Dan Swanö - Moontower

Review

DAN SWANÖ muss man nicht mehr vorstellen. Als Mastermind hinter EDGE OF SANITY, NIGHTINGALE und später auch WITHERSCAPE hat er die Metalgeschichte, insbesondere in den 1990er-Jahren, maßgeblich geprägt. Progressiver Metal, mal mit mehr, mal mit weniger Death, ist sein Markenzeichen. Nachdem Century Media Records den kompletten Backkatalog von EDGE OF SANITY und NIGHTINGALE neu aufgelegt hat, erhält nun auch Swanös einziges Soloalbum diese Behandlung. „Moontower“ erschien Anfang 1999 und bekommt 27 Jahre später das verdiente Spotlight – im Rahmen einer gelungenen Neuveröffentlichung und mit der ersten Rezension der Platte bei uns.

DAN SWANÖ auf Solopfaden

Musikalisch führt DAN SWANÖ auf „Moontower“ den Weg fort, den er mit EDGE OF SANITY verlassen hatte. Bis heute hält sich das Gerücht, „Moontower“ hätte das nächste reguläre EDGE-OF-SANITY-Album werden können, wäre die Band nicht zuvor zerbrochen. Swanö beschreibt das Werk als „70er-RUSH auf Death Metal“.

Für diese Einschätzung bräuchte man zwar RUSH-Koryphäe und metal.de-Kollege Johannes Werner, doch „Moontower“ klingt tatsächlich wie eine Melo-Death-Version klassischer Prog-Bands. AYREON-Fans sticht das prägnante Keyboard sofort ins Ohr, das Mr. Lucassen ähnlich einsetzt – und der schielt mit seinen Veröffentlichungen ebenfalls gern in die 1970er.

Wer es knüppelhart mag, ist hier falsch. Stattdessen liefert Swanö entspannte Gitarrenriffs zu seinen markanten Growls. Klargesang setzt er sparsam ein, dann jedoch mit Gänsehautgarantie wie in „Add Reality“. Das Remaster greift behutsam in die Originalaufnahme ein, holt den End-90er-Sound ins Hier und Jetzt und verleiht ihm mehr Volumen, sodass die acht Stücke druckvoll aus den Boxen klingen.

Fans älterer OPETH-Alben, insbesondere „Morningrise“ und „Still Life“, fühlen sich auf „Moontower“ sofort heimisch. Ein Blick ins Booklet von „Morningrise“ zeigt, dass die Platte ebenfalls in Swanös Unisound Studios produziert wurde. Die Welt ist klein.

Wer tiefer in die Entstehungsgeschichte eintauchen möchte, legt die zweite CD ein. Dort finden sich zahlreiche Demos aus verschiedenen Schaffensphasen, anhand derer sich nachvollziehen lässt, wie die acht Albumtracks entstanden. Dazu kommen die raren Coverversionen von „Lucretia My Reflection“ (THE SISTERS OF MERCY) und „Melissa“ (MERCYFUL FATE), denen Swanö seinen Stempel aufdrückt.

„Moontower“ ist mehr als EDGE OF SANITY 2.0

1999 dürften Fans Swanös Soloalbum begeistert aufgenommen haben, weil es Vertrautes bietet und zugleich neue Nuancen setzt. 27 Jahre später ist die Platte gut gealtert und überzeugt mit einem spannenden Genremix.

27.02.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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