Green Lung - Black Harvest

Review

Nachdem das Debüt Album Anfang 2019 ordentlich Staub aufgewirbelt hat, erscheint nun dieser Tage der Nachfolger “Black Harvest” von GREEN LUNG. In den kurzen vier Jahren ihres Bestehens sind GREEN LUNG aus dem Dunkel des britischen Heavy-Undergrounds aufgestiegen und haben sich zu einer echten Kultband mit einer treuen Anhängerschaft entwickelt.

Auf “Black Harvest” werden viele Stile miteinander kombinert

Zwei Jahre später ist nun der Folk-Horror-besessene Fünfer wieder da, bewaffnet mit zehn neuen Tracks und frischen Riffs. “Black Harvest”, der Nachfolger von “Woodland Rites”, ist eine farbenfrohe Neuinterpretation des Sounds der Band. Doom Metal, Classic Rock und Stoner-Vibes spiegeln sich in den abwechslungsreichen Songs wider. Natürlich ist auch auf “Black Harvest” die bereits bekannte Orgel zu hören. Nie nervig oder übertrieben, immer songdienlich und Akzente setzend, veredelt sie die Songs.

Nicht einfach eine Kopie des Vorgängers

Das Album beginnt mit “The Harrowing” und führt die Tradition der instrumentalen Eröffnungstracks der Band fort und zieht den Hörer langsam auf eine Reise voller Riffs und Melodien. Es folgt “Old Gods Final”, das von einem grandiosen Riff eröffnet wird. Die Band explodiert förmlich und was aus den Lautsprechern dröhnt macht schnell deutlich, dass dies nicht nur ein Abklatsch von “Woodland Rites” ist.

Die erste Single “Leaders Of The Blind” folgt der Vorlage von “Old Gods Final” und eröffnet mit einem gewaltigen Riff. Die hellen und lebendigen Keyboardtöne ziehen einen in ihren Bann, ohne vom Rest der Band abzulenken. GREEN LUNG verstehen es sehr gut eingängige Songs zu schreiben, die episch, aber nie überladen klingen. Der dritte Song “Reapers Scythe” ist hierfür ein gutes Beispiel. Auch hier sind Wrights Keyboards zwar überall zu hören, aber nie störend oder aufdringlich.

Britische Folklore in den Texten
Bei der Ballade “Graveyard Sun” legen GREEN LUNG eine Pause ein und schalten einen Gang zurück. Der Song beginnt mit einer schönen Akustikgitarre von Scott Black und er basiert textlich auf der Folklore um den “Highgate Vampire”. Der Titeltrack “Black Harvest” beginnt als eine weitere englische Folk-Beschwörung, bevor die Band in einen richtigen 70er-Jahre-Instrumental-Jam übergeht.

Gelungene Kombination aus SABBATH-Riffs meets PURPLE-Vibes

Scott Blacks Riffs und sein insgesamt hervorragendes Gitarren-Spiel kommen auf “You Bear The Mark” voll zur Geltung, ebenso wie Templars markante Vocals. Beim Refrain übertrifft er sich quasi selbst und liefert die beste Gesangsperformance des gesamten Albums ab. Er klingt halt wie der oft zitierte “kleine Bruder” von OZZY OSBOURNE. “Doomsayer” liefert den härtesten Track der Scheibe ab mit sich fast überschlagenden Vocals. Hier ist die Leistung von Schlagzeuger Matt Wiseman hervorzuheben, er legt sich richtig ins Zeug und dabei prügelt er sprichwörtlich auf sein Drum-Kit ein. Seine Leistung auf dem gesamten Album ist bemerkenswert. Insgesamt ist es die Kombination aus BLACK SABBATH-ähnlichen Riffs mit einer Anspielung auf andere Proto-Metal-Bands der frühen 70er Jahre und dem einzigartigen Gesangsstil von Sänger Tom Templar, die den besonderen Reiz von GREEN LUNG ausmachen.

Der Abschluss “Born To A Dying World” ist anders als alles, was die Band bisher geschrieben hat. Eine Endzeit-Ballade mit fast gospelartigem Charakter. Hier verleiht Wrights allgegenwärtiges Keyboard dem Song zusätzliche Tiefe.

GREEN LUNG heben ihren Sound auf ein neues Level

“Black Harvest” greift alles auf, was auf dem Vorgänger gut funktioniert hat, und setzt noch eins drauf. Alles ist größer, epischer. Das Album klingt gewaltig, dank der exzellenten Produktion und der Präsenz von Organist John Wright, was dem Ganzen außerdem einen DEEP PURPLE-ähnlichen Vibe verleiht. Aber GREEN LUNG kopieren nicht einfach, was DEEP PURPLE gemacht haben, das ist ihr ganz eigener Sound. Templars Stimme und Blacks Riffs unterstreichen das nachhaltig.

Außerdem muss man GREEN LUNG dafür loben, dass sie ihren Sound  verändert haben und nicht einfach nur das wiederholen, was sie anfangs so erfolgreich gemacht hat.

22.10.2021
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