Gozu - Gozu VI

Review

Nach „Remedy“ (2023) veröffentlichen GOZU ihr sechstes Album schlicht „Gozu VI“ betitelt. Ein Werk, mit dem die Band aus Boston etwas bewegen und einen Nerv treffen will.

GOZU wollen einen Nerv treffen

Sänger und Gitarrist Marc Gaffney war in den letzten zwei Jahren während des Schreibens von „Gozu VI“ emotional mitgenommen und hat seinen Ballast in ausgiebigem Gitarrenspielen abgeladen. In einer schwierigen Phase seines Privatlebens wirkte die Arbeit am Album wie eine kathartische Erfahrung. Das alles spiegelt sich in sehr persönlichen Texten wider, wie in großen Riffs und Melodien, die GOZU auf das nächste Level hieven.

Das nächste Level

GOZU schreiben ihre Geschichte im eingängig schlichten wie qualitativ wertigen Stoner, Metal, angenehm unkomplizierter Prog und auf dem neuen Album verstärkt Doom und Grunge weiter. Satte, energiegeladene Riffs, intensive, einprägsame Melodien, emotionsgeladener Gesang und fette Grooves. Dazu bei aller Bodenständigkeit dieses feine wie treffsichere Gespür für regelrechte Hits und Mitsing-Refrains. Die Zutaten bleiben dieselben, wobei das neue Album nochmal heavier und Gitarrenlastiger ist, gleichzeitig die speckig-schweren Einflüsse auch von ALICE IN CHAINS wie SOUNDGARDEN stärker betont.

„Corinthian Leatherface“ – diesen Titel muss man einfach mal auf der Zunge zergehen lassen. Dreckig verzerrte mit mitreißende Riffs, treibende Grooves von Bass und Schlagzeug, klare wie authentische Gesangsharmonien in tollem Stimmumfang des Sängers. Fuzz und Stoner-Feeling gepaart mit emotionalen Gesangsausbrüchen, mit Motown und QUEENS OF THE STONE AGE. Eingängig wie experimentell, was GOZU da machen ist besonders und funktioniert. Gaffney teilt sich noch stärker mit als bisher und zeigt neue, erweiterte Facetten seiner Stimme.

Danach folgt ohne Verspätung der „Midnight Express“, allerdings im getragenen, schweren Doom-Tempo mit prägnantem Riff und depressiver Stimmung. Einer der emotionalen Tiefpunkte auf „Gozu VI“. Beim düsteren wie dreckigen „Killer Khan“ ist das Intro von „Rough Boys“ von PETE TOWNSEND inspiriert, dazu eine ordentliche Portion ALLMAN BROTHERS. Schweres, kraftvolles Riff, tiefer Groove.

Und GOZU können noch mehr: Das balladeske, sanfte „Corner Lariat“ sorgt für Kontrast mit verträumtem Gesang und einem Schimmer von Hoffnung. Das treibende „Banacek“ bringt den IRON MAIDEN Galopp, einfache aber wirkungsvolle Gitarren und eingängig melodische Gesangsharmonien. Echter Hitsong! Demgegenüber ist „They Did Know Karate“ langsam und bedrohlich, melancholische Atmosphäre, gemächliches Riffing, ein Spagat zwischen Wucht und Melodie. GOZU beenden ihr Album mit dem kraftvoll schnellen „Gimme The Lute“ sowie dem harmonischen „Corvette Summer“.

Der Sound ist angenehm, präzise, transparent und erdig zugleich. Jedes Instrument hat seinen Platz, nichts dominiert und alles hat Luft zum Atmen.

Luft zum Atmen

Die wünscht man auch dem charismatischen Gaffney, der mit seiner vielseitigen Stimme den Großteil der Emotionen auf „Gozu VI“ trägt. Daneben sind es die treffsicheren Riffs, die eingängigen Hooks und die gelungene Mischung verschiedener Genres, die das Album zu bisher besten Werk von GOZU machen.

13.05.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

Exit mobile version