Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising
Review
DIMMU BORGIR haben sich in den letzten anderthalb Dekaden wahrlich nicht durch einen hohen kreativen Output hervorgetan. Zwischen „Abahadabra“ und dem 2018er Album „Eonian“ lagen bereits acht Jahre und seither sind nochmal weitere acht Jahre ohne neues Material ins Land gezogen (die unsägliche Cover-Chose „Ispiratio Profanus“ lassen wir hier mal außen vor). Nun melden sich die umstrittenen Black-Metal-Superstars aber nach langer Flaute mit ihrem 10. regulären Album „Grand Serpent Rising“ zurück.
DIMMU BORGIR haben sich Zeit gelassen
Es hat sich in der Zwischenzeit natürlich ein bisschen was getan im Hause DIMMU BORGIR. So verabschiedete sich 2024 Langzeit-Gitarrist und Co-Songwriter Galder nach 24 Jahren in der Band, um sich wieder ganz seinem eigenen Baby OLD MAN’S CHILD zu widmen. Erstmals seit langem zeigen sich also allein Shagrath und Silenoz für alle Kompositionen verantwortlich. Und auch musikalisch gibt es ein paar zwar nicht drastische aber nichtsdestotrotz signifikante Veränderungen.
Wo einen nämlich grade die letzten beiden Alben mit Chören, Effekten und orchestralem Bombast fast erschlagen haben, wirkt „Grand Serpent Rising“ in dieser Hinsicht (für DIMMU BORGIR-Verhältnisse) regelrecht reduziert. Die symphonischen Elemente, die in den letzten 20 Jahren langsam aber sicher die Überhand gewannen und DIMMU BORGIR zunehmend zu einer bösen Version von NIGHTWISH machten, wurden auf Album Nummer 10 deutlich zurückgefahren. Folglich hat man nach langer Zeit endlich mal wieder das Gefühl, dass die Herren mit der Klampfe in der Hand und nicht primär mit einem opulenten Filmsoundtrack im Hinterkopf komponiert haben.
Was freilich nicht heißt, dass Shagrath und Silenoz komplett darauf verzichten, ein Mindestmaß an Pomp gehört bei DIMMU BORGIR eben zum guten Ton. Dennoch schwingt „Ascent“ nach dem unnötig langen instrumentalen Intro „Tridentium“ überraschend hart die Axt und dringt bisweilen auf thrashiges Terrain vor. Und auch die urtypische DIMMU BORGIR-Hymne „As Seen In The Unseen“ lässt trotz eingängigem Refrain und mehr Symphonik eine gewisse Wucht nicht vermissen.
„Grand Serpent Rising“ ist ausgewogener als die letzten Alben
Dass die Gitarren wieder stärker im Vordergrund stehen, macht sich auch auf melodischer Seite bemerkbar. So reichen etwa die Leads und Soli in einem „Repository Of Divine Transmission“ tief in den klassischen Heavy Metal und man hat das Gefühl, dass sich Silenoz hier nach langer Zeit mal wieder etwas austoben durfte, ohne gleich von einem Orchester oder elektronischen Effekten begraben zu werden. Besonders stechen auf „Grand Serpent Rising“ aber ausgerechnet die beiden erstmals seit „Death Cult Armageddon“ bzw. seit „Stormblast MMV“ wieder auf Norwegisch getexteten Stücke hervor.
Bei „Ulvgjeld & Blodsodel“ handelt es sich um eine astreine Viking-Ära-BATHORY-Verbeugung. Klar ist das Ganze wie üblich für DIMMU BORGIR etwas mehr auf Breitwand getrimmt, man übertreibt es aber nicht und wer hätte gedacht, dass man Shagrath und Silenoz nochmal im gestreckten Wikinger-Marsch auf Raubzug gehen sieht. Und wo wir grade bei Wikingern sind, das hochmelodische „Silk Minnes En Alkymist“ wagt gar den Schritt in Richtung (unpeinlichen) Pagan Black Metal, der bisweilen an THYRFING und MOONSORROW erinnert.
Daneben gibt es natürlich auch recht viel typische DIMMU-Kost, wobei „Recognizant“ mit seinen Exkursen in den Thrash- und Power Metal durchaus nochmal aufhorchen lässt, bevor mit „Gjoll“ ein zwar stimmungsvolles aber erneut unnötig langes instrumentales Outro das Album beschließt. Unnötige Länge ist ein gutes Stichwort. Denn von den 13 Stücken auf „Grand Serpent Rising“ unterschreiten lediglich vier die Fünf-Minuten-Marke. Mit fast 70 Minuten Spielzeit ist das Album also ein ziemlicher Brocken geworden, der seinen Umfang trotz unerwartet vieler markanter Höhepunkte nicht immer durch Ideenreichtum rechtfertigt.
Nach hinten raus etwas zu langatmig
Nichtsdestotrotz kann man „Grand Serpent Rising“ insgesamt durchaus als Überraschung verbuchen, denn diese orchestral reduziertere und insgesamt ausgewogenere Herangehensweise hat man so von DIMMU BORGIR erstmal nicht mehr erwartet. Ganz aus ihrer Haut können die Norweger dabei zwar nicht und echten Trveheimern und Second-Wave-Maniacs werden sich auch weiterhin die Fußnägel hochrollen. Dennoch darf man „Grand Serpent Rising“ insgesamt eine erfreuliche Entwicklung bescheinigen. Nächstes Mal nur bitte mit etwas mehr Mut zum Rotstift, damit das Ergebnis etwas kompakter gerät.
Dimmu Borgir - Grand Serpent Rising
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Symphonic Black Metal |
| Anzahl Songs | 13 |
| Spieldauer | 69:18 |
| Release | 22.05.2026 |
| Label | Nuclear Blast Records |
| Trackliste | 1. Tridentium 2. Ascent 3. The Qryptfarer 4. As Seen in the Unseen 5. Ulvgjeld & blodsodel 6. Repository of Divine Transmutation 7. Slik minnes en alkymist 8. Phantom of the Nemesis 9. The Exonerated 10. Recognizant 11. At the Precipice of Convergence 12. Shadows of a Thousand Perceptions 13. Gjǫll |
