Green Lung - Woodland Rites

Review

Zugegeben, auf den ersten Blick wirkt das Debüt der Südlondoner GREEN LUNG beinahe wie ein handelsübliches Stoner Rock-Release, das sämtliche Genre-Klischees zu erfüllen scheint: Ein Bandname, der unverhohlen auf den Konsum berauschender Kräuter anspielt? Check! Okkulte Lyrics und Songtitel über schwarze Magie, Hexen und den Leibhaftigen höchstpersönlich? Check! Eine nicht von der Hand zu weisende Portion BLACK SABBATH-Nostalgie? Check! Warum „Woodland Rites“ trotz allem garantiert mehr als nur eine durchschnittliche Platte ist, erfahrt ihr hier!

GREEN LUNG – Alles, nur nicht herkömmlich

Bevor das Ritual beginnt, begrüßen die britischen Hexenmeister den Hörer in ihrem eingeschworenen Zirkel. Als Initiation dient das gleichnamige Intro: Auf sanftes Vogelgezwitscher folgen ruhig-besinnliche Akustikgitarrenklänge und schon geht es direkt los mit der geballten Schlagkraft aus schweren Riffs, dröhnenden Bässen und Drum-Gedonner. Der Titeltrack „Woodland Rites“ glänzt nicht nur dank seiner markanten Bassline und des eingängigen Refrains, sondern lässt auch vermuten, bei Frontmann Tom Templar müsse es sich um einen verschollenen Sohn Ozzy Osbournes handeln – die Vocals sitzen nicht nur einwandfrei, sie hüllen den stark vom Rock der 70er Jahre beeinflussten Stoner-Sound auch in ein authentisches Nostalgie-Gewand.

Mit der energiegeladenen Nummer „Let the Devil In“ stampfen GREEN LUNG unbeirrt weiter. Neben der rockigen Fuzz-Gitarre und dem schaurig-schönen Mitsingchorus stechen vor allem die groovenden Orgelklänge hervor, die den Song mit ihrem psychedelischen Touch abrunden. Spätestens bei „The Ritual Tree“ fragt man sich dann schon langsam, ob die Jungs nicht vielleicht doch ein bisschen zaubern können. Neben dem unheilvollen Gesang und dem heulend-fetzigen Gitarrengroove überzeugt vor allem der sehr melodische Mittelteil mit seinem ausufernden Solo.

„Templar Dawn“ erweist sich als echter Leckerbissen für alle Horrorfilmfanatiker, immerhin bezieht sich die doomig-düstere Nummer auf Amando de Ossorios Kultstreifen „Die Nacht der Reitenden Leichen“ von 1972. Mit dem munter voranpreschenden „Call of the Coven“ und der bluesig-atmosphärischen Ballade „May Queen“ beweist das Quintett endgültig, wie unglaublich facettenreich sein Spektrum ist. „Into the Wild“ erweist sich als konsequenter Abschluss eines wahrlich magischen Debüts – besonders Gitarrist Scott Black darf zu guter Letzt noch einmal zeigen, wie viel Zauberkraft in seinen Fingern steckt und liefert ein Solo, bei dem vermutlich sogar Großmeister Iommi anerkennend mit dem Kopf nicken würde.

Green Lung - Bandfoto 2019

Ob der Bandname die Nebelschwaden erklärt? GREEN LUNG in ihrem Element.

„Woodland Rites“ – Ein Stück Magie

Es muss schon mit dem Teufel zugehen, wenn eine derart junge Band, ein so gelungenes Debüt abliefert. Oder weniger sensationalistisch ausgedrückt: GREEN LUNG sind verdammt begabt! „Woodland Rites“ ist eine Dreiviertelstunde feinster Stoner Rock, gepaart mit psychedelischen Einflüssen, okkulter Energie und spektakulärem Ideenreichtum. Hier und da mag ein Song zwar schneller als der andere zünden, insgesamt tut das der Platte jedoch keinen Abbruch. Wer also für seine nächste Séance oder unheilige Messe noch den passenden Soundtrack sucht, kann bei diesem Riff-Gewitter bedenkenlos zugreifen!

01.07.2019

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1 Kommentar zu Green Lung - Woodland Rites

  1. Base4ever sagt:

    Wow die Jungs liefern ja auf echt hohem Niveau ab! Das war ein sehr guter Tipp Danke 😉

    9/10