Opeth - Morningrise

Review

Galerie mit 28 Bildern: Opeth - Wacken Open Air 2019

DAS Album der vergangenen fünf Jahre. „Morningrise“ ist eines jener rar gesäten Langrillen, die man auch nach zweijähriger Dauerbeschallung nicht müde wird, mindestens zweimal die Woche im Teller zur Rotation zu zwingen. Legendär mutet zunächst das ‚Intro‘ des Openers „Advent“ an, das einen mit einer pochenden Doublebass und einem treibenden Riff sofort gefangen nimmt. Nach einem kurzen akustischen Besinnungs-Intermezzo läßt man sich ergeben von einem Lauf zum nächsten führen, bis man sich schließlich, wieder Doublebass-geschüttelt, mit einer vor Agression und Gewalt nur so strotzenden Stimmwucht konfrontiert sieht – WAS ein Beginn! Jene Heiß-Kalt-Manier durchzieht denn auch wie ein roter Faden die gesamte CD, das Markenzeichen Opeths auf seinem unumstrittenen Höhepunkt. Die ersten Clean-Vocals nach etwa 7 min überraschen beim erstmaligen Hören in Klarheit und Gefühl, spätestens nach dreimaligem Genuß machen gerade diese den überwältigenden Charakters der Gesamtheit aus. Der unvergleichliche Einfallsreichtum von Sänger, Gitarrist und Chef-Songwriter Mikael Åkerfeld kennt schier keine Grenzen, und auch die beispiellose Drum-Kreativität Anders Nordins sucht seinesgleichen in der Metal-Welt. Selbst die auf anderen Opeth-Alben hin und wieder etwas zu kurz kommende Bass-Arbeit erfährt auf „Morningrise“ einen markanten Höhepunkt. Bass-Soli wie in „Advent“, „Nectar“ oder „Black Rose Immortal“ unterstreichen die perfekte Symbiose und somit die Daseinsberechtigung sämtlicher Instrumente zu einem Ganzen – was man bei etlichen anderen Bands im Metalbereich doch schmerzlich misst. Der anfangs verwundernde, überraschend knarzige Gitarrensound spiegelt nach mehrmaligem Hören der CD perfekt die Rauhheit der Musik wieder, die bei aller Perfektion nie verloren geht und einen nicht geringfügigen Teil jener unbeschreiblichen Gesamtatmosphäre zu entwickeln weiß: Die Melodiebögen, ob durch Gesang, Bass oder Gitarren übernommen, verleiten zu ungehemmtem Fallenlassen in eine ungeahnte Tiefe von lupenreinen Harmonien, nie wird man durch vorzeitige Endigung oder vermeintlich unvollkommenen Abbruch enttäuscht allein gelassen, jede Emotion wird bis zu ihrem Ausklang musikalisch gelebt. Auch der lyrisch verankerte trübe Grundtenor des Gesamtwerkes läßt erfrischend progressive und kurzweilige Phrasen zu, wodurch ein über 20-minütiges Monument wie „Black Rose Immortal“ erst an Außerordentlichkeit gewinnt und dem Vorwurf abzusprechen vermag, allein durch seine Länge beeindrucken zu wollen. Auch die düsteren, in Wort- und Klangwahl erlesenen Lyrics Åkerfelds sprechen nicht das Death-übliche Klischee-Englisch aus möglichst blutigen Vokabeln, drücken selten grundlos pessimistisches Selbstmitleid aus, sondern stimmen sich elegant an die jeweilig vorherrschende Anwandlung der Musik an, lassen ihr genau so viel Raum wie diese dem Gesang. Einen ungewöhnlichen, durchgängig sanften Ausklang des Albums bietet die letzte Nummer „To Bid You Farewell“. In beeindruckend gefühlvoller Art und Weise bitten Opeth zum letzten Rausch, ohne schwülstig auf die Tränendrüse drücken zu müssen. Letzten Endes ist dieses Review eigentlich so entbehrlich wie sinnlos: Opeths Musik ist alles, nur eines nicht: Beschreiblich.

