAIN ihre klanglichen Neo-Prog-Trademarks bei, erweitern diese um die noch erzählerischeren Komponenten und packenden Atmosphären, was dem Werk viel Lebendigkeit verleiht. Und auf eine spannende, musikalische Reise entführt.

Spannende, musikalische Reise

„Woodcut“ ist ein komplexes Album, das als Gesamtes funktioniert aber auch vom geneigten Hörer Zeit und Aufmerksamkeit erfordert. Schön!

28.01.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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