High Fighter - Scars & Crosses

Review

Ein bisschen Sumpf, ein bisschen Wüstenstaub und eine Prise Friedshofsblues – HIGH FIGHTER lärmen sich auf ihrem Debüt „Scars & Crosses“ durch 40 Minuten erdige Gitarrenkost im Schnittfeld von Sludge und Stoner Rock. Und nach dem vielversprechenden ersten Lebenszeichen „The Goat Ritual“ vor zwei Jahren dürfte der eine oder andere Szenekenner durchaus gespannt gewesen sein, wie sich die Hamburger Formation nun im Full-Lenght-Format schlagen. Die Antwort: Souverän, aber nicht immer spannend.

„Scars & Crosses“ punktet in erster Linie mit Organik. Die Gitarren tönen warm, aber dennoch massig, die Drums scherbeln angenehm naturbelassen daher und der Bass agiert als unauffälliges, aber ausdauerndes Fundament. Besonders zur Geltung kommt das überzeugende Zusammenspiel genannter Komponenten beispielsweise in den wuchtigen Midtempo-Refrains von Songs wie „The Gatekeeper“ und dem rhythmisch interessanten „Portrait Mind“.

Ihr tatsächliches Alleinstellungsmerkmal erhält die Platte aber durch die kehlige, wandlungsfähige Stimme der Frontfrau Mona Miluski: Die Dame singt, röhrt, faucht, brüllt vorneweg und krakeelt  sich in beeindruckender Manier durch die Songs. Insbesondere die Screams besitzen eine sehr eigenwillige, durchdringende Klangfarbe – auch, weil sie nicht in übermäßigem Maße eingesetzt werden und so wichtige Akzente setzen können. Selbiges gilt für den Klargesang der Fronterin allerdings nur bedingt. In diversen Stücken („A Silver Heart“, „The Gatekeeper“, „Gods“) beraubt sich Miluski mit ihren energischen Einstiegen bereits zu Beginn jeglichen dynamischen Spielraums – und so entsteht in einigen Augenblicken eine gewisse Eintönigkeit. Dazu trägt nicht zuletzt auch das eine oder andere Allerweltsriff bei – das eigentlich zackig dargebotene „Blinders“ beispielsweise ist aufgrund fehlender melodischer Raffinesse eine recht gesichtslose Angelegenheit.

Gegen Ende steigern sich HIGH FIGHTER dann aber nochmals beachtlich – und liefern mit „Down To The Sky“ und dem abschließenden Titeltrack einen starken Abschluss der Scheibe. Erstgenannter Song zeichnet vom psychedelisch angehauchten Anfang bis hin zum intensiven, von markerschütternden Schreiben begleiteten Finale eine gelungene dynamische Kurve, zweiteres Stück überzeugt mit stilistischer Flexibilität und einigen rasant-wütenden Riffattacken.

So oder so entsteht beim Hören aber der Eindruck, dass hier eine Band am Werke ist, die vielleicht nicht unbedingt in jede Plattensammlung, dafür aber vor allem woanders hingehört: auf die Bühne. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Verfasser dieser Zeilen nach dem physischen Erstkontakt für das dann Erlebte zwei, drei Punkte mehr vergeben wird, ist nicht nur möglich, sondern sogar höchst wahrscheinlich.

04.08.2016
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