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31.12.2000

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10 Kommentare zu Opeth - Morningrise

  1. Skeletor sagt:

    Ein Sticker prangt auf einer zeimlich unauffälligen , oder besser kein bißchen reisserisch aufgemachten CD im Black-Death-Abteil meines Plattenladens.Auf ihm steht : "Extreme Progressive Metal from the swedish gods!5 tracks in 66 minutes of the best metal you will evr hear!" Es ist das Morningrisealbum von Opeth . Man weiss ja , was man von solchen Sprüchen zu halten hat , aber hier ist man schon verdammt nah an der Wahrheit . Opeth waren auch hier schon unverkennbar in der Schnittmenge schwerer Melancholie und melodischen Deathmetals mit unzähligen akustischen Gesangs-und Gitarreneinlagen tätig . Die Songs bestizen allesamt Überlänge und laden den Hörer ein , in eine Welt voller Anmut zu versinken . Einziges Manko ist an manchen Stellen das Songwriting , wirkt es doch manchmal wie Stückwerk , aber dies beeinträchtigt kaum die Genialität der am meisten Atmosphäre versprühenden Scheibe von Opeth.

    9/10
  2. Anonymous sagt:

    Geniale Scheibe, die auch noch in JAHREN zu den absoluten Hämmern des Metal gehören wird. Es gibt wohl kaum eine Band, die ihren Hörer so in den bann ziehen kann und ihn in traumhafte Welten zieht. Einfach mitreisend! Diese Scheibe stellt mitlerweile sogar meine eigentlichen Lieblinge "Blackwater park" und "still life" lässig ind den Schatten. Von "Delivernance" ganz zu schweigen, welches mich eher etwas enttäuscht, aber trotzdem noch weit über dem Niveau anderer Bands steht. Aber man soll einen Band nicht nach anderen messen, sondern die band an sich bewerten. Mal sehen wie "Revelation" (ich hoffe ich irre mich ncht bei dem Namen) wird. Aber an Morningrise kommt nichts heran! Einfach eine Klasse für sich!

    10/10
  3. Anonymous sagt:

    ach was solls…ich gebe mich meiner begeisterung hin und verleihe 10 punkte, allein für das grandiose "to bid you farewell", den rest dieses albums kenne ich (noch) nicht.

    10/10
  4. horizon sagt:

    zusammen mit BMD von Katatonia, Still Life und BWP eine meiner 4 alltime favourites. wie schaffen es manche personen durch das erzeugen von tönen und klängen eine solche emotionale explosion hervorzurufen??- das wird mir immer ein rätsel bleiben

    10/10
  5. Anonymous sagt:

    Mit "My Arms, You Hearse" zwei unerreichte Meisterwerke dieses Genres..alles danach ist überbewertete Wischi Waschi Musik (ausgenommen Blackwater Park, welches mich noch einigermaßen überzeugen konnte)..

    10/10
  6. börnite sagt:

    kann mich dem Review da nur noch anschließen.. das und My Arms, You Hearse sind meine Absoluten Lieblings Silberlinge von Akerfeldt & Co. ^^

    Unerreicht.

    10/10
  7. dark summoning sagt:

    göttlich, göttlicher, Opeth…..das 2. Album der Band, ein Meilenstein wie alle anderen
    Alben auch, Allein Black Rose Immortal würde ausreichen, um 95 Prozent aller Bands verblassen zu lassen….

    10/10
  8. disbeliefer sagt:

    Mit Verlaub gesagt das beste Opeth-Album! Jede Note, jeder Wechsel, alles genau wo es hin muss! Der Sound? Göttlich! Allein der prägnante Bass ist wunderschön, die Gitarren richtig schön knarzig, aber dennoch nicht zu rau, die Drums perfekt eingepegelt und der Gesang ist traumhaft – im cleanen Bereich vielleicht noch etwas zu unausgereift, aber genau DAS macht den Charme aus!

    5/10
  9. disbeliefer sagt:

    goddamn… ich hasse es… 10! verdammt nochmal…

    10/10
  10. Lars sagt:

    Immer noch ihre beste Scheibe.

    10/